Klagenfurt
Klagenfurt ist keine Pleitestadt
Zwischen Sparpaketen, politischen Konflikten und großen Infrastrukturprojekten zieht Bürgermeister Christian Scheider Bilanz über ein schwieriges Jahr. Im Interview mit Klick Kärnten spricht er über Verantwortung, Reformen und seine Ziele für Klagenfurt.
Bürgermeister Christian Scheider weist Vorwürfe rund um die Krassnig-Gutachten zurück und betont die Transparenz gegenüber dem Stadtsenat.© Harald Raffer
Herr Bürgermeister, 2025 war für Klagenfurt ein Jahr der Dauerkrisen – Sparpakete, harte politische Auseinandersetzungen und zuletzt der Ausstieg des Landes aus der Eishallen-Finanzierung. Was war für Sie persönlich die größte Bewährungsprobe in diesem Jahr?
Grundsätzlich muss man sagen, dass in ganz Österreich die Rahmenbedingungen sehr hart geworden sind. In Klagenfurt ist es verschärft, weil wir vom Land Kärnten keine Unterstützung bekommen und uns stattdessen Kosten aufgeladen werden. Zudem setzen die Fraktionen alles daran, einen direktgewählten Bürgermeister ständig Probleme zu bereiten. Das ist die zusätzliche Verschärfung. Trotzdem ist es mit größter Kraftanstrengung gelungen, in diesem Jahr, das seit Jahren diskutierte Großprojekt Hallenbad in Umsetzung zu bringen. Auch die Sanierung der Kläranlage und das Kongresszentrum sind auf Schiene und die Unterführung Waidmannsdorf konnte umgesetzt werden. Faktum ist: 80 Prozent der Städte und Gemeinden können auf Grund des Finanzschlüssels kaum mehr ein ordentliches Budget erstellen.
Die finanzielle Lage der Stadt sorgt weiterhin für Verunsicherung.
Ist Klagenfurt Ende 2025 tatsächlich auf einem nachhaltigen Sanierungspfad – oder wurden Probleme nur vertagt, die 2026 umso schmerzhafter zurückkommen könnten?
Fakt ist, wir haben fertige Sanierungsvorschläge, die alle Bereiche betreffen, am Tisch. Es liegt jetzt in der politischen Verantwortung der zuständigen Referenten, diese Anträge im Stadtsenat zur Umsetzung zu bringen. An den wichtigsten Reformen führt kein Weg vorbei. Ich habe im Personalbereich zB über 3 Millionen Euro und beim Stellenplan 32 zusätzliche Stellen eingespart. Das muss einmal ein anderer Referent in seinem Bereich nur annähernd erbringen. Da kommen wir wieder zu dem Thema, die einen fordern, die anderen setzen um.
Die Stadt übernimmt künftig alleine den jährlichen Abgang der Eishalle.
Kritiker sagen: Klagenfurt zahlt, während andere aus der Verantwortung gehen.
War der Ausstieg des Landes politisch abwendbar – und was hätten Sie rückblickend anders machen können?
Es wird wieder alles verdreht. Fakt ist, das Land hat Jahrzehnte lang aus guten Gründen diesen 60/40-Schlüssel mit uns getragen, weil das Eissportzentrum eine weit über Klagenfurt hinaus strahlende Einrichtung ist und viele Sportler aus ganz Kärnten bedient. Jetzt plötzlich haben sie uns mit dem konfrontiert, dass sie aus dem Vertrag aussteigen. Über Jahre zuvor schon, haben sie den Betrag scheibchenweise eingefroren. Was hätte die Stadt machen sollen? Wir sind fassungslos. Hier geht es um Vereine, Kinder, Jugendliche. Aber, es ist die Entscheidung des Landes – eine völlig falsche aus meiner Sicht.
Mit der Koralmbahn steht eines der größten Infrastrukturprojekte Österreichs vor der Vollendung.
Welche konkreten Chancen sehen Sie für Klagenfurt als Wirtschafts‑, Arbeits- und Wohnstandort – und was muss bis 2026 passieren, damit die Stadt nicht nur Durchfahrts‑, sondern Gewinnerstadt wird?
Es ist so, dass die Städte zusammenwachsen und viele Menschen diese kurze Fahrdistanz jetzt nützen. Ich habe in den ersten Wochen gesehen, dass viele Steirer nach Klagenfurt kommen und unsere Christkindlmärkte besucht haben. Ich gehe davon aus, dass dies im Sommer noch stark zunehmen wird. Das ist gut, dass es so genutzt wird. Jetzt geht es darum, auch Arbeitsplätze anzubieten – doch das muss gemeinsam mit dem Land und auf mehreren Ebenen passieren. Dann gilt es, die große Chance zu nutzen und sich als gemeinsame Region – inklusive dem Alpen-Adria-Raum – zu präsentieren. So wie dies auch in anderen Teilen Europas der Fall ist, wo die Städte sich bündeln, um sich gemeinsam zu präsentieren.
Das Ordnungsamt stand 2025 verstärkt im Fokus.
Einerseits wird ein höheres Sicherheits- und Ordnungsgefühl wahrgenommen, andererseits gibt es Kritik an Auftreten, Prioritätensetzung und Verhältnismäßigkeit.
Hat das Ordnungsamt aktuell die richtige Balance – oder braucht es bis 2026 klare politische Leitlinien und Korrekturen?
Beim Ordnungsamt ist es so, dass es in Zeiten des Sparens und der Prioritätensetzungen die internen Sicherheitsaufgaben, die bis dato an externe Sicherheitsanbieter vergeben wurden, übernimmt. Das bringt uns 300.000 Euro an Einsparung. Wenn alle, das Ordnungsamt betreffenden Maßnahmen umgesetzt sind, wird es das Ordnungsamt in der bisherigen Form nicht mehr geben. Insgesamt wird man sich mehr als die Hälfte des bisherigen Budgets einsparen.
Ein emotionales Dauerthema bleibt die Parkraumbewirtschaftung.
Besonders umstritten sind die Tarife rund um das Strandbad – auch in den Wintermonaten, wenn Badebetrieb und Frequenz stark reduziert sind.
Ist eine ganzjährige Tarifstruktur aus Ihrer Sicht gerechtfertigt, oder braucht es saisonale Anpassungen?
Absolut, es braucht Anpassungen. Wir standen den Gebühren, das Strandbad betreffend, immer sehr kritisch gegenüber, doch es war notwendig, da es kein Strandbad in ganz Österreich gibt, wo man kostenlos parken kann. Wir haben aber von Anfang an darauf hingewiesen, dass im Winter eine andere Regelung zu treffen ist bzw. es keinen Sinn macht, Gebühren zu verlangen. Ich bin absolut dafür, die Gebühren in den Wintermonaten aufzuheben. Saisonal ja, sonst nein.
Ein weiterer politischer Konfliktpunkt 2025 war das abgelehnte Budget von Constance Mochar.
Was sagt dieser Vorgang Ihrer Meinung nach über die aktuelle politische Zusammenarbeit in Klagenfurt aus – und was muss sich bis 2026 ändern, damit Budgetverhandlungen wieder stärker von gemeinsamen Lösungen als von Blockaden geprägt sind?
Ich bin seit 30 Jahren im Gemeinderat und seit fast 25 Jahren im Stadtsenat und das hat es noch nie gegeben, dass ein Finanzreferent oder eine Finanzreferentin einen Antraf einbringt, wo von der Person schon im Vorfeld selbst angekündigt wird, dem eigenen Antrag nicht zuzustimmen. Es war also eine reine Alibihandlung. Das ist mehr als eigenartig. Man muss doch von seinem eigenen Antrag (Budgetentwurf) überzeugt sein.
Jetzt zum politischen Klima: Wir oft habe ich den Vertretern der Fraktionen versucht zu erklären, dass es auf Dauer niemandem etwas bringt, ständig Konflikte zu schüren. Das hat noch nie gefruchtet und schadet der Stadt insgesamt. Und manche Medienvertreter schüren das noch zusätzlich. Aus diesem Gemisch wird nach außen hin der Eindruck erweckt, dass nur in der Stadt Klagenfurt alles so schwierig ist und nichts funktioniert. Das ist leider das Bashing, dass draußen dieses Bild vermittelt. Dagegen muss man sich wehren. Wir sind auch keine Pleitestadt, wir haben Vermögen – es geht darum, dass die erforderlichen Maßnahmen umgesetzt wird.
Die politische Debatte ist zuletzt spürbar schärfer geworden – mit offenen Briefen, öffentlichen Vorwürfen und gegenseitigen Schuldzuweisungen, etwa zuletzt durch Vizebürgermeister Rabitsch.
Anstatt politischer „Schmutzkübelkampagnen“: Wäre es aus Ihrer Sicht nicht sinnvoller, sich gemeinsam an einen Tisch zu setzen, Differenzen intern zu klären und an tragfähigen Lösungen für Klagenfurt zu arbeiten?
Das versuche ich seit längerer Zeit allen im Gemeinderat und Stadtsenat zu vermitteln. Aber ich kann nur appellieren, annehmen müssen es die Fraktionen selbst. Aus meiner Sicht hätte das die Bev. In diesen schwierigen Zeiten verdient. Man muss zusammenhalten und nicht mit jeder Intensität versuchen, jemandem ans Bein zu pinkeln. Das ist das Falsche und bringt niemandem etwas.
Politische Mitbewerber – insbesondere aus SPÖ, Team Kärnten und Bürgerlisten – werfen Ihnen mangelnde Transparenz und einen autoritären Führungsstil vor.
Nehmen Sie diese Kritik ernst – oder sehen Sie darin vor allem eine Zuspitzung mit Blick auf kommende Wahlen?
Die parteipolitisch inszenierten Auseinandersetzungen in Klagenfurt ist hinlänglich bekannt. Da offensichtlich einige Fraktionen keine Inhalte haben, kommen diese Kritiken. Einerseits wird mir vorgeworfen, ich treffe keine Entscheidungen und auf der andere Seite wird mir autoritärer Führungsstil vorgeworfen. Man wird sich langsam einigen müssen, was man mir jetzt vorwirft. Da sieht man schon, wie ernst das zu nehmen ist. Offensichtlich bewege ich mich genau in der Mitte.
Abseits der Politik:
Bei all den Herausforderungen – wo finden Sie persönlich Ausgleich?
Welches Hobby oder welche Beschäftigung hilft Ihnen, abzuschalten und neue Kraft zu sammeln?
Abschalten gelingt mir relativ schnell, wenn ich Luftveränderung habe – da reichen schon zwei Tage. Der Sport hilft mir auch massiv – laufen und Tennis. Sport macht es möglich, dass du schnell umwechseln kannst. Aber eines muss man konstatieren, es gibt keine „ruhige“ Zeit, es ist ständig mit irgendwelchen Angriffen zu rechnen. Man muss sich ständig damit befassen. Das ist zu einer Dauerschleife geworden.
Zum Abschluss der Blick nach vorne:
Haben Sie für das neue Jahr persönliche Vorsätze – etwas, das Sie sich ganz bewusst für sich selbst vorgenommen haben, unabhängig vom Amt des Bürgermeisters?
Ich habe keine besonderen Vorsätze, ich bleibe mir und meinem Stil treu. Ich bin sehr diszipliniert, werde meinen sportlichen Aktivitäten konsequent weiter nachgehen, schauen, dass ich halbwegs gesund lebe und dass ich meine Arbeit weiterhin mit vollem Einsatz gut mache.
Vielen Dank für das Interview.
