„Zuhause ankommen“
72 Menschen haben wieder eine leistbare Wohnung
Die Initiative „Zuhause ankommen“ unterstützt armuts- und ausgrenzungsgefährdete Menschen, die wegen der Pandemie von Obdach- und Wohnungslosigkeit betroffen oder bedroht sind. Das Projekt vermittelt leistbare Wohnungen aus dem gemeinnützigen Wohnsektor und bietet sozialarbeiterische Betreuung.
© Christopher Mavrič
Die Corona-Pandemie erschwert das Leben vieler Menschen. Sie sind von Arbeitslosigkeit, Kurzarbeit, finanzieller Not und psychischer Erkrankungen betroffen. All das kann mit existenziellen Schwierigkeiten einhergehen. Wohnungslosigkeit ist dabei oft die letzte Konsequenz. Die Initiative „Zuhause ankommen“ der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAWO) hilft armuts- und ausgrenzungsgefährdeten Menschen in fünf Bundesländern, die wegen der Pandemie obdach- oder wohnungslos wurden oder ihre Wohnungen nicht mehr erhalten können.
Menschen jeden Alters
„Die Menschen, die sich an uns wenden, sind jeden Alters und aller Bildungsschichten. Viele leben vorübergehend bei Freunden oder kehren zurück zu den Eltern“, weiß Mara Lesjak, Kärntner Projektkoordinatorin der Volkshilfe. „Um nachhaltig helfen, also die Betroffenen mit leistbarem Wohnraum versorgen zu können, klären wir die Situation jedes Einzelnen ab“, berichtet Bianca Schwager von der Caritas Kärnten, die für die sozialarbeiterische Betreuung der hilfesuchenden Menschen zuständig ist.
88 Erstgespräche seit September
Seit September des Vorjahres wurden 88 Erstgespräche geführt. Mit Stand 11. April 2022 konnten 37 Wohnungen auf dem gemeinnützigen Sektor durch die Übernahme von Finanzierungsbeiträgen in Höhe von 98.719 Euro vergeben werden. Durch die Übernahme von Übersiedlungskosten in Höhe von 1.200 Euro wurden zwei Übersiedlungen ermöglicht. 72 Menschen, davon 23 Kinder, können sich jetzt über eine neue Wohnung freuen.
„Zuhause ankommen“ wird zur Gänze vom Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz finanziert. 262.000 Euro stehen dafür in Kärnten zur Verfügung. „Die Zugangskosten zu Genossenschaftswohnungen sind für viele Menschen, die zu uns kommen, oft nicht leistbar. Viele sind erleichtert, dass wir ihnen über unser Projekt diese Hürde nehmen“, erklärt Lesjak.
„Housing First“-Prinzip
Geholfen wird nach dem international bewährten „Housing First“-Prinzip. Das bedeutet, Menschen, die von Obdach- oder Wohnungslosigkeit betroffen sind, erhalten direkt Zugang zu einer leistbaren Wohnung mit eigenem Mietvertrag. Sozialarbeiter betreuen da, wo sie gebraucht werden. „Betroffene können dank ‚Housing First‘ sehr selbstbestimmt leben. Die Begleitung nach Bedarf hilft beim Ankommen im neuen Alltag. So können wir nachhaltig helfen“, schildert Schwager.
Lesjak und Schwager laden Betroffene ein, sich für das Projekt „Zuhause ankommen“ zu melden: „Wir sehen, dass unsere Hilfe greift, bemerken aber auch, dass Menschen in Not aus Scham oft lange zuwarten, bis sie um Hilfe ansuchen. Niemand muss sich davor scheuen, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Unsere Türen stehen für Betroffene weit offen.“
