„P-FREE“
Nina Keiler sagt Plastik und Palmöl den Kampf an
Das Motto der Klagenfurter Unternehmerin Nina Keiler lautet: „Palmöl- und plastikfreier leben!“ Welche Rolle eine Nuss-Nougat-Creme auf dem Weg in die Selbstständigkeit spielte, erzählt sie im Gespräch mit „KLiCK Kärnten“.
© Stefan Poscharnig/HD-Foto
Die Wohnung von Nina Keiler in Klagenfurt ist mit ausgewählten Accessoires und ruhigem Design ausgestattet. Alles sieht durchdacht aus und strahlt Ruhe aus. Keiler selbst, Gründerin des Unternehmens „P‑FREE“, strahlt beim Gespräch mit „KLiCK Kärnten“ Selbstbewusstsein und eisernen Willen aus, wenn es um ihr wichtige Dinge geht. Drei dieser wichtigen Dinge, gegen die sich die Unternehmen verschreibt, sind Plastik, Mikroplastik und Palmöl.
Wie alles begann …
Es war die Nuss-Nougat-Creme, für die es vor zehn Jahren einfach keine passende Alternative gab. Der Startschuss für ihre Reise: Sie begann zu forschen, zu lesen und sich mit den verschiedensten Kontakten auszutauschen. „Ich habe auch direkt bei Kontakten vor Ort gefragt, wie es mit den Regenwäldern, den Pestiziden und den Arbeitsbedingungen aussieht“, erzählt Keiler. Sie baute in den vergangenen zehn Jahren zahlreiche Kontakte auf und kann durch ihr Netzwerk fast vollständig auf österreichische Produktalternativen zurückgreifen. Alle Alternativen wurden von Keiler auf Herz und Nieren geprüft und getestet, müssen also hohen Qualitätskriterien entsprechen. „Das Badezimmer und die Küche kann ich bei meinen Kunden komplett plastik- und palmölfrei ausstatten“, verrät die Unternehmerin.
Bewusstseinsstärke gefragt
Als Mutter von drei Kindern weiß sie, wie viel Müll entsteht und wie schwierig Umstellungen sind. Natürlich erfordert es eine gewisse Bewusstseinsstärke, deshalb bietet ihr Unternehmen „P‑FREE“ genau diese Unterstützung. „Den ersten Schritt muss der Kunde gehen, den Rest erledige ich“, schildert Keiler. Nach dem Erstgespräch wird gemeinsam der Ist-Zustand erarbeitet, von dem aus dann alle weiteren Schritte folgen. Keiler versucht die Menschen dort abzuholen, wo sie sind. Gemeinsam wird ein Konzept erarbeitet, wie das Zuhause oder das Unternehmen Stück für Stück vom Plastik befreit wird. In der Umsetzung wird erst sichtbar, wie sehr wir Menschen Gewohnheitstiere sind und wie schnell die Umstellung dann nicht mehr auffällt. „Man darf sich selbst und andere mit den Veränderungen nur nicht überfordern“, lautet eine wichtige These Keilers.

Mittelwege finden
Gerade eine Umstellung in einen plastikfreien Haushalt ist oft eine Sache mit vielen Kompromissen. „Alles kann man definitiv nicht ersetzen“, gibt Keiler zu und betont auch, dass die persönlichen Präferenzen bei jedem anders sind. Bei manchen Produkten muss man Kompromisse eingehen, ob es nur die Verpackung ist, die ohne Plastik sein soll, oder auch Nachhaltigkeit erwünscht ist. Das Argument, dass Alternativen viel mehr kosten, weist die Pionierin zurück: „Man muss sich der Verschwendung bewusst werden, denn in größeren Mengen billig einzukaufen, bedeutet oft auch, dass nicht alles verarbeitet und manches somit weggeschmissen wird.“ Bewusster Konsum ist ein wichtiger Punkt. Auch hier begleitet Keiler ihre Kunden gerne bei einem Einkauf, um auf Alternativen aufmerksam zu machen.
Positive Entwicklungen
Vor der Gründung ihres Unternehmens war sich Keiler nicht sicher, ob die Menschen schon bereit dafür sind – mittlerweile sind ihre beruflichen Zeitressourcen gut gebucht. Auch die Bewusstseinsarbeit in Kindergärten und Schulen steht auf dem Plan. „Kinder sind offen für diese Themen“, sagt Keiler. Auch Gemeinden und Städte sind offen und holen „P‑FREE“ ins Boot, um Prozesse zu begleiten. Auf die Frage, was die nächsten Schritte sind, sieht die Unternehmerin einige Möglichkeiten. „Wir denken groß und wir wollen groß verändern“, versichert Keiler. Deshalb denkt sie über die Erweiterung der Ressourcen in Form eines Mitarbeiters nach. Ihr Wissen möchte sie gerne weitergeben – und die Mission „P‑FREE“ könnte unendlich ausgeweitet werden. Für Keiler ist klar: „Regionalität kann man weltweit denken und überall umsetzen“.