Klagenfurt

„Schlag­zei­len-Gewit­ter“: Die Sün­den der Medi­en

Buchpräsentation am 16. Mai um 17 Uhr in der Klagenfurter Uni-Bibliothek über Fake News und Vorverurteilungen. Der Eintritt ist frei, Besucher sind willkommen. Moderation: Günter Schmidauer (PEN-Club-Funktionär).

„Schlag­zei­len-Gewit­ter“: Die Sün­den der Medi­enCover und Rückseite der Neuerscheinung (Drava-Verlag, 24 Euro).

© KK

"KLICK Kärnten" auf Google als bevorzugte Nachrichtenquelle festlegen
Anzeige

Vor­ver­ur­tei­lun­gen gehö­ren zum Medi­en­all­tag. Nicht nur der immer wie­der zitier­te „böse“ Bou­le­vard, auch soge­nann­te „Qua­li­täts­zei­tun­gen“, staat­li­che Rund­funk- und Fern­seh­sta­tio­nen sowie pri­va­te TV-Sen­der hal­ten es mit Medi­en­ethik, Per­sön­lich­keits- und Men­schen­rech­ten sowie dem Schutz der Pri­vat­sphä­re nicht immer so genau. Beson­ders sozia­le Medi­en (von X bis Tik­Tok) ver­brei­ten Fake News und sor­gen für irri­tie­ren­de Falsch­mel­dun­gen, die sich in Win­des­ei­le aus­brei­ten. In sei­nem neu­en Buch „Schlag­zei­len-Gewit­ter“ (Dra­va-Ver­lag, 360 Sei­ten, 24 Euro) ver­weist der Kla­gen­fur­ter Autor Harald Raf­fer auf fol­gen­schwe­re Sün­den der Medi­en. Pres­se­rat und Ehren­ko­dex ent­pup­pen sich hin­ge­gen als zahn­lo­se Fei­gen­blät­ter für eine in west­li­chen Demo­kra­tien angeb­lich funk­tio­nie­ren­de Pres­se- und Mei­nungs­frei­heit. Das Werk doku­men­tiert, dass durch Kam­pa­gnen und „alter­na­ti­ve Fak­ten“ nicht nur an Ein­zel­per­so­nen Ruf­mord ver­übt wird, son­dern auch Grup­pen und Staa­ten Opfer von geziel­ten Falsch­in­for­ma­tio­nen wer­den. Immer öfter füh­ren Spar­maß­nah­men bei Ver­la­gen. Her­aus­ge­bern und Sen­de­an­stal­ten zu ver­hee­ren­den Feh­lern oder ver­brei­ten in der gren­zen­lo­sen digi­ta­len Welt fata­le Irr­tü­mer. Die Medi­en­ethik wird auf dem Altar der Leser‑, Zugriffs- und Quo­ten­zah­len geop­fert, unzäh­li­ge Des­in­for­ma­tio­nen ent­pup­pen sich täg­lich als gefähr­li­che Stim­mungs­ma­cher, het­zen gegen bestimm­te Grup­pen, sor­gen für Shit­s­torms und täu­schen die Bevöl­ke­rung geschickt über wah­re Sach­ver­hal­te hin­weg. „Schlag­zei­len-Gewit­ter“ wird am 16. Mai (Don­ners­tag) um 17 Uhr in der Biblio­thek der Kla­gen­fur­ter Alpe-Adria-Uni­ver­si­tät einem inter­es­sier­ten Publi­kum prä­sen­tiert – mit anschlie­ßen­der Dis­kus­si­on. (Mode­ra­ti­on Gün­ter Schmi­dau­er, Ein­tritt frei).

Anzei­ge
Harald Raf­fer mit sei­nem Buch „Schlag­zei­len-Gewit­ter“. In dem Werk doku­men­tiert der Autor, wie wich­tig seriö­ser Jour­na­lis­mus und kor­rek­te Bericht­erstat­tung für eine funk­tio­nie­ren­de Demo­kra­tie sind. Und er zeigt gro­be Sün­den der Medi­en-Macher auf…
© KK

Wer wochen­lang durch Indis­kre­tio­nen der Behör­den und Medi­en als Kri­mi­nel­ler an den Pran­ger der Öffent­lich­keit gestellt wird, gilt in unse­rer schnell­le­bi­gen Zeit auch nach einem gericht­li­chen Frei­spruch kei­nes­falls als „unschul­dig“. Auf die­se Wei­se wer­den Kar­rie­ren rui­niert, Insti­tu­tio­nen zer­stört, Gesell­schaf­ten ange­patzt, Min­der­hei­ten atta­ckiert, Anders­gläu­bi­ge ver­un­glimpft, kru­de Ver­schwö­rungs­theo­rien ver­brei­tet, Mei­nun­gen ver­dreht und unter dem Deck­man­tel der Pres­se­frei­heit Men­schen­rech­te mit Füßen getre­ten. Das Buch ermög­licht einen Blick hin­ter die hell leuch­ten­den Kulis­sen der Medi­en – und belegt deren nega­ti­ve Ein­flüs­se und ihre publi­zis­ti­sche Macht als vier­te Gewalt. Sei es durch inter­na­tio­na­le Bei­spie­le (wie bei der Kriegs­pro­pa­gan­da), aber auch bei „Sen­sa­tio­nen“ im natio­na­len oder regio­na­len Bereich. Näher beleuch­tet wer­den auf­se­hen­er­re­gen­de Fäl­le der Vor­ver­ur­tei­lung und deren Fol­gen für die Betrof­fe­nen (ledig­lich eine Aus­wahl).

Vor­ver­ur­tei­lung? Feh­len­de Medi­en­ethik? „Otto Nor­mal­ver­brau­cher“ und Pro­mis als Medi­en­op­fer? Schlech­te oder feh­len­de Recher­che? Geziel­te Kam­pa­gnen mit einem spe­zi­el­len Hin­ter­grund? Ver­mi­schung mit PR, bezahl­ten und redak­tio­nel­len Bei­trä­gen? Die Schlag­zei­le als Maß aller Din­ge? All das gehört zum ver­füh­re­ri­schen Medi­en­all­tag, dem sich nie­mand zu ent­zie­hen ver­mag. Schon gar nicht bei der kaum enden wol­len­den Infor­ma­ti­ons­flut im Inter­net und den Fake News der digi­ta­len Welt, die eine ver­öf­fent­lich­te Mei­nung nie ver­gisst. Beson­ders schlimm sind wochen­lan­ge Vor­ver­ur­tei­lun­gen durch Medi­en, weil es dann kaum noch mög­lich ist, sich unvor­ein­ge­nom­men ein kor­rek­tes Bild der jewei­li­gen Cau­sa machen zu kön­nen. Und wie oft ver­su­chen poli­ti­sche Par­tei­en für sie nach­tei­li­ge Mel­dun­gen beim Staats­funk, nahe­ste­hen­den Sen­dern oder Print­me­di­en zu ver­hin­dern? Etwa durch „Inse­ra­ten­füt­te­rung“? Des­halb ist unab­hän­gi­ger Jour­na­lis­mus, der pro­fes­sio­nell Nach­rich­ten aus dem täg­li­chen Info-Müll sor­tiert und auf­be­rei­tet, uner­läss­lich. Er darf auch etwas kos­ten. Und wie sieht es mit einer mög­lichst objek­ti­ven Bericht­erstat­tung aus? Dazu wer­den Medi­en­pro­fis und Wis­sen­schaft­ler zitiert.

 

Anzei­ge
Cover und Rück­sei­te der Neu­erschei­nung (Dra­va-Ver­lag, 24 Euro).
© KK

Autor Harald Raf­fer war über drei Jahr­zehn­te als Redak­teur bei der 2014 ein­ge­stell­ten „Kärnt­ner Tages­zei­tung“ tätig und avan­cier­te zum Auf­de­cker, Exklu­siv-Geschich­ten­schrei­ber und Chef­re­por­ter (außer­ge­wöhn­li­che und kurio­se Erleb­nis­se als Jour­na­list wer­den im zwei­ten Teil beschrie­ben). 2007 wech­sel­te der gebür­ti­ge Blei­bur­ger als Unter­neh­mens­spre­cher zur Stadt­wer­ke Kla­gen­furt Grup­pe, wo er den „Kärnt­ner Lyrik­preis“ und das Life­style-Maga­zin „licht.blick“ ins Leben rief und Brü­cken­ge­sprä­che mit Pro­mis im Strand­bad führ­te. Nach Spon­si­on und Pro­mo­ti­on unter­rich­te­te Raf­fer „neben­bei“ als Lehr­be­auf­trag­ter an der Kla­gen­fur­ter Uni. Seit sei­ner Pen­sio­nie­rung mit Jän­ner 2023 ist der Kärnt­ner als Buch­au­tor und frei­er Jour­na­list tätig. Sei­ne Mei­nung zum Jour­na­lis­ten­job: Es ist ein abwechs­lungs­rei­cher Beruf mit erstaun­li­chen Mög­lich­kei­ten, die man frei­lich erken­nen, nut­zen und umset­zen muss. Eine gute Jour­na­lis­tin bzw. ein guter Jour­na­list bleibt unbe­stech­lich, befragt bei erho­be­nen Vor­wür­fen stets die „Gegen­sei­te“ und lässt die­se auch zu Wort kom­men. Pro­fes­sio­nel­le Schrei­ber ver­wen­den nicht jedes Mit­tel, um an bri­san­te Unter­la­gen zu kom­men. Wenn im täg­li­chen Redak­ti­ons­stress trotz­dem Feh­ler pas­sie­ren, ist eine Rich­tig­stel­lung selbst­ver­ständ­lich. Men­schen dür­fen nicht von Medi­en gejagt oder grund­los denun­ziert wer­den. Die­ses Buch besitzt kei­nen Anspruch auf eine wis­sen­schaft­li­che Arbeit, soll aber die Fol­gen schlam­pi­ger Recher­che oder feh­ler­haf­ter Bericht­erstat­tung unter dem Deck­man­tel „Pres­se­frei­heit“ oder „Recht auf Infor­ma­ti­on“ auf­zei­gen. Eini­ge Fäl­le doku­men­tie­ren die gna­den­lo­se Jagd nach Bil­dern, den mit Inse­ra­ten gekö­der­ten Kra­wall-Jour­na­lis­mus oder den tie­fen Fall man­cher Poli­ti­ker. Harald Raf­fer beschreibt u. a. unge­wöhn­li­che Inter­views mit Papst Johan­nes Paul II., dem liby­schen Dik­ta­tor M. Gad­da­fi, mit Staats- und Regie­rungs­chefs (von Wald­heim bis Kle­stil, von Krei­sky bis Hai­der), Top-Spio­nen, Seri­en-Kil­ler Jack Unter­we­ger oder ande­ren kri­mi­nel­len Grö­ßen. Als „Kärnt­ner Wall­raff“ schlüpf­te der Autor in Ver­klei­dun­gen und Rol­len, um mög­lichst „haut­nah“ berich­ten zu kön­nen: Als Waf­fen­händ­ler, Häft­ling, Gast­ar­bei­ter, Obdach­lo­ser, Bett­ler, Fern­fah­rer, Aids-Kran­ker etc.

 

Anzei­ge
Cover und Rück­sei­te der Neu­erschei­nung (Dra­va-Ver­lag, 24 Euro).
© KK
08.05.2024 17:00 - Update am: 18.05.2024 06:59
Anzeige