Aufnahmekriterien
Zwei Kunstvereine — zwei Meinungen
„Ich verstehe die Welt nicht mehr!“, schrieb einst Friedrich Hebbel. Auch der Reifnitzer Farben-Komponist Gerhard Plaschke kann einen Beschluss des Kärntner Kunstvereines nicht nachvollziehen. Sein Ansuchen um Aufnahme in diese Organisation wurde unbegründet mit zwei, drei Zeilen abgelehnt.
Der mehrfach ausgezeichnete Maler Dr. Gerhard Plaschke in den Ausstellungsräumen der Klagenfurter Gewölbegalerie.© KK
Dabei widmet sich der mehrfach ausgezeichnete Akademiker seit 20 Jahren unter dem Künstlernamen „Aristos“ der Aquarellmalerei – mit Ausstellungen im In- und Ausland. Bei der angesehenen Berufsvereinigung der bildenden Künstler Österreichs wurde der Kärntner hingegen sogleich „herzlich willkommen“ geheißen.
„Das darf doch nicht wahr sein“, meint der Kärntner Künstler kopfschüttelnd nach der formlosen Absage um Aufnahme in den Kunstverein Kärnten. Der auch auf der Insel Kreta lebende Ex-AMS-Manager Plaschke: „Man findet es nicht einmal der Mühe wert, die Absage zu begründen. Es gibt keine Möglichkeit einer Berufung. Was ist das nur für ein Verein? Dabei wurde bei der Gründung festgelegt, dass man vor allem Kärntner aufnehmen will.“ Der mit einer Pädagogin verheiratete feinsinnige „Augenblicks-Einfänger“ kann auf über 25 Einzel- und Gruppenausstellungen in elf Ländern verweisen. Von Paris über New York, Italien, den USA, der Slowakei (Arte Bratislava) bis nach Kairo. Zuletzt konnte man Werke von „Aristos“ in der Klagenfurter Gewölbegalerie bestaunen. Ein vorübergehender Aufnahmestopp würde ihm wenigstens einleuchten, so der Reifnitzer, der 2022 die Veremil Medaill der Hohen Auszeichnungskommission der Akademischen Kunstwissenschaften Paris erhielt. Aber gerade eine Organisation, die sich als Hüter der heimischen Kultur versteht, sollte sich um bestimmte Neuzugänge bemühen. Der mehrfache Buchautor befand sich zudem unter den „Top 200 beim Merit Award (IWM – International Water Colour Masters)“ von über 3700 Teilnehmern. Zahlreiche Werke konnte Plaschke während seiner langen Schaffensperiode mit seinem unverwechselbaren Stil bereits veräußern. Der Künstler ist dabei immer auf der Suche nach dem „perfekten Bild“. Seinen Werken, vornehmlich in Aquarell mit zusätzlichen Elementen von Kohle, Bleistift, Tusche und Kreide, wird eine besondere „Lebendigkeit“ nachgesagt. Die Betrachter tauchen in verschiedene Szenen seiner eingefangenen Interpretationen und Illusionen ein. Die ausdrucksstarken Arbeiten erinnern an gemalte Poesie, werden zum Spiegel des Alltags auf internationalen Plätzen oder machen auf erstaunliche Weise Unsichtbares sichtbar. „Wirklichkeitsjäger“ Plaschke hält es mit Picasso, der einmal meinte: „Kunst wäscht den Staub des Alltags von der Seele“.
Den Kunstverein Kärnten mit rund 220 Mitgliedern hat Freiherr Ferdinand von Helldorf als freischaffender Maler 1907 ins Leben gerufen. Wichtig für Helldorf war es, Kärntner Künstlerinnen und Künstler zu unterstützen. Das eben vermisst Dr. Plaschke. Dazu Kunstverein-Geschäftsführer Daniel Russegger: „Die Kunst muss das zentrale Element im Leben der betreffenden Personen sein. Die Entscheidung über eine Aufnahme wird vom Verein getroffen bzw. vom zuständigen Gremium. Absagen und Aufnahmen werden nicht begründet. Ich selbst bin allerdings kein Künstler. Es gab schon öfters sensible Reaktionen auf Absagen. Man kann sich in den nächsten Jahren wieder bewerben. Manche Interessenten wurden erst beim dritten- oder vierten Mal aufgenommen.“ Russegger weiter: „Ich kenne Leute, die vor Jahrzehnten abgewiesen worden sind. Das muss aber nicht so bleiben“. Mit dieser Aussage kann sich Plaschke freilich wenig anfreunden: „Es muss doch nachvollziehbare Kriterien geben, wann und warum ein Künstler oder eine Künstlerin einer Gemeinschaft beitreten kann. Sonst entstehen Gerüchte. Das ist ja keine Geheimgesellschaft.…“

Der Kunstverein sorgte in den letzten Jahren für Aufsehen bzw. öffentliche Kritik. Etwa im Jahr 2007, als nach der gelungenen Renovierung des Künstlerhauses Vorstandsmitglieder aus dem Verein ausgetreten sind. Der Vereinspräsident, weitere Vorst#mde und die Geschäftsführerin legten „mit sofortiger Wirkung“ die Ämter nieder. Ein Jahr zuvor warf der damalige Präsident das Handtuch. Er habe als Mann der Wirtschaft mit den Strukturen dieses Vereines wenig anfangen können, hieß es damals. Zu Ende ging auch das „Cik Künstlerhaus“. Laut „Cik“ hätte es damals eine Reihe von „unangenehmen Vorfällen gegeben“. Man wäre auch ständig „sekkiert“ worden. Fakt ist, dass bekannte Kulturgrößen diesem Verein bereits den Rücken gekehrt haben.
Übrigens – in der international anerkannten und weltweit vernetzten Berufsvereinigung der bildenden Künstler Österreich (LV Wien/NÖ/Burgenland) wurde Gerhard Plaschke (alias „Aristos“) mit freundlichen Worten rasch aufgenommen! Diese renommierte und 1912 begründete Organisation mit 1200 Mitgliedern aus den verschiedenen Kunstbereichen hat ihren Sitz im Wiener Schloss Schönbrunn. Und Gerhard Plaschke war für die zuständige Experten-Kommission bestens qualifiziert!


