Umfrage

Pan­de­mie führt zu Vor­sor­ge-Boom in Kärn­ten

Wie beeinflusst Corona das Vorsorgeverhalten? Antworten auf diese Frage gibt eine Umfrage von „IMAS international“ im Auftrag von Erste Bank, Sparkassen und Wiener Städtische. Die Erkenntnisse sind bemerkenswert.

Pan­de­mie führt zu Vor­sor­ge-Boom in Kärn­ten Gabriele Semmelrock-Werzer, Vorstandsdirektorin der Kärntner Sparkasse

© Daniel Waschnig

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Öster­rei­cher sor­gen so viel vor wie noch nie (226 Euro pro Monat). 87 Pro­zent der Kärnt­ner geben an, dass finan­zi­el­le Vor­sor­ge „für mich wich­tig“ ist. 54 Pro­zent sagen klar Ja zu nach­hal­ti­ger Ver­an­la­gung. Und: Sechs von zehn Per­so­nen befürch­ten eine Ver­schlech­te­rung von Wirt­schaft und Lebens­qua­li­tät. Das sind die wich­tigs­ten Erkennt­nis­se einer Umfra­ge von „IMAS inter­na­tio­nal“ im Auf­trag von Ers­te Bank, Spar­kas­sen und Wie­ner Städ­ti­sche.

Finan­zi­el­le Aus­wir­kun­gen der Pan­de­mie

Die Coro­na-Pan­de­mie hat Öster­reich nach zwei Jah­ren unver­än­dert fest im Griff und neben gesund­heit­li­chen Fol­gen auch Aus­wir­kun­gen auf die finan­zi­el­le Situa­ti­on vie­ler Men­schen. Den­noch möch­ten vie­le mehr fürs Alter vor­sor­gen. Befragt man die Kärnt­ner gene­rell nach ihren Erwar­tun­gen für die kom­men­den zwölf Mona­te, zei­gen sich 38 Pro­zent skep­tisch, knapp ein Drit­tel zuver­sicht­lich und 29 Pro­zent besorgt. Hin­sicht­lich der wirt­schaft­li­chen Ent­wick­lun­gen und einer mög­li­chen Ver­än­de­rung der per­sön­li­chen Lebens­qua­li­tät erwar­ten gar 60 Pro­zent eine Ver­schlech­te­rung, 26 Pro­zent ein Gleich­blei­ben und ledig­lich 13 Pro­zent eine Ver­bes­se­rung.

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Man­fred Bar­tals­z­ky, Vor­stand der Wie­ner Städ­ti­schen und ver­ant­wort­lich für den Ban­ken­ver­trieb der Mar­ke „s Ver­si­che­rung“
© Ian Ehm

Vor­sor­ge­be­wusst­sein der Men­schen

„Vor die­sem Hin­ter­grund wun­dert es nicht, dass die Bedeu­tung der pri­va­ten finan­zi­el­len Vor­sor­ge in Kärn­ten mit 87 Pro­zent ein All-time-high erreicht hat und mit durch­schnitt­lich 226 Euro pro Monat für Pen­si­ons- und Gesund­heits­vor­sor­ge in Öster­reich noch nie höher war. Neben all den nega­ti­ven Aspek­ten hat hier die Pan­de­mie einen posi­ti­ven Ein­fluss auf das Vor­sor­ge­be­wusst­sein vie­ler Men­schen“, sagt Man­fred Bar­tals­z­ky, Vor­stand der Wie­ner Städ­ti­schen und ver­ant­wort­lich für den Ban­ken­ver­trieb der Mar­ke „s Ver­si­che­rung“.

Mehr für Vor­sor­ge aus­ge­ben

Der durch­schnitt­li­che Betrag für pri­va­te Pen­si­ons- und Gesund­heits­vor­sor­ge stieg auf 226 Euro an (2020: 161 Euro). 26 Pro­zent der befrag­ten Kärnt­ner geben zudem an, dass Coro­na ihre Vor­sor­ge­stra­te­gie änder­te: Der Groß­teil (84 Pro­zent) möch­te in Zukunft noch mehr für die Vor­sor­ge aus­ge­ben. „Auf die Fra­ge nach den Top-Vor­sor­ge­the­men der Men­schen in Kärn­ten, also jenen Lebens­be­rei­chen, für die man jeden­falls ger­ne bereit ist, pri­vat ergän­zend vor­zu­sor­gen, fällt das Ergeb­nis ein­deu­tig aus: Auf Platz eins mit 70 Pro­zent wird die finan­zi­el­le Reser­ve für Kri­sen­fäl­le genannt. Mit 69 Pro­zent und 64 Pro­zent fol­gen die Gesund­heit sowie die Vor­sor­ge für die Pen­si­on. Danach kommt die finan­zi­el­le Reser­ve und erst auf Platz fünf die Fami­lie “, erklärt Gabrie­le Sem­mel­rock-Wer­zer, Vor­stands­di­rek­to­rin der Kärnt­ner Spar­kas­se.

Recht­zei­tig über Vor­sor­ge infor­mie­ren

Ein zen­tra­ler Aspekt jeder finan­zi­el­len Vor­sor­ge­maß­nah­me ist der Zeit­punkt, mit dem Anspa­ren zu begin­nen. „Fragt man die Kärnt­ner, wann sie sich zum ers­ten Mal mit dem The­ma aus­ein­an­der­ge­setzt haben, nen­nen knapp zwei Drit­tel das Lebens­al­ter zwi­schen 16 und 35 Jah­ren“, meint Bar­tals­z­ky. Im Rück­spie­gel betrach­tet sagen sogar 83 Pro­zent, dass dies das rich­ti­ge Lebens­al­ter ist, sich über Vor­sor­ge zu infor­mie­ren und dann aber auch tat­säch­lich ein Pro­dukt abzu­schlie­ßen.

Anstoß kommt aus der Fami­lie

Der Anstoß, sich mit der Vor­sor­ge­the­ma­tik aus­ein­an­der­zu­set­zen, soll­te nach Mei­nung von 63 Pro­zent der Befrag­ten in Kärn­ten aus der eige­nen Fami­lie, für 45 Pro­zent von der Schu­le, der Aus­bil­dungs­stät­te oder der Uni­ver­si­tät und für 38 Pro­zent von der Bank oder der Ver­si­che­rung kom­men. Spon­tan befragt, was sie unter finan­zi­el­ler Vor­sor­ge ver­ste­hen, sagen 96 Pro­zent der Men­schen in Kärn­ten, es ist ihnen wich­tig ein finan­zi­el­les Pols­ter zu haben. 91 Pro­zent geben an, aus­rei­chend finan­zi­el­le Mit­tel zu haben. 87 Pro­zent nen­nen hier die Sicher­heit für Not­fäl­le und 84 Pro­zent sehen die finan­zi­el­le Absi­che­rung für Krank­heits- und Pfle­ge­fäl­le als zen­tra­les Motiv für pri­va­te Vor­sor­ge.

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Micha­el Koren, Pri­vat­kun­den-Bereichs­lei­ter der Kärnt­ner Spar­kas­se
© Dani­el Wasch­nig

Auch Ren­di­te und Zin­sen ent­schei­dend

Die Umfra­ge gibt auch Auf­schluss dar­über, wel­che Pro­duk­te die Kärnt­ner bevor­zu­gen. Dabei zeigt sich, dass die wich­tigs­ten Kri­te­ri­en in der Ver­an­la­gung zwar immer noch Sicher­heit und gerin­ges Risi­ko sowie Fle­xi­bi­li­tät der Pro­duk­te sind, mitt­ler­wei­le aber auch Ren­di­te und Zin­sen stär­ker in den Fokus rücken. „Und das ist auch gut so, denn ohne die Bei­mi­schung von Wert­pa­pie­ren und Fonds sind heu­te – Stich­wort Nied­rig­zins bei stei­gen­der Infla­ti­on – kei­ne Erträ­ge mehr zu erzie­len“, erläu­tert Micha­el Koren, Pri­vat­kun­den-Bereichs­lei­ter der Kärnt­ner Spar­kas­se. Die gro­ße Kon­stanz der Klas­si­ker ist jedoch immer noch unüber­seh­bar, obwohl eini­ge etwas an Attrak­ti­vi­tät ein­büß­ten: Die Top-3-Vor­sor­ge­pro­duk­te der Men­schen in Kärn­ten sind das Spar­buch mit 47 Pro­zent, gefolgt von der Lebens­ver­si­che­rung mit 44 Pro­zent und dem Bau­spar­ver­trag mit 41 Pro­zent. Danach punk­ten aber bereits Wert­pa­pie­re mit 23 Pro­zent sowie Fonds­spar­plä­ne (22 Pro­zent) und Immo­bi­li­en (19 Pro­zent).

Nach­hal­ti­ge Ver­an­la­gung

Bemer­kens­wert: Auch das The­ma der nach­hal­ti­gen Ver­an­la­gung gewinnt mehr und mehr an Bedeu­tung. So gibt bereits mehr als jeder zwei­te Befrag­te (54 Pro­zent) an, dass ihm Nach­hal­tig­keit bei der per­sön­li­chen Vor­sor­ge oder Ver­an­la­gung wich­tig ist. Auf die Fra­ge, ob nach­hal­ti­ge Finanz­pro­duk­te in Zukunft an Bedeu­tung gewin­nen wer­den, gehen gar 65 Pro­zent der Befrag­ten ganz klar davon aus. Ledig­lich 7 Pro­zent glau­ben das nicht.

Wis­sens­wert

Zur Stu­die: Das Markt­for­schungs­in­sti­tut „IMAS inter­na­tio­nal“ (Insti­tut für Markt- und Sozi­al­ana­ly­sen) führ­te eine Online-Befra­gung rund um das The­ma der pri­va­ten Alters­vor­sor­ge durch. Ende 2021 beant­wor­te­ten tau­send Per­so­nen zwi­schen 16 und 65 Jah­ren Fra­gen zum Ein­fluss der Coro­na-Kri­se auf das Spar- und Vor­sor­ge­ver­hal­ten der Öster­rei­cher sowie deren Zukunfts­er­war­tun­gen, davon hun­dert aus Kärn­ten. Die Ergeb­nis­se sind reprä­sen­ta­tiv für die öster­rei­chi­sche Bevöl­ke­rung im Alter von 16 bis 65 Jah­ren.

24.02.2022 12:13 - Update am: 24.02.2022 15:09
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