Strahlenschutz
Kärnten hat mobiles Strahlenmesslabor
Es handelt sich dabei um einen Bus mit dem Namen KÄRN:MESS. Dieser Strahlenmessbus hat viele Vorteile, sollte das passieren, was sich niemand von uns wünscht.
© Büro LH-Stv. Prettner
Unfälle mit Atomkraft sind zwar selten, kommen aber unglücklicherweise vor. Es gibt weitere Gefahrenquellen, die viele gar nicht „auf dem Schirm“ haben – wie Transport-Unfälle mit medizinischen oder industriellen Strahlenquellen. „Solche Transporte sind laufend auf unseren Straßen unterwegs“, sagt Gesundheitsreferentin Beate Prettner. Und sie macht auf eine weitere Gefahrenquelle aufmerksam: Funde von Radioaktivität in Schrott, Sperrmüll oder bei Entsorgungsbetrieben. Prettner: „Gefährlich ist natürlich auch ein Brand in einem Betrieb mit Strahlenquellen.“
Einziges Bundesland mit mobilem Messlabor
Für solche Szenarien gibt es Reaktionspläne, die vom Bund vorgegeben werden. In Kärnten geht man allerdings einen Schritt weiter und hat ein mobiles Messlabor entwickelt. Prettner: „Wir sind damit das einzige Bundesland, das über ein solches Messlabor verfügt. Wir nennen es den Kärntner Strahlenmessbus KÄRN:MESS.“ Entwickelt hat ihn Kärntens Strahlenschutz-Beauftragter Rudolf Weissitsch mit der Firma Gihmm. Das Unternehmen hat auch das österreichweite Strahlen-Frühwarnsystem entwickelt. Der Bus verursachte Kosten von rund 120.000 Euro (60.000 Euro für den Bus, 60.000 Euro für das „Innenleben“).
Schnelle Reaktion möglich
Prettner und Weissitsch betonen: „Dieses Equipment wird laufend weiterentwickelt. Denn Mess-Systeme entwickeln sich permanent und ebenso permanent folgen die Updates des Busses. Besonders bei einem AKW-Unfall sind weitreichende Messungen von Boden, Pflanzen, Wasser, Messungen der Lebensmittel und Messungen der Futtermittel erforderlich. Mit KÄRN:MESS ist gewährleistet, dass wir in Kärnten sehr schnell agieren können. Mit dem Bus können wir direkt vor Ort Messungen durchführen. Schon nach wenigen Minuten erhalten wir die Auswertungen.“
Erstellung von Landkarten
In Kärnten werden derzeit auch zwei „Landkarten“ erstellt: eine Cäsium-Landkarte und eine Pilz-Landkarte. Warum, weiß Weissitsch: „Mit der Cäsium-Landkarte werden wir die erste flächendeckende Cäsium-Bestandsaufnahme eines Bundeslandes erstellen. Diese liefert uns Basiswerte, die im Fall eines ‚Strahlenereignisses‘ zum Vergleich herangezogen werden können. Und mit der Pilzlandkarte haben wir cäsiumbelastete Pilze geographisch zuordenbar erfasst. Auch das dient uns bei einer Kontamination von Teilen unseres Bundeslandes als Vergleichswert.“
Kommunikation ohne Fake News
Tritt tatsächlich ein radiologischer Notfall ein, gilt es, die Bevölkerung so schnell wie möglich mit Fakten zu versorgen. „Unser Bundesland verfügt mit dem Kärntner Strahlenalarmplan über eine Kommunikationsschiene, auf die sich die Menschen verlassen können: Sie verbindet alle relevanten Ebenen – Verwaltung, Gesundheitsorganisationen, Exekutive – und leitet sämtliche notwendigen Informationen umgehend an die Bevölkerung weiter. Ohne Fake News“, so Weissitsch.
Was passiert im Notfall?
National und international finden regelmäßig Notfall-Übungen statt. Und auch im schlimmsten Fall sind nach internationalen Standards in Österreich Evakuierungen nicht notwendig, auch nicht bei grenznahen Kernkraftwerk-Unfällen. Weissitsch erklärt, warum: „Weil die anderen vorgesehenen Schutzmaßnahmen – wie Aufenthalt in Gebäuden und Jodblockade durch Einnahme von Kaliumjodid-Tabletten – ausreichend sind.“ Die Kaliumjodid-Tabletten werden in Österreich seit über 25 Jahren bevorratet.
