Energie
Windräder: Von Nebel-Granaten und Panikmache
In Kärnten wird die Windkraftdebatte zunehmend von Panikmache und Märchen überlagert, angeführt von der FPÖ und deren Ängsten vor Windrädern.
© Andreas Senftleben/Pixabay
Man nehme ein halbes Kilogramm „Aufregung“, 10 Deka „Wirbel“, einige knusprige Des-Informationen, zum Drüberstreuen eine ganze Stange fein zerriebene „Übertreibungen“ und noch mehrere Löffel „Geschrei“. Und ab in die Gerüchteküche. Was im ersten Moment nach einer vorweihnachtlichen Wind-Bäckerei klingt, entpuppt sich als peinliche Panikmache einer Partei in Sachen „Windkrafträder in Kärnten“. Sie haben es erraten – es geht um die wackeren „Blauen“ mit Frontmann Erwin Angerer. Vermutlich glaubt auch er, dass der Strom aus der Steckdose kommt. Wohl deshalb erblicken so manche FP-Funktionäre bereits auf jedem Gipfel ein Windrad und hinter jedem Baum ein sich rasch drehendes Ungeheuer. Es steht allerdings außer Frage, dass niemand unsere schöne Heimat mit riesigen Propellern zubetonieren und damit Schwammerlsucher, Pirschgeher und Touristen erschrecken will. Seit die Kärntner Regierung die Karten für mögliche Standortgenehmigungen auf den Tisch gelegt hat, ist klar: Mögliche Standorte betreffen nur einen äußerst kleinen Teil der Region. Das hindert den „Ober-Blauen“ keinesfalls daran, weiterhin als eine Art Don Quijote gegen Windräder anzukämpfen. Wenn einem keine Gegenargumente einfallen, werden – wie so oft schon – böse ausländische Mächte bemüht. Hinter den Windrad-Parks stecken also internationale Unternehmen, die auf Gesetze pfeifen, nur ihren Gewinn im Kopf haben und früher oder später über die Kärntner „drüberfahren“. Wer braucht aber klare Positionen, wenn man Ängste schüren und auf ein dumpfes Bauchgefühl zielen kann?
Wir merken: Die von der FP initiierte und 500.000 Euro (!) teure Volksabstimmung über Windkraft nähert sich – bis zum 12. Jänner. Dabei versucht man den Menschen ein Horror-Szenario zu vermitteln, wobei praktisch jeder Hügel mit einem Monster-Rad verschandelt wird und unsere Touristen scharenweise vom Wind verweht werden. Auch das „Team Kärnten“ unterstützt diese Abstimmung, schließlich gibt man sich bürgernah. Das Ergebnis dürfte für das TK egal sein – man schließt sich der Mehrheit an. Aber weder die Kärntner SP, noch die VP befinden sich auf einem politischen Selbstmord-Tripp und wollen überall „Windrad-Wälder“ einweihen. Man bräuchte dann gar nicht mehr zur nächsten Wahl antreten. Bei steigendem Stromverbrauch, der Standortsicherung und angepeilten Klimazielen scheint ein vernünftiger Energiemix auf der Hand zu liegen – aus Sonne, Wind, Biomasse und Wasser.
Schließlich geht es um Sicherheit und Stabilität, aber auch um Naturschutz sowie die Abkehr von Extrempositionen. Kärnten verfügt derzeit über zehn Windkraftanlagen, Niederösterreich als „Flachland“ knapp 800 und das Burgenland 460. Und man höre und staune: Sogar Wien besitzt neun solcher Anlagen. Man sorgt in der kalten Jahreszeit für genügend Strom und schiebt fossiler Energie einen Riegel vor. Erst kürzlich haben die Sozialpartner den „Verunsicherungsplänen“ der FP eine Absage erteilt. Klar und deutlich versucht Energiereferent Sebastian Schuschnig Gegnern den Wind aus den Segeln zu nehmen. 99,74 Prozent von Kärnten und die „sensiblen“ Gebiete werden von Windrädern geschützt. Und was ist mit Wortmeldungen von Volksbefragungs-Mitinitiator „Team Kärnten“? Hier hört man nichts. Wurde Funktionären der Wind aus den Segeln genommen?
Kein Wunder also, wenn der zuständige Landesrat von „Märchenstunde“ und „Nebelgranaten“ der FP spricht. Was also? Ein Regierungsentwurf sieht Standorte für Windkraft in sieben der 132 Gemeinden vor (0,26 Prozent Landesfläche) – ausschließlich im Nordosten an der Grenze zur Steiermark (Metnitz, Friesach, Hüttenberg, Reichenfels, Preitenegg, St. Georgen i. L. und Lavamünd). 14 Windräder sind in Betrieb, 23 bewilligt, neun befinden sich in einem laufenden Verfahren. Laut Aussagen des Referenten würde Kärnten mit knapp unter 100 Windrädern das Auslangen finden und somit auf „schmutzigen“ ausländischen Strom verzichten. Außerdem könnte sonst der Bund Windkraftzonen errichten. Was sagen die Gegner? Die Antwort kennt wohl nur der Wind…
mg
