Landespolitik
Braucht Kärnten einen U‑Ausschuss zur Hypo?
Die FPÖ Kärnten möchte einen Untersuchungsausschuss zur Klärung der Hypo-Heta-Abwicklung einberufen. Die Reaktionen von SPÖ, ÖVP und Team Kärnten im Überblick.
„Wir wollen Gerechtigkeit für Kärnten! Es ist empörend, wie die knapp elf Milliarden Euro, die bisher beim Verkauf der Vermögenswerte der Hypo-Alpe-Adria-Bank erlöst worden sind, an Kärnten vorbei an alle anderen Beteiligten verteilt werden“, mit diesen Worten forderten FPÖ-Landesparteiobmann Erwin Angerer und Klubobmann Gernot Darmann gestern die Einberufung eines Untersuchungsausschusses im Kärntner Landtag. Dieser soll die Hypo/Heta-Abwicklung aufarbeiten. Mit dem Ziel, so Angerer, dass Kärnten doch noch einen gerechten Anteil an den hohen Hypo-Erlösen bekommt.
Er verweist darauf, dass im Jahr 2016 beim Ankauf der Hypo-Wertpapiere Schulden und Forderungen der Gläubiger in Höhe von 10,3 Milliarden Euro bestanden. Beim Verkauf der Hypo-Vermögenswerte wurden bisher bereits 10,8 Milliarden Erlöse erzielt. „Es gibt einen Überhang von 500 Millionen Euro und trotzdem musste Kärnten 1,2 Milliarden Euro zahlen. Kärnten hat zu Unrecht geblutet“, kritisiert Angerer. Politische Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten.
Reaktion SPÖ Kärnten
„Einen Untersuchungsausschuss einzusetzen, ist eines der wichtigsten Oppositionsrechte. Nicht umsonst haben wir mit einem neuen Untersuchungsausschuss-Gesetz und laufender Modernisierung der Landesverfassung und Landtagsgeschäftsordnung die Rechte der Opposition weiter ausgebaut“, stellt Herwig Seiser, Klubobmann der SPÖ im Kärntner Landtag, klar. Faktum ist jedoch, so Seiser, dass die Vorgänge um die Hypo-Heta bereits von zwei Rechnungshöfen (Land und Bund) bis ins kleinste Detail durchleuchtet und für in Ordnung befunden wurden. „Kärnten hat sich mit einem Haftungsbeitrag in Höhe von 1,2 Milliarden Euro von einem Haftungs-Drohpotential in Höhe von 13 Milliarden Euro befreit. Durch die umsichtigen Verhandlungen von Landeshauptmann Peter Kaiser und Finanzreferentin Gaby Schaunig konnte die drohende Insolvenz des Landes abgewendet und Schaden für die Kärntner verhindert werden“, betont Seiser.
Zudem läuft, so der Klubobmann, die Liquidation der Heta aktuell noch. Er geht davon aus, dass nach Abschluss des Liquidationsprozesses Geldmittel im Kärntner Ausgleichszahlungsfonds verbleiben, die dann ins Land fließen.
Reaktion ÖVP Kärnten
Für die ÖVP, den Koalitionspartner der SPÖ, ergreift Clubobmann Markus Malle das Wort: „Wir haben in der Verfassung die parlamentarischen Möglichkeiten von Oppositionsparteien zur Einsetzung eines Untersuchungsausschuss ausgeweitet. Davon machen die Freiheitlichen nun Gebrauch.“ Er sichert volle Unterstützung zu: „Wir werden unseren Beitrag in diesem Ausschuss leisten.“ Malle schränkt jedoch ein: „Die Ankündigung der FPÖ, hunderte Millionen Euro für Kärnten mit einem Untersuchungsausschuss zurückholen zu wollen, erscheint allerdings äußerst unrealistisch und ist wohl einmal mehr ausgeprägtem Populismus zuzuschreiben. Eine tatsächliche Realisierung von Mehrerlösen könnte nur mit einem stärkeren Miteinander aller politischen Kräften in Kärnten erfolgen.“
Reaktion Team Kärnten
Das „Team Kärnten“ teilt mit, jede Form von Kontrolle zu unterstützen und wird daher auch den von der FPÖ geplanten Untersuchungsausschuss mittragen. „Trotzdem muss insbesondere im Lichte der Verhandlungen zwischen dem Land und dem Bund über eine zusätzliche Summe für Kärnten die Frage gestellt werden, ob es für einen solchen Untersuchungsausschuss derzeit wirklich der richtige Zeitpunkt ist“, findet „Team Kärnten“-Chef Gerhard Köfer auch kritische Worte. Für ihn steht fest, dass Kärnten von den erheblichen Mehrerlösen aus der Abwicklung profitieren muss: „In Anbetracht der 1,2 Milliarden Euro, die wir für die vermeintliche Hypo-Lösung aufgewendet haben, muss es jetzt darum gehen, mit mehr als nur einem blauen Auge aus der Sache auszusteigen.“ Denn: „Der zusätzliche Betrag für Kärnten muss deutlich mehr als die derzeit kolportierten hundert Millionen Euro ausmachen, alles andere ist kein Erfolg für Kärnten“, betont Köfer.
Der Deutung der Freiheitlichen, wonach der U‑Ausschuss „Geld zurückholen“ soll, steht Köfer jedoch skeptisch gegenüber: „Damit wird ein Anspruch vermittelt, der nicht zu halten ist.“