Gesundheit
Pollenbelastung auf Rekordhoch
Verstopfte Nase, juckende Augen, Beschwerden beim Atmen – nicht nur Allergiker sind am Verzweifeln. Warum der Pollenflug heuer so hoch ist wie kaum zuvor, woran das liegt und wann ein Ende in Sicht ist, zeigt ein Gespräch mit dem Leiter des Pollenwarndienstes.
© privat
„Ich bin heuer fast am Ende meiner Kräfte. Wir haben eine Pollenmenge, die unfassbar ist“, sagt Helmut Zwander, der wissenschaftliche Leiter des Pollenwarndienstes Kärnten, im Gespräch mit „KLiCK Kärnten“. „Aufgrund starker Südwinde haben wir heuer im Klagenfurt Becken schon sehr früh große Mengen an Pollen aus dem Süden verzeichnet“, fasst der Biologe zusammen, „und die heimische Vegetation feuert auch aus vollen Rohren.“ Die gute Nachricht ist laut Zwander: „Wir erreichen bereits das Ende der Frühlingspollensaison.“ Das bedeutet aber zugleich, dass die Sommergräser zu blühen beginnen: „Das Ruchgras ist bereits in Vollblüte. Gräserpollen-Allergiker spüren das schon“, meint er.
Pollenradar für Kärnten
Eine Messstation am Gelände des Klinikums Klagenfurt zeichnet rund um die Uhr die Pollenbelastung in der Luft auf. Es handelt sich um eine sogenannte „Burkard-Falle“. Sie saugt pro Minute zehn Liter Luft durch einen schmalen Schlitz ein. Das entspricht der Menge, die ein Mensch einatmet. An einem dahinterliegenden Messstreifen bleiben alle größeren Partikel, wie eben Pollen, kleben. „Am Ende des Tages zähle ich im Mikroskop diese Pollen“, erklärt Zwander. Auf diese Weise kann er feststellen, wann welche Blütenstaubbelastung herrscht. Gepaart mit jahrzehntelangem Erfahrungsschatz lassen sich daraus Prognosen für die darauffolgenden fünf bis sechs Tage ableiten. Diese Daten gehen an die Landessanitätsbehörde, die wiederum alle Ärzte informiert. So können Menschen mit Pollenallergie Beschwerdekalender führen und kontrollieren, ob ihre Symptome und die Einnahme von Medikamenten mit der jeweiligen Pollenbelastung zusammenpassen.
Pollenbelastung spiegelt Klimawandel
Zwander ist Biologe aus Leidenschaft. Er ist Präsident des Naturwissenschaftlichen Vereins für Kärnten, unterrichtet an der Pädagogischen Hochschule und ist seit seiner Gründung Mitarbeiter des Pollenwarndienstes. Seit dem Jahr 2000 obliegt ihm dessen wissenschaftliche Leitung. In den vergangenen vierzig Jahren hat sich in puncto Pollen in Kärnten einiges verändert – sehr zum Leidwesen aller Allergiker: „Die Intensität des Pollenflugs nimmt kontinuierlich zu. Die Abstände zwischen den jeweiligen ‚Mastjahren‘ mit extremer Pollenbelastung werden immer kürzer. Und die Pollensaison beginnt früher und endet später“, schildert der Wissenschaftler. Noch vor vierzig Jahren konnten Allergiker von September bis Februar aufatmen „Mittlerweile sind die einzigen beiden Monate, in denen ein Allergiker in Kärnten ohne Beschwerden leben kann, der Oktober und der November“, sagt Zwander bedauernd.
Die Daten, die er seit 1980 sammelt und dokumentiert, findet Helmut Zwander „unglaublich interessant“. Der Pollenflug ist ein Spiegelbild der Klimaänderung, sagt er nicht ohne Begeisterung für sein Metier. Für die Zukunft plant er, all die gesammelten Daten in einer wissenschaftlichen Publikation zu veröffentlichen.
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- Helmut Zwander ist der Pollen-Experte in Kärnten. Er leitet den Pollenwarndienst und sammelt seit vierzig Jahren Daten zum Pollenflug.
- Pollen-Experte Helmut Zwander