Velden
„Rowanne“, das Spielweib
Das Ehepaar Simone und David Jatropulus aus Velden verschreibt sich in seiner Freizeit ganz dem Mittelalter. Wie die beiden ihre Leidenschaft ausleben, erzählen sie im Gespräch mit „KLiCK Kärnten“.
Wenn bei einem mittelalterlichen Fest Klänge einer Leier zu hören sind, kann es durchaus sein, dass Simone Jatropulus alias „Troubairix Rowanne“ gerade an ihrer Pilgerleier dreht und Lieder singt. Mit ihrem Ehemann David und den Kindern Elias (11 Jahre) und Cara (9) zieht sie in den Sommerferien von einem mittelalterlichen Fest zum anderen. „Dann lassen wir uns nieder und ich bezaubere die Zuhörer mit meiner Musik“, erzählt „Rowanne“. Der Name kommt aus dem Irischen und heißt so viel wie die „Kleine Rote“.
Das Mittelalter
Die Kleinkind-Erzieherin Simone Jatropulus ist seit 20 Jahren mit ihrem Mann David im „Mittelalter“ unterwegs. Im Gepäck sind immer ein Zelt und ein historisches Reisebett dabei. „Das Bett haben wir selbst nachgebaut. Der Lattenrost besteht aus Seilen, die verspannt werden“, erzählt David Jatropulus. Sein Interesse am Mittelalter fand der Familienvater über die Phantasie-Schiene. „So habe ich auch meine Frau kennengelernt. Vor 20 Jahren haben wir in Kärnten gemeinsam die erste Liverollen-Spielgruppe gegründet. Später haben wir uns dann mehr für die historischen Hintergründe interessiert. Für mittelalterliche Feste nehmen wir eine Auszeit vom Alltag und ziehen historische Gewänder an, um ins Mittelalter einzutauchen“, bringt Jatropulus die Leidenschaft auf den Punkt.
Die Literatur
Wenn Simone Jatropulus als „Troubairix Rowanne“ auftritt, befindet sich die zweifache Mutter ganz in ihrer Rolle. Sie spielt auf ihrer Pilgerleier und singt mittelalterliche Lieder. Die Literatur ist vielfältig. „Am bekanntesten ist die ‚Carmina Burana‘, eine Liedersammlung aus dem 11. Jahrhundert. Bekanntheit hat sie erlangt, als sie in den Jahren 1935 und 1936 von Carl Orff vertont wurde. Die Texte wurden in mittellateinischer und mittelhochdeutscher Sprache der ‚Carmina Burana‘ entnommen. Sehr bekannt sind auch die Sammlungen ‚Cantigas de Santa Maria‘. Die Überlieferung von wertvollem Liedgut hat mündlich oder über Klosterbibliotheken stattgefunden“, weiß „Rowanne“ zu berichten.

Ritter David
David Jatropulus machte früher viel Schwert- und Schaukampf und ging auch in nachgespielte Feldschlachten in voller Rüstung. „Als Ritter bin ich seit einiger Zeit im Ruhestand. Mit 35 Jahren hat man seinen körperlichen Zenit als Ritter bereits hinter sich“, gesteht der Villacher. Im Moment übt er sich im Spielen am Dudelsack und mit der Drehleier. „Wir haben zu Hause auch eine Zister, ein Saiteninstrument mit acht Saiten. Gebaut wurde sie nach irischen Vorlagen. Mit wird nicht langweilig, denn es gibt noch so vieles, was das Mittelalter zu bieten hat“, verrät Jatropulus.