Kunst
Wenn Klebeband Völkermarkt zum Sprechen bringt
Dass Street Art weit mehr ist als reine Dekoration, bewiesen die Jugendlichen durch ihre pointierten, ortsspezifischen Interventionen. Die Werke entstanden in direktem Dialog mit der urbanen Architektur.
Die Schülerinnen und Schüler der 4A (Alpen-Adria-Gymnasium) verwandelten die Völkermarkter Innenstadt im Rahmen des Street-Art-Projekts „Urban Voices“ in eine pulsierende Open-Air-Galerie. Bewaffnet mit bunten und schwarzen Klebebändern (Tape Art) verließ die Klasse den klassischen Zeichensaal, um den öffentlichen Raum als interaktive Leinwand zu nutzen.
Gesellschaftskritische Statements
Dass Street Art weit mehr ist als reine Dekoration, bewiesen die Jugendlichen durch ihre pointierten, ortsspezifischen Interventionen. Die Werke entstanden in direktem Dialog mit der urbanen Architektur. So wurden tiefe Risse im bröckelnden Putz von Fassaden filigran mit schwarzem Tape nachgezogen und ästhetisch umgedeutet. An anderer Stelle setzten die Jugendlichen mutige, gesellschaftskritische Statements: Ein präzise geklebtes Abbild einer weiblichen Silhouette mit der Aufschrift „AM I PERFECT NOW?“ direkt neben der makellosen Werbefassade eines Sonnenstudios forderte Passanten zum kritischen Blick auf Schönheitsideale auf. Auch kritische Botschaften zu Leistungsdruck oder weltweiten Umweltfragen fanden ihren Platz auf den Pflastersteinen und Mauern der Stadt.
Kompliment für visuelle Schlagkraft und Authentizität
Die Aktion blieb im Stadtbild nicht unbemerkt. Zahllose Völkermarkter blieben fasziniert stehen, suchten das Gespräch mit den jungen Künstlern und informierten sich über die Hintergründe der temporären Installationen. Dass die Interventionen den Nerv der Zeit trafen und täuschend echt wirkten, zeigte sich auch anhand einer kurzen, intensiven Begegnung mit der örtlichen Polizei, die die genehmigte Kunstaktion zunächst für echten Vandalismus hielt – ein besseres Kompliment für die visuelle Schlagkraft und Authentizität der Arbeiten hätte es wohl kaum geben können. Die temporären Kunstwerke zeigen eindrucksvoll, wie junge Menschen den urbanen Raum reflektieren, mitgestalten und beleben können.


