Roadtrip
In einem “Kommunisten” durch Afrika
Seit zehn Jahren erkunden Felix Rupitsch und Stefan Maier den afrikanischen Kontinent in einem alten Lada – made in UdSSR. Auf ihrer bereits tausende Kilometer langen Reise sind die beiden in Regionen vorgestoßen, die noch kein Europäer vor ihnen gesehen hat.
© Felix Rupitsch / Stefan Maier
Als “einen der letzten Kommunisten” beschreibt der gebürtige Mölltaler Felix Rupitsch das Gefährt, das ihm und seinem guten Freund Stefan Maier jedes Jahr für einige Wochen nicht nur als Fortbewegungsmittel, sondern auch als Hotel, Küche und Ersatzteillager dient. Die Rede ist von einem Lada Niva, Baujahr 1991, den die beiden einst bei einer Online-Plattform für 1000 Euro erworben haben.

Im Jahr 2014 sind Rupitsch und Maier das erste mal mit dem “Kommunisten” nach Afrika gereist. Seitdem kehren sie jedes Jahr dorthin zurück und setzen ihre Reise durch den Kontinent Stück für Stück fort. Da stellt sich die Frage: Warum? Und vor allem: Weshalb ein alter, rostiger Lada?
“In einem Land Cruiser kann’s ja jeder”
“Wir sind in der Reise-Szene vernetzt”, sagt Rupitsch. Das ist eine Art Gemeinschaft, in der Personen auf eigene Faust fremde Kontinente und Länder erkunden. Oft geschieht das in einem großen, schweren Geländewagen oder einem Camping-Fahrzeug.
“Damit kann man doch nicht fahren!”, war somit der häufigste Kommentar aus der Szene, als die beiden beschlossen, in ihrem Lada ganz Afrika zu bereisen. “In einem Land Cruiser kann’s ja jeder”, meinte Stefan Maier dazu. Maier ist Ziviltechniker für Fahrzeugtechnik, er kennt sich mit Autos also bestens aus.
“Außerdem ist unser Lada eine rein mechanische Maschine mit recht simpler Technik”, erklärt Rupitsch. Und genau das ist der größte Vorteil des kleinen Wagens.

Wenn nämlich in einem modernen Fahrzeug mit all seinen elektronischen Teilen etwas kaputt geht, dann steht man da und kommt nicht mehr weiter. Beim Lada kann man aber selbst die Reparaturen vornehmen, wenn man genug Ersatzteile mit hat. Nicht ganz unwichtig, wenn man beispielsweise auf einem schmalen, unbefestigten Weg im afrikanischen Busch liegen bleibt.
“High Risks, High Earnings”
“Außerdem kann man mit großen und schweren Geländewägen oft gar nicht auf den schmalen Straßen der afrikanischen Landschaft fahren”, sagt Rupitsch. Heutige Geländewägen sind dafür nämlich zu breit, zu schwer und wegen all der modernen Technik zu anfällig für Pannen.

“Du bist in deiner Freiheit auch völlig unlimitiert”, erklärt Rupitsch weiter. Denn wenn ein moderner Geländewagen kaputt wird, hat man mehrere Zehntausend Euro Schaden, beim Lada ist das nicht der Fall.
Kurz und knapp also: “Wir beschlossen einfach, es zu versuchen. Es geht uns ja vor allem darum, den Versuch zu wagen, auch wenn es riskant werden kann”. Oder wie es in der Welt der Aktien heißt: High Risks, High Earnings – großes Risiko liefert große Erträge.
“Wir schätzen das Unerforschte”
Auf den einzelnen Etappen ihrer Reise haben Maier und Rupitsch schon etliche afrikanische Länder durchquert, wobei sie – mit wenigen Ausnahmen wie dem weltberühmten Kruger Nationalpark – die typischen Touristen-Ziele links liegen gelassen haben. Das liegt daran, dass die beiden vor allem die Unreguliertheit und Unerforschtheit des Kontinents schätzen.

“Du musst stets selbst mitdenken und fähig sein, mit Leuten ins Gespräch zu kommen und dir ein Netzwerk zu knüpfen”, so Rupitsch. Anders als in Europa, wo alles durch Gesetze und Normen reguliert wird, brauche es für ihre Reisen ins Unbekannte soziale Intelligenz, flexibles Denken und die Fähigkeit, sich blitzschnell auf unvorhersehbare Ereignisse einzustellen.
Reise in den Kongo
Das jüngste Beispiel hierfür ist der Trip der beiden in den Kongo vom Feber 2024. “Über dieses Land findet man im Internet kaum Informationen, außer dass einige Gebiete des Landes zu den gefährlichsten Regionen der Welt zählen”, erklärt Rupitsch.
Er sah das vor allem als Herausforderung: Wie schafft man es, dorthin zu gelangen? “An den Grenzen stehen die LKWs in kilometerlangen Staus und warten oft mehrere Monate auf die Einreise. Zudem gibt es im Land viele Straßensperren von Milizen und Korruption ist Teil des Systems”, fasst Rupitsch das mehrere Tage dauernde Einreise-Prozedere zusammen.
Nachdem die beiden es aber doch noch geschafft hatten, woran sie zwischenzeitlich selbst nicht mehr glaubten, wurden sie mit einer tollen Erfahrung belohnt.
Rekordverdächtig
Im Kongo sind die beiden, begleitet von Einheimischen, mit Mopeds und zu Fuß mehrere Stunden durch den Dschungel gereist, um einen der höchsten Wasserfälle des Kontinents zu sehen. “Es war Regenzeit, eine Herausforderung für Menschen und Maschinen. Aber wir sahen den Lofoi-Wasserfall in den Kundelungu-Bergen in seiner vollsten Pracht und aus einer Perspektive, die noch kein Weißer vor uns je gesehen hat”, schwärmt Rupitsch.

Aufnahmen, die Rupitsch mit einer Drohne gemacht hat, dürften vielleicht sogar die offiziellen Rekordbücher revidieren – denn der Wasserfall dürfte höher sein als bislang angenommen.
Pläne für 2025
Im Frühjahr 2025 kehren Maier und Rupitsch zurück und möchten erneut in den Kongo einreisen. “Wir haben uns ein Netzwerk mit Personen vor Ort aufgebaut, alleine ist unser Plan nämlich nicht umsetzbar: Die Gegend um den Tanganjikasee erkunden, der in der Demokratischen Republik Kongo, Burundi, Sambia und Tansania liegt”, erklärt Rupitsch. Mit Ausnahme eines besonders gefährlichen Gebietes im Norden des Sees. Denn: “Wenn wir dort hineingehen, kommen wir wahrscheinlich nie mehr raus”, so Rupitsch.
Eines ist also sicher: Der alte Lada Niva wird weiterhin durch Afrika touren und seine Insassen werden zukünftig noch viele weitere, spannende Geschichten zu erzählen haben. Diese Sories sind übrigens auch auf dem Instagram-Kanal “Lada around Africa” zu sehen.