Stella Christl

„Du nimmst von über­all was mit“

Sie ist in Wien geboren, in Frankfurt aufgewachsen und dann nach Kärnten gekommen: Die 22-jährige Stella Christl holt sich ihre Inspiration für Texte aus dem unmittelbaren Leben - sie ist eine aufmerksame Sammlerin von Begebenheiten.

„Du nimmst von über­all was mit“ Stella "Raven" Christl ist eine junge Frau, für die Literatur politisch ist.

© Michael Grilz

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Sie passt gut ins Bild, höre ich mich den­ken. Wie die 22-jäh­ri­ge Stel­la „Raven“ Christl ihren lin­ken Arm auf Höhe ihrer Tail­le anlegt, der rech­te Arm hängt nach unten, dicht am schwarz-weiß hal­bier­ten Ober­teil. Die Har­re eben­so schwarz, aber kurz, die Lip­pen auf­fal­lend rot und gepierct, und zwei Sträh­nen ihres Haars rei­chen ihr bei­na­he in die dunk­len Augen. Und der Foto­graph Micha­el Grilz drück­te ab. Die­ses Bild ent­stand im Früh­jahr nach dem gemein­sa­men Auf­tritt bei der Sze­ni­schen Lesung mit Erwin Neu­wirth unter dem Titel Sibi­ri­en, die unter der Regie von Christl im STEP in Völ­ker­markt anläss­lich des Welt­frau­en­tags (8. März) statt­fand. Sie prä­sen­tier­te ihren Text All die fal­len­den Ster­ne über die Selbst­auf­ga­be, die Abgren­zung und das Wie­der­ent­de­cken der Selbst­lie­be — auch in Bezug zur unbe­zahl­ten, gering geschätz­ten Pfle­ge-Arbeit der Frau­en. Zum Abschluss gab es eine Dis­kus­si­ons­run­de zum The­ma der Care-Arbeit von Frau­en, gelei­tet von Christl, Neu­wirth und Julia Rein­precht.

Von Wien nach Frank­furt, von Kla­gen­furt nach Ams­ter­dam

„Ich woh­ne jetzt in Kla­gen­furt. Bin schon viel her­um­ge­kom­men. Ich bin in Wien gebo­ren, in Frank­furt auf­ge­wach­sen und dann, sagen wir mal, vor 10 Jah­ren nach Kärn­ten.“ Zur­zeit stu­diert die 22-Jäh­ri­ge noch an der Alpen-Adria-Uni­ver­si­tät Kla­gen­furt Ger­ma­nis­tik, ehe es für sie mit dem Fach­be­reich der Foren­si­schen Lin­gu­is­tik in Ams­ter­dam (Nie­der­lan­de) wei­ter­geht. Dass sie also auch in Zukunft viel her­um­kom­men wird, das steht fest. „Ich habe vor allem immer das Gefühl gehabt, dass ich bes­ser schrei­ben als reden kann“, meint sie mit einem Grin­sen im Gesicht. Für sie sei das Schrei­ben gera­de­zu eine Metho­de, um das oft in sei­nen Facet­ten aus­ufern­de Leben zu ver­ar­bei­ten, in ästhe­ti­sche Bah­nen zu brin­gen.

„Ich muss es ein­fach machen“

Die Inspi­ra­ti­on für ihre Tex­te kom­men daher aus dem Leben. Es sind Geschich­ten, die sie selbst auf­schnappt oder die ihr erzählt wer­den. „Du nimmst irgend­wie von über­all halt was mit. Und ich fin­de, mei­ne Geschich­ten sind immer so Mosai­ke von Bege­ben­hei­ten, die pas­sie­ren in mei­nem Umkreis, in mei­nem Bekann­ten­kreis, wie auch immer.“ Und wie kann man sich ihr Schrei­ben nun vor­stel­len? Das sei nicht leicht in Wor­te zu packen, sagt ihr krea­ti­ver Kopf. „Ich habe oft gar kei­ne Text-Idee, son­dern ich fan­ge oft mit Aus­schnit­ten an. Ich bin da eine Samm­le­rin. Wenn ich in einem Stück einen schö­nen Satz höre oder auf der Stra­ße abends oder ich lese es irgend­wo — dann samm­le ich das.“ Oft sei­en es auch ein­fach kur­ze Über­le­gun­gen. „Und irgend­wann füge ich das alles zusam­men.“ Eine schwe­re Fra­ge sei es auch, was sie antreibt. „Weil ich das Gefühl habe, ich muss es ein­fach machen.“

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Vize­bür­ger­meis­ter Aaron Radael­li, Regis­seu­rin und Autorin Stel­la Christl, Schau­spie­ler Erwin Neu­wirth, Mode­ra­to­rin Julia Rein­precht, Kul­tur­zen­trum ZOOM-Obmann Gün­ther Kar­ner (von links).
© Micha­el Grilz

So bringt die 22-Jäh­ri­ge Außen­sei­ter­ge­schich­ten her­vor, Tex­te von Exis­ten­zen am Ran­de. Dazu rei­hen sich eben­falls Lyrik und Song­tex­te ein. Die jun­ge Frau plant schon seit län­ge­rem einen Roman zu schrei­ben. „Ich habe das gro­be Grund­ge­rüst von einem Roman. Und ja, das ist so ein Pro­jekt im Wer­den.“ Per­sön­lich spre­chen sie Tex­te an, die zum Nach­den­ken anre­gen und gleich­zei­tig aber auch nicht zu ver­kopft sind. „Mir ist die emo­tio­na­le Kom­po­nen­te schon sehr wich­tig. Ich mag das, wenn man so rich­tig in Geschich­ten rein­ge­zo­gen wird und Gän­se­haut kriegt beim Lesen”, ver­rät Christl.

Momen­tan mer­ke sie, dass sich immer mehr lau­te­re Gegen­stim­men gegen poli­ti­sche Kunst zu Wort mel­den. “Irgend­wie, dass die Leu­te sich auf­re­gen, weißt du, etwa wie ‘das soll­te nicht so poli­tisch sein’.” Denen möch­te die jun­ge Frau ent­geg­nen, dass Kunst schon immer poli­tisch gewe­sen sei.

Für mehr Sicher­heit im Netz

Das mag jetzt etwas schräg klin­gen, aber Christl inter­es­siert sich nicht nur für Sprach-Arbeit, son­dern enga­giert sich auch im Bereich der schon erwähn­ten Foren­si­schen Lin­gu­is­tik, die an der Schnitt­stel­le von Spra­che, Gesetz und Ver­bre­chen liegt. Sie betei­ligt sich an einem Pro­jekt für mehr Sicher­heit im Netz. “Und was wir da im End­ef­fekt machen, ist, uns auf ein­schlä­gi­gen Platt­for­men als Min­der­jäh­ri­ge aus­zu­ge­ben und mit poten­zi­el­len Pädo­kri­mi­nel­len zu schrei­ben. Und wenn sie sich straf­bar machen, dann arbei­ten wir mit den Behör­den zusam­men”, erklärt die 22-Jäh­ri­ge, “das ist auch ein Teil mei­ner Bache­lor­ar­beit.” Bei die­ser sam­melt sie deutsch­spra­chi­ge Inter­net-Chats, um die­se zu ana­ly­sie­ren. “Basie­rend auf den Ana­ly­sen kann man dann Sprach­mus­ter-Erken­nungs­pro­gram­me wie auf Insta­gram für Hate Speech machen.” Inzwi­schen arbei­te man schon mit meh­re­ren Poli­zei­dienst­stel­len und der Kri­mi­nal­po­li­zei in Deutsch­land zusam­men — so auch mit der Poli­zei in Kla­gen­furt, “weil wir hat­ten auch schon einen Öster­rei­cher unter den Kri­mi­nel­len. In zwei­ein­halb Mona­ten haben wir elf Pädo­kri­mi­nel­le aus­lie­fern kön­nen, und zwei davon waren Wie­der­ho­lungs­tä­ter”, schil­dert sie.

16.08.2025 09:00 - Update am: 30.10.2025 08:31
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„Du nimmst von über­all was mit“ Stella "Raven" Christl ist eine junge Frau, für die Literatur politisch ist.

© Michael Grilz