"AngeKLiCKt"
Christian Scheider: „Es reichen fünf Stadtsenats-Mitglieder“
Er denkt immer wieder an seinen Mentor Jörg Haider, gilt als KAC- und Austria-Klagenfurt-Fan und wirkt trotz heftiger Turbulenzen im Klagenfurter Rathaus keinesfalls amtsmüde: Ex-FP-Politiker Christian Scheider (Team Kärnten), Bürgermeister der Landeshauptstadt Klagenfurt. Harald Raffer sprach mit Christian Scheider über aktuelle Themen.
Bürgermeister Christian Scheider weist Vorwürfe rund um die Krassnig-Gutachten zurück und betont die Transparenz gegenüber dem Stadtsenat.© Harald Raffer
Der leidenschaftliche Tennisspieler feiert am 21. Februar seinen 60. Geburtstag. Er will noch nicht verraten, ob er bei der nächsten Gemeinderatswahl wieder als Kandidat für den Stadtchef-Posten antritt.
“KLiCK”-Kärnten: Sie sind das zweite Mal Bürgermeister der Landeshauptstadt Klagenfurt. Haben Sie schon darüber nachgedacht, ob Sie bei der nächsten Gemeinderatswahl 2027 wieder für dieses Amt kandidieren?
Scheider: Nun – vorerst möchte ich jene großen Herausforderungen, die vor uns liegen, mit Kolleginnen und Kollegen im Senat und Gemeinderat bewältigen. Es ist eine schwierige Zeit für die Stadt – viele Projekte stehen zur Realisierung an. Es geht um die Umsetzung wichtiger Vorhaben. Ich werde mich zum gegebenen Zeitpunkt zu dieser Frage klar äußern.
“KLiCK”-Kärnten: Vizebürgermeister Alois Dolina (TK) wollte doch schon das Feld für einen Nachfolger räumen. Er ist immer noch im Amt…
Scheider: Es war damals vereinbart, dass er bis zur Hälfte der Legislaturperiode in seinem Amt bleibt. Dolina steht zu dieser Vereinbarung. Wir haben keinen Stichtag festgelegt. Es sind noch einige Projekte aus seinen Referaten abzuarbeiten. Dann werden wir uns neu aufstellen…
“KLiCK”-Kärnten: Zum Flughafen – gibt es eine „Bruchlandung“ oder wird er einmal „abheben“ oder sogar „lichte Höhen“ erreichen?
Scheider: Wir müssen in dieser Causa viel lernen. Da ist einiges schiefgelaufen. Jetzt müssen wir gemeinsam den Flughafen in eine Position bringen, die einer Landeshauptstadt würdig ist. Ich bin überzeugt davon, dass wir einen Airport mit internationalen Anbindungen brauchen. Mit Passagierzahlen, die sich letztlich sehen lassen können. „Lichte Höhen“ kann man leider nicht versprechen…
“KLiCK”-Kärnten: Zur geplanten „Städtischen Holding“. Da gab es mehrere Anläufe, dann wurde es wieder ruhig…
Scheider: Es gibt viele Städte, die über eine Holding verfügen. Wir haben uns das angeschaut. Wir müssen klären, welche Vorteile und welche Nachteile mit einer Holding verbunden sind. Wenn wir effizienter managen können und sich deshalb Vorteile für die Stadt ergeben, bin ich dafür, dass die städtischen Beteiligungen in einer Holding zusammengeführt werden. Hochsensible Bereiche, wo es um politische Verantwortungen geht, sollen hingegen nicht ausgelagert werden. Schließlich wird ein Politiker dafür gewählt, dass er die Bevölkerung in diesen Fragen vertritt. Marktwirtschaftliche Beteiligungen kann man hingegen durchaus bündeln. Ich gehe davon aus, dass dies in diesem Jahr vollzogen wird.

“KLiCK”-Kärnten: Ein heikles Dauerthema, an dem man in Klagenfurt nicht herumkommt: Drei leitende Magistratsmitarbeiter verrechneten „Berge“ von Überstunden. Beinah täglich wird von der „Jost-Affäre“ mit Hunderten Überstunden und enormen Geldforderungen berichtet. Wird Jost auch noch die nächsten 10 Jahre im Rathaus als Magistratsdirektor walten und schalten?
Scheider: Der Gemeinderat hat ja mit breiter Mehrheit aufgrund eines SP-Antrages einen Beschluss gefasst, dass Peter Jost abberufen wird. Es wurden verschiedene Gründe genannt, etwa „Vertrauensverlust“. In diesen Tagen entschied die Gemeindeaufsicht, dass die Verlängerung per Notfallparagraf aufzuheben und der Urzustand wiederherzustellen sei. Jost muss also mit 65 Jahren in Pension gehen, das war mit 31. Dezember 2023. Natürlich kann jeder Mensch juristische Schritte ergreifen und gegen eine Stadt vorgehen. Das wird dann bei Gericht entschieden.
“KLiCK”-Kärnten: Herrn Jost wurde doch der Jänner-Gehalt 2023 vom Magistrat ausgezahlt?
Scheider: Das stimmt. Durch die Feiertage zwischen Weihnachten und Neujahr und diverser Vorkommnisse hat die Personalabteilung leider diese Auszahlung vorgenommen. Wir wollten das sofort stoppen. Das war nicht mehr möglich. Daraufhin haben wir dieses Geld zurückgefordert. Dann erhielten wir ein Schreiben, dass die Anwälte von Dr. Jost ihm raten würden, den Betrag nicht zurückzuzahlen, weil er sich noch immer als Magistratsdirektor sehen würde. Wir haben aber bestimmte Zulagen nicht ausgezahlt wie z. B. die Treueprämie. Das wird wohl alles in den gerichtlichen Verfahren geklärt werden.
“KLiCK”-Kärnten: Die Staatsanwaltschaft führt gegen Sie Erhebungen durch.
Scheider: Das sind die berühmten anonymen Bürgermeister-Anzeigen. Schon in meiner ersten Periode als Bürgermeister war ich mit 15 solcher Anzeigen konfrontiert, bei denen allerdings nie irgendetwas herausgekommen ist. Im konkreten Fall geht es um den Herrn Jost als Geschäftsführer der Sportpark Gesellschaft. Leider ist ja der langjährige und engagierte Leiter Gert Unterköfler plötzlich verstorben. Daraufhin hat, vor meiner Zeit, meine Vorgängerin den Herrn Jost interimsmäßig bis zur Klärung der Nachfolgefrage als Geschäftsführer eingesetzt. Das war dann auch noch in meiner Zeit. Der damalige Prokurist hat mir bestätigt, dass Jost diese Aufgabe in zahlreichen Sitzungen abgearbeitet hat. Für diese Tätigkeiten wurde, abgesegnet und geprüft von der Personalabteilung, ein entsprechender Stundenersatz ausgezahlt. Ich kann mir nicht vorstellen, was daran falsch gewesen sein soll.
“KLiCK”-Kärnten: Die „Spitzel-Affäre“ im Magistrat ist kein Ruhmesblatt für eine Behörde…
Scheider: Da wurde alles protokollmäßig festgehalten – mit einem Notar, einem Datenschutzbeauftragten, IT-Abteilungsvertreter, Direktion ect. Alle haben erklärt, dass die Schritte, die in diesem Fall getätigt worden sind, im Rahmen der Gesetze und des geltenden Datenschutzes erfolgt sind und alles korrekt war. Datensticks wurden verschlüsselt an die Staatsanwaltschaft übergeben. Der Vorwurf, E‑Mails wären gelesen worden, stimmt nicht. Man hat lediglich verschlüsselte Datensätze der Anklagebehörde ausgehändigt. Das wurde vom Anwalt der Stadt bestätigt. Jetzt wird man abwarten müssen, was bei den Recherchen herauskommt. Mehr kann ich zu einem laufenden Verfahren nicht sagen. Im Grunde geht es doch darum, dass Tausende magistratsinterne Daten nach außen gelangt sind. Da geht es um Mitarbeiter-Gehalts- und Lohnzettel mit vertraulichen Hinweisen. Ich war ja verpflichtet, etwas dagegen zu tun!
“KLiCK”-Kärnten: Der Rechnungshof hat die städtische Wohngesellschaft zerpflückt. Es geht auch um Interventionen bei Wohnungsvergaben.
Scheider: Wir nehmen eine Rechnungshofkritik immer ernst. Es handelt sich derzeit nur um einen Rohbericht, in dem noch keine Stellungnahmen der zuständigen Abteilungen eingearbeitet sind. Dieser unfertige Bericht ist, wie es oft passiert, schon in der Öffentlichkeit gelandet. Mich interessiert das auch. Wir haben da zweifellos einen Optimierungs- und Verbesserungsbedarf. Deshalb haben wir bereits Veränderungen vorgenommen, etwa durch einen neuen Geschäftsführer. Wie es bisher gelaufen ist, war offensichtlich nicht optimal. Wir können für die Mieterinnen und Mieter unserer Wohnanlagen sicher noch viel mehr machen. Wir gehen da einen neuen Weg!
“KLiCK”-Kärnten: Stichwort „Budget“. Es wird an allen Ecken und Enden gespart, Mühlgebühren steigen. Müssen die Klagenfurter künftig den Gürtel enger schnallen?
Scheider: In erster Linie muss einmal die Stadtverwaltung den Gürtel enger schnallen. Bisher gab es immer noch finanzielle Spielräume. Jetzt sind wir aber auf einen Punkt angekommen, wo wir Einsparungen vornehmen und Reformen durchführen müssen. Die Verwaltung muss schlanker und effizienter gemacht werden. Nicht jede Stelle kann deshalb nachbesetzt werden. Diese Reform ist durchzuführen. Und gewisse Tarife, die nicht mehr zeitgemäß sind, müssen angepasst werden. Wir hatten ja Tarife, die sich 10 oder 15 Jahre nicht verändert haben. Und wir vergleichen uns mit anderen Landeshauptstädten. Wir werden deshalb wieder von einigen Seiten Kritik ernten. Wenn wir aber nichts unternehmen, hagelt es von anderen Seiten ebenfalls Kritik. Wenn wir unsere Hausaufgaben machen, dann muss das auch das Land tun. Wir würden niemals in so eine Notsituation geraten, wenn die Finanzierungsströme seitens des Landes gegenüber der Stadt nicht so nachteilig wären. Wir werden, was nur die Umlagen betrifft, laut einer Studie am drittschlechtesten von allen österreichischen Städten behandelt. Das geht in die Millionen, die plötzlich mehr zu bezahlen sind. Und wir haben kein Mitspracherecht. Wir verlangen hier eine Reform. Wir werden ein Budget auf die Beine stellen – mit gewissen Einschnitten. Allein für das Stadttheater, das von allen Kärntnern genützt werden kann, wenden wir sieben Millionen auf.
“KLiCK”-Kärnten: Wie sieht es mit der oft angekündigten Verkleinerung des Stadtsenates aus?
Scheider: Diesen Vorschlag habe ich eingebracht. Wir haben schon einmal den Stadtsenat von neun auf sieben Mitglieder verkleinert. Ich bin auch für eine Verkleinerung des Gemeinderates und könnte mir durchaus vorstellen, den Stadtsenat von sieben auf fünf Mitglieder zu verringern. Dafür gibt es noch keine Mehrheit. Es sollten alle Fraktionen merken, dass wir erst in der Hälfte unserer Amtsperiode angekommen sind und wir noch drei Jahre vor uns haben. Jetzt müssen wir die Zeit nutzen, um etwas für die Stadt bewegen zu können. Erst kurz vor der Wahl sollten parteipolitische Konfrontationen geführt werden. Ich habe keine Angst vor einer vorzeitigen Wahl, sehe aber keinen Sinn darin.
“KLiCK”-Kärnten: Ein Wort zum „Spiel der freien Kräfte“, also wie sieht es mit der Zusammenarbeit mit anderen Parteien aus?
Scheider: Das wechselt stark. Klagenfurt ist in einer anderen Situation wie etwa Villach und St. Veit. Die Bürgermeister Günter Albel und Martin Kulmer verfügen ja über eine absolute Mehrheit. Dann erhält man leichter eine Einstimmigkeit. Ich bin Bürgermeister und die SP ist die stärkste Partei. Die Zusammenarbeit muss von einem guten Willen getragen sein. Das Budget ist da eine große Herausforderung. Man muss halt reden und argumentieren. Überall kommt man nicht auf einen gemeinsamen Nenner.

“KLiCK”-Kärnten: Bleibt das Ordnungsamt?
Scheider: Ich habe nie von einer Abschaffung gesprochen. Ich habe allerdings den seinerzeitigen Gründungsgedanken zur Diskussion gestellt. Wohin hat sich das Ordnungsamt bewegt? Ich habe viele Reaktionen bekommen, die waren zum Großteil nicht sonderlich positiv. Motto: Das ist eine Abstraf-Einheit, die nur Strafzettel schreibt. Ursprünglich sollten Touristen informiert und Bürger aufgeklärt bzw. zunächst abgemahnt werden. Auch das subjektive Sicherheitsgefühl sollte gesteigert werden. Da gibt es eine inhaltliche Diskussion. Von einer Auflösung aus Kostengründen war keine Rede.
“KLiCK”-Kärnten: Immer wieder gibt es Vorschläge für einen neuen Messe-Standort, etwa im Norden. Was ist damit?
Scheider: Das ist derzeit kein Thema. Wer soll das alles finanzieren? In Zeiten wie diesen muss man eben kleinere Brötchen backen. Jetzt haben wir gerade die Eishalle generalsaniert und ihr ein neues Gewand verpasst. Wir wollen ja das Kongress/Eventzentrum umsetzen. Hier hat das Land großes Interesse bekundet. Ich denke, der Standort wird bleiben.
“KLiCK”-Kärnten: Das städtische Seniorenheim Hülgerthpark sorgte für negative Schlagzeilen.
Scheider: Da gab es viel Wirbel und wenig Sachlichkeit. Das Verfahren läuft. Es scheinen zwei Bewerber als mögliche Heimbetreiber auf. Sie haben sich für das Finale qualifiziert. Die Stadt wird das Grundstück zur Verfügung stellen und ein Baurecht vergeben und so weiterhin einen Einfluss besitzen. Derzeit gibt es einen Einspruch. Damit haben wir gerechnet.
“KLiCK”-Kärnten: Wollten Sie schon einmal „alles hinschmeißen“?
Scheider: Eigentlich nicht. Ich bin ja schon lange in der Politik. Es gibt schlechte und gute Zeiten und man muss als Gemeindeoberhaupt viel einstecken. Motto: Der Bürgermeister ist für alles verantwortlich. Wenn aber in irgend einer Abteilung etwas passiert, kann ich das nicht immer im Detail wissen. Man übernimmt freilich eine gewisse „General-Verantwortung“. Ich habe mich auch beim Journalisten Franz Miklautz entschuldigt, nachdem die Staatsanwaltschaft Erhebungen gegen ihn eingeleitet hat. Dafür war ich nicht verantwortlich. Ich bin ein Verfechter der Pressefreiheit. Und ein Journalist muss sehen, wie er zu Geschichten kommt.
“KLiCK”-Kärnten: Sie singen mitunter gerne. Sind Sie auch ein gläubiger Mensch?
Scheider (ohne nachzudenken): Ja!
“KLiCK”-Kärnten: Denken Sie manchmal an Ihren tödlich verunglückten Förderer Jörg Haider?
Scheider: Ja! Immer wieder. Und immer wieder fallen mir Geschichten mit ihm ein. Das ist doch ein Phänomen – jemand, der seit 2008 verstorben ist, bleibt bei vielen Menschen noch stark in Erinnerung.
“KLiCK”-Kärnten: Haben Sie Ihre Vorgängerin Mathiaschitz einmal getroffen?
Scheider: Nein.