Kommentar
Dem bösen Wolf geht es an den Kragen!
Kärntens Jäger blasen zum Halali auf Meister Isegrim! Selbstverständlich nicht offiziell, das wäre ja streng verboten und strafbar! Aber sicher mit breiter Zustimmung der Landwirte, Viehzüchter und Tourismusverbände.
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Wo kein Kläger, da kein Richter. So gab es massive Anzeichen dafür, dass im Mölltal mehrere Wölfe heimlich erschossen und an Ort und Stelle rasch verscharrt worden sind. Sogar die Staatsanwaltschaft leitete entsprechende Erhebungen ein. Mögliche Zeugen blieben stumm, die Anklagebehörde musste das Verfahren einstellen. Zwischendurch wird ein grauer Beißer in Siedlungsgebieten amtlich zum „Problemwolf“ erklärt und darf „entnommen“, also offiziell erlegt werden. Das ist gar nicht so leicht, weil der Urahne unserer Hunde täglich bis zu 70 Kilometer zurücklegen kann. Dabei wurde der eine oder andere Wolf bereits Opfer eines simplen Verkehrsunfalles. Oder tauschen Jäger ihre Büchse gegen die Stoßstange? Mittlerweile tauchen verstärkt Wolfsrudel in Kärntner Bergen auf und richten ein regelrechtes Blutbad unter Schafen und anderen Weidetieren an. Da kann man die aufsteigende Wut der Tierbesitzer durchaus nachvollziehen, auch wenn eine Entschädigung winkt.
Tierschützer und Wolfbefürworter, aber auch Jäger und Schafzüchter sollten verständliche Emotionen einmal beiseitelassen und sich sachlich dem Thema „Wolf“ nähern. Schließlich hat der Mensch durch die ständige Verbauung und Zersiedelung Wildtieren wichtigen Lebensplatz genommen. Täglich werden bei uns mehrere Fußballfeld-Flächen zugepflastert. Warum kann man, wenn es notwendig erscheint und die Zahl dieser vierbeinigen Räuber zunimmt, diese schlaue und scheue Wild-Art nicht einfach in einem Abschussplan aufnehmen, wie etwa bei Rot- und Schwarzwild? Samt vorgeschriebener möglicher Schonzeit und unter Berücksichtigung mehrerer Reviere. Freilich hat Meister Isegrim mit mehr Vorurteilen zu kämpfen als etwa Gevatter Bär, der nach einer tödlichen Attacke auf einen Jogger im Nachbarland Italien wieder ins Fadenkreuz der Weidmänner geraten ist. Dem seltener auftauchenden „Meister Petz“, der zum Imker-Schreck mutierte, wurde in Oberkärnten sogar eine breite Brücke über eine befahrene Straße gebaut. Wie oft der braune „Brummer“ sie benützt, ist nicht bekannt. Der Ruf des Wolfes ist jedenfalls nicht der beste, wie wir das schon von Märchen, Sagen und Mythen kennen. Und im Gurktal hält sich hartnäckig die Geschichte, dass bereits vor Jahren ein solch zähnefletschender Vierbeiner ein Baby von einem Bauernhof verschleppt haben soll. Auch in diesem Tal wütete kürzlich der bissige Geselle und hinterließ seinen unverkennbaren Gruß. Dort kreisten, wie im Wilden Westen, Geier über leblos auf einer Almwiese liegenden Kadaver zerstückelter Schafe.
Stumme „Augenzeugen“ dokumentieren die Beute jagenden Kreaturen – geschickt versteckte Wildkameras, die schon den einen oder anderen Politiker als glühenden Natur- und Freiluftfreund mit weiblicher Begleitung entlarvten. Freilich existieren nicht nur Risiko- und Schadwölfe, sondern Hybrid-Geschöpfe, also Kreuzungen zwischen Hund und Wolf. Das konnte man durch die Untersuchung von gefundenem Kot beweisen. Wie auch immer – so mancher Jäger oder manche Jägerin hätte wohl gerne eine besondere Trophäe an der Wand – den knöchernen Schädel eines Wolfes mit einem mächtigen Gebiss. Wird man sich also bei uns an die neuen „Einwanderer“ gewöhnen, wie Afrikaner an „ihre“ Löwen, Geparden und Krokodile oder kommt es zur totalen Ausrottung des Canis Lupus, den man von 1950 bis 2000 neun tödliche Angriffe in Europa nachweisen konnte, fünf allerdings durch Tollwut. Ein bekannter Tierschützer meinte dazu: „Der Wolf ist gekommen, um zu bleiben!“
