Neue alte Delikatesse
Der Schnecken-Check
Weinbergschnecken stehen wieder auf vielen Speisekarten. Sie gelten als regionales „Superfood“. „KLiCK Kärnten“-Redakteurin Margit Dietrich auf Erkundungstour in der Schneckenzucht von Christoph Salanda in Krumpendorf.
© Salanda
Es ist Liebe auf den zweiten Blick. Denn als Schnecken-Freundin hätte ich mich bisher nicht bezeichnet. Das hat sich mit meinem Besuch in der „Feinschneckerei“ geändert. Zwischen Apfelbäumen und Sonnenblumen, auf einem neun Quadratmeter großen Wiesenstück mit Blick auf den türkisen Wörthersee, leben tausende Weinbergschnecken. Tagsüber ruhen sie im Inneren ihres Häuschens und nachts stürzen sie sich auf Salatköpfe, Mangold und anderes heimisches Gemüse. Weinbergschnecken halten Winterschlaf und werden in der Schneckenzucht zwei Jahre alt.
Edler Schneckenschleim
80.000 Weinbergschnecken züchtet Christoph Salanda pro Jahr. Eine davon setzt er mir bei meinem Besuch gleich auf den Handrücken. Eine neugierige Zeitgenossin, die mich mit ihren Fühlern vorsichtig beäugt und dann schneller als erwartet meinen Handrücken erkundet. Auf ihrem Weg hinterlässt die Schnecke eine glänzende Spur. „Keine Sorge, Schneckenschleim ist gut für die Haut“, lacht der Züchter und erzählt von der Verwendung in der Luxuskosmetik und der heilenden Wirkung bei Brandwunden. Aber Halt. Die Schnecken sind hier, weil sie eines Tages am Teller landen sollen.
Wie alles begann
„Meine Frau Sigrid und ich, wir sind Genießer. Wir probieren kulinarisch gerne was aus. Da wir keine guten Schnecken zu kaufen fanden, haben wir uns vor vier Jahren entschieden, selbst welche zu produzieren“, erzählt Salanda. Das Ziel sei immer gewesen, „die Schnecken perfekt hinzukriegen, damit sie auch denen schmecken, die noch nie zuvor Schnecken gegessen haben“. Das hat das Ehepaar geschafft und beliefert immer mehr Restaurants in ganz Kärnten mit Weinbergschnecken (unter anderem „Vogelhaus“ und „151er“ in Klagenfurt, „Stiftschmiede“ in Ossiach und „Sicher“ in Tainach). Für neugierige „Feinschnecker“ bietet der Züchter und leidenschaftliche Koch auch fertige „Schneckenpfannen“ ab Hof, die man zuhause nur mehr für wenige Minuten im Backofen erhitzen muss.
Regionales Superfood
Dass dieser kulinarische Trend aus den 1980er Jahren nun wiederkehrt, sei aus vielen Gründen nachvollziehbar, meint Salanda: „Schneckenfleisch ist ein ‚Superfood‘. Es ist fettarm, proteinreich, enthält wertvolle Omega-Fettsäuren und wird regional erzeugt.“ Die ganze Familie hilft in der Produktion. Den heiklen Part, das Töten der Schnecken, übernimmt Christoph Salanda selbst: „Schnecken sterben, wenn sie schlafen, binnen weniger Sekunden im kochend heißen Wasser. Ich wurde von einigen Menschen deshalb angefeindet. Aber so funktioniert es. Ich bin Landwirt. Ein Landwirt, der Fleisch erzeugt, muss Tiere töten.“ Die Schnecken werden danach aus ihrem kalkhaltigen Haus herausgetrennt, von den Eingeweiden befreit und mit einem Salzpeeling entschleimt. Am Ende bleibt mageres Fleisch: Schneckenfilet.
Grauslich oder mutig?
Im Hause Salanda kommen etwa zweimal pro Woche Schnecken auf den Teller. Am liebsten mit Baguette und Butter, dezent mit Salz, Pfeffer und saisonalen Kräutern gewürzt. Auch den beiden Kindern schmeckt’s. Ihre Freundinnen und Freunde finden das zwar im ersten Moment meist „grauslich“, aber Christoph Salanda weiß, was zu tun ist: „Wir laden immer wieder Kinder und Schulklassen ein, sich unser Schneckenfeld anzusehen und die kleinen Tiere zu beobachten und wir veranstalten im Spätsommer Verkostungen.“
Online-Tipp: www.schneckenausbestemhaus.at
- Keine Berührungsängste: „KLiCK Kärnten“-Redakteurin Margit Dietrich mit einer jungen Weinbergschnecke
- Ganz entspannt erkundet diese Schnecke ihre ungewohnte Umgebung.
- Vermehren sich rasch: „Schnecken aus bestem Haus“ aus Kärntner Zucht. Ganz rechts ist eine wenige Tage alte Babyschnecke zu sehen.
- Wilde Wiese, schattenspendende Holzbretter, ein schützender Zaun und Grünzeugs – mehr brauchen Schnecken nicht.
- Das ideale Einsteigergericht: Schneckenfilet geschmort in Kräuterbutter
- Christoph Salanda betreibt Schneckenzucht und Fleischproduktion und gibt sein reichhaltiges Wissen über Weinbergschnecken weiter.