Klagenfurt

Sprach­ar­bei­ter als Sie­ger: „Lyrik kennt kei­ne Gren­zen!“

Beim 16. „Kärntner Lyrikpreis der Stadtwerke Klagenfurt“ stehen die Gewinner fest. Die feierliche Übergabe findet am fünften Dezember im Stadthaus statt.

Sprach­ar­bei­ter als Sie­ger: „Lyrik kennt kei­ne Gren­zen!“ Sieger beim „Kärntner Lyrikpreis der Stadtwerke Klagenfurt 2023“: Der in Wien lebende Klagenfurter Autor Philipp Hauser.

© Xenia Snapiro

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Nach der tele­fo­ni­schen Mit­tei­lung, dass er heu­er beim „16. Kärnt­ner Lyrik­preis der Stadt­wer­ke Kla­gen­furt“ den Sieg für sich ent­schei­den konn­te, war der sonst wort­ge­wand­te in Wien leben­de gebür­ti­ge Kla­gen­fur­ter Lyri­ker Phil­ipp Hau­ser zunächst sprach­los. Hau­ser, auch als expe­ri­men­tel­ler, abs­trak­ter Foto­graf aktiv, nach eini­gen „posi­ti­ven“ Schreck­se­kun­den: „Das haut mich um, das ist ein Wahn­sinn!“

Die glück­li­chen Gewin­ner

Der Thea­ter­stück-Ver­fas­ser: „Lyrik kennt kei­ne Gren­zen. Es han­delt sich um eine zart­gro­be Spra­che, die immer wird und nie ist. Es sind doch Tex­te, die man gar nicht fest­hal­ten kann“. Hau­ser – er erhielt den 2. Platz beim Feld­kir­cher Lyrik­preis — arbei­tet momen­tan an einem lyri­schen Zyklus und einer dra­ma­ti­schen Tri­lo­gie. Der Kärnt­ner „Sprach­ar­bei­ter“ erhält bei der fei­er­li­chen Preis­ver­lei­hung am 5. Dezem­ber um 18 Uhr im Kla­gen­fur­ter Stadt­haus 5000 Euro Sie­ges­prä­mie, eine von der HTL Fer­lach kunst­voll ange­fer­tig­te Tro­phäe und eine Urkun­de.

Auf dem zwei­ten Platz (1500 Euro) „lan­det“ dies­mal der Kla­gen­fur­ter Tän­zer und Künst­ler Erich Pacher, Jahr­gang 1965. Der gebür­ti­ge Spit­ta­ler konn­te in den letz­ten drei Jah­ren bei dem Wett­be­werb der Zei­len und Wor­te bereits zwei Mal den beacht­li­chen fünf­ten Platz errei­chen. Pacher: „Mit dem zwei­ten Platz habe ich nicht gerech­net. Ich blei­be jetzt der Lyrik erhal­ten“.

Den drit­ten Platz (800 Euro) konn­te die Fer­la­cher AHS-Leh­re­rin Vera Wut­ti-Incko „erschrei­ben“ – mit slo­we­ni­schen und deut­schen Tex­ten. Die vier­fa­che Groß­mutter erhielt 2015 bei die­sem Kul­tur-Event einen Aner­ken­nungs­preis. Wut­ti-Incko: „Nach der öffent­li­chen Aner­ken­nung im Rah­men die­ser wun­der­ba­ren STW-Lite­ra­tur­ver­an­stal­tung oute­te ich mich als Lyri­ke­rin. Das bin ich geblie­ben…“

Der 4. Rang (Preis der Pos­ter­Ser­vice GmbH PSG, 500 Euro) geht heu­er an einen Autor, der bei­na­he ein „Abo“ für die­ses Lite­ra­tur­fest besitzt: An den in Graz leben­den Blei­bur­ger Micha­el Stöckl (Jahr­gang 1964), der bis­her beacht­li­che sechs Mal punk­ten konn­te. Der Psy­cho­lo­ge gilt als Initia­tor der Blei­bur­ger Thea­ter­ta­ge und erhielt zudem den Lyrik­preis der Stadt Bleiburg/Pliberk.

Über den 5. Platz der „Kraft­wer­ker­rich­tungs- und betriebs­ge­sell­schaft“ (KEG, 500 Euro) freut sich die Lyri­ke­rin Isa­bel­la Krai­ner. Die gebür­ti­ge Frie­sa­che­rin lebt in Neu­markt und erhielt bereits das „gro­ße Lite­ra­tur­sti­pen­di­um des Lan­des Tirol“ in der Spar­te Lyrik. Der­zeit arbei­tet sie an ihrem zwei­ten Gedicht­band „Heul doch“.

Mit dem 6. Platz, dem „Ster­nen­preis“ des Pla­ne­ta­ri­ums (500 Euro), wird die in Wien leben­de gebür­ti­ge Kla­gen­fur­ter Juris­tin Vere­na Roel­ants aus­ge­zeich­net. Aner­ken­nungs­prei­se erhal­ten die Kla­gen­fur­te­rin Eli­sa­beth Haf­ner, die Kla­gen­fur­te­rin Bar­ba­ra Pach­ler, der in Graz leben­de gebür­ti­ge Vil­la­cher Jour­na­list Micha­el Tsch­i­da, die Kla­gen­fur­te­rin Katha­ri­na God­ler, die Kla­gen­fur­ter Leh­re­rin Sil­via Velik und der Wern­ber­ger Autor Harald Schwin­ger.

Den Preis der slo­we­ni­schen Kul­tur­ver­bän­de in der Höhe von 1000 Euro für einen slo­we­ni­schen Autor/slowenische Autorin, der heu­er zum zwei­ten Mal ver­lie­hen wird, kann die in Wien leben­de Stu­den­tin Johan­na „Jana“ Haab ent­ge­gen­neh­men. Haab wuchs in Kla­gen­furt in einer zwei­spra­chi­gen Fami­lie auf. 2019 sieg­te sie beim Tisch­ler-Rede­wett­be­werb und spä­ter beim Schreib­wett­be­werb „Pisa­na Prom­lad“. Der Preis der Kul­tur­ab­tei­lung der Lan­des­haupt­stadt Kla­gen­furt (1500 Euro) wird dies­mal nach Jury­be­schluss an die gebür­ti­ge und in Salz­burg leben­de Kla­gen­fur­te­rin Elke Laz­nia ver­ge­ben – für ihr bis­he­ri­ges Schaf­fen als Poe­tin. Die mehr­fach aus­ge­zeich­ne­te Laz­nia, die 2017 auch den „Kärnt­ner Lyrik­preis“ gewin­nen konn­te,
bezeich­ne­te die­sen als „lei­sen Bru­der des Bach­mann­be­wer­bes“.

Den Preis des Lan­des (3000 Euro) erhält die in Wien woh­nen­de und in Kla­gen­furt gebo­re­ne Kärnt­ner Slo­we­nin Vere­na Gott­hardt – die Autorin brach­te soeben einen Lyrik­band her­aus, „lan­de­te“ im Vor­jahr beim Lyrik­preis an zwei­ter Stel­le, war für den Bach­mann­preis nomi­niert und erhielt vor Jah­ren einen STW-Aner­ken­nungs­preis. Jury­vor­sit­zen­der Gün­ter Schmi­dau­er: „Der Kärnt­ner Lyrik­preis der Stadt­wer­ke­Kla­gen­furt, der in unun­ter­bro­che­ner Rei­hen­fol­ge heu­er das 16. Mal ver­an­stal­tet wird, gilt längst auch als Aus­la­ge für inter­es­sier­te Ver­la­ge. Die bei­den Lyri­ke­rin­nen, die dies­mal für ihr Schaf­fen von Stadt und Land geehrt wer­den, haben zuvor bei die­sem Lite­ra­tur­fest ordent­lich gepunktet.“Auch die erfolg­rei­che Schrift­stel­le­rin Anna Baar hät­te nach ihrem Sieg beim Lyrik­preis eine groß­ar­ti­ge Kar­rie­re ein­ge­schla­gen, sagt der Vor­sit­zen­de.

Jury zeig­te sich begeis­tert

In der Jury sind wei­ters ver­tre­ten: Schrift­stel­ler Josef Wink­ler, die Jour­na­lis­tin Ilse Ger­hardt, die Kul­tur­ex­per­tin Katha­ri­na Herz­man­sky, die Über­set­ze­rin Zden­ka Haf­ner-Celan und Autor Harald Raf­fer (ohne Stimm­recht). Bekannt­lich schied der lang­jäh­ri­ge Juror Richard Götz aus gesund­heit­li­chen Grün­den aus dem Gre­mi­um aus. Die Jury, die die Arbei­ten nur nach Num­mern anonym bewer­tet, tag­te auch dies­mal meh­re­re Stun­den.

Die bei­den STW-Vor­stän­de Erwin Smo­le und Harald Tschur­nig laden die Bevöl­ke­rung zur fei­er­li­chen Preis­ver­lei­hung am 5. Dezem­ber ins Kla­gen­fur­ter Stadt­haus ein. Der Ein­tritt zu die­ser Lite­ra­tur-Gala ist frei, prä­mier­te Autoren lesen aus ihren Wer­ken. Vor­stand Smo­le: „Es ist ein­fach groß­ar­tig, wel­chen Stel­len­wert die Lyrik in unse­rem Bun­des­land besitzt. Das beweist die gro­ße Anzahl der Ein­sen­dun­gen aus­drucks­star­ker Dich­ter “. Jähr­lich betei­li­gen sich zwi­schen 140 und 280 deut­sche oder slo­we­ni­sche Autoren an dem „Wör­ter-Wett­kampf“.

Lyrik­preis-Initia­tor Pro­fes­sor Harald Raf­fer: „Auch heu­er hät­ten noch wei­te­re Poe­ten eine Wür­di­gung für ihre Wer­ke ver­dient. Lei­der muss die Jury eine Aus­wahl tref­fen. Wer dies­mal nicht punk­ten konn­te, soll­te unbe­dingt im nächs­ten Jahr wie­der an den Start gehen! Manch­mal benö­tigt man meh­re­re Anläu­fe, bis man eine der begehr­ten Aus­zeich­nun­gen erhält!“
Ins­ge­samt wer­den Geld­prei­se im Wert von über 15.000 Euro ver­ge­ben. Im Vor­jahr
erschien bei „Her­ma­goras“ eine Antho­lo­gie mit dem Titel „Kärn­ten Poe­sie“, eine
Über­sicht über 15 Jah­re Lyrik­preis mit allen Sie­gern und Sie­ger­tex­ten. Der Lyrik­preis
wur­de schon mehr­mals mit dem „Mae­ce­nas“ gewür­digt.

Eine „Kost­pro­be“ aus dem Gedicht „glück­li­che Tage“ des Sie­gers Phil­ipp Hau­ser:

die trä­ne aus teer
an der durch hän­gen­bleibst
gemor­det
aus dem aug
zuge­schlif­te lip­pen,
mikro­sko­pisch
klein
die enge schlin­ge dei­nes
dolus will spre­chen aber dein
man­tua-ich schwei­gen in
allen spra­chen, stumm getra­ge­ne zei­chen
in den bogen gespannt

17.11.2023 19:00 - Update am: 18.11.2023 07:40
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Sprach­ar­bei­ter als Sie­ger: „Lyrik kennt kei­ne Gren­zen!“ Sieger beim „Kärntner Lyrikpreis der Stadtwerke Klagenfurt 2023“: Der in Wien lebende Klagenfurter Autor Philipp Hauser.

© Xenia Snapiro