Martinsfest
Lichter, Lieder, Laternen – und ein Pferd
Mit echtem Pferd und Reiter ist das Martinsfest im Kindergarten St. Marienheim in Klagenfurt ein besonderes Erlebnis und heißersehnter Höhepunkt des Jahres.
© Carmen Biethan
„Mir ist schon klar, dass der Star des Abends nicht der Heilige Martin, sondern das Pferd ist“, lacht Orientierungsreiter und Techniker Kurt Schnögl. Immer am 11. November, wenn es dämmrig wird und die Kinder mit ihren Laternen den Garten zum Leuchten bringen, reitet er mit rotem Umhang auf seiner „Funky Molly“ ein. Fragt man die Mädchen und Buben, worauf sie sich am meisten freuen, sind sich alle einig: „Funky Molly!“
Teilen heißt Gutes tun
Die Kinder im Pfarrkindergarten St. Marienheim in Waidmannsdorf bereiten sich seit vielen Tagen auf das Martinsfest vor: Sie singen Lieder, basteln Laternen und spielen wieder und wieder die Legende des Heiligen Martin – abwechselnd darf jede und jeder in die Rolle des Bettlers und des Heiligen Martin schlüpfen. Ein Steckenpferd, ein Schwert, ein roter Umhang und ein Jutesack gehören dazu. „Martin gibt dem Bettler einen Teil von seinem Mantel“, fasst Katharina die Geschichte kurz und bündig zusammen. Die Kinder sind berührt von der Großzügigkeit des Soldaten auf dem Pferd. Sie kommen schnell zu dem Schluss, dass auch sie selbst teilen können: „Spielzeug oder unsere Jause“. „Für die Kinder ist es ein schönes Erlebnis, zu erfahren, dass man Gutes tun kann, ohne dass man Geld dafür braucht“, sagt Kindergartenleiterin Carmen Biethan, „wir können teilen, Liebe geben, trösten oder nett sein. Wir können ein gutes Herz haben“.
Tierische Tradition seit 65 Jahren
Seit der Gründung des Pfarrkindergartens im Jahr 1957 kommt zu jedem Martinsfest ein Reiter mit Pferd. Carmen Biethan, die Kindergartenleiterin, und Kurt Schnögl, der Reiter, sind früher selbst hier in den Kindergarten gegangen. „Ich war als Kind schwer beeindruckt vom Heiligen Martin und seinem Pferd“, erinnert sich Schnögl. Deshalb will er dieses Erlebnis auch den Kindern von heute ermöglichen. Auch wenn er einen großen Aufwand für einen kurzen Auftritt betreibt. Der Klagenfurter holt seine „Funky Molly“ am Martinstag von der Weide in Hallegg, überzeugt sie mit köstlichen Karotten vom Komfort des Pferdeanhängers, fährt mit ihr in die Stadt, putzt, zäumt und sattelt sie und reitet in der Dämmerung, in einem funkelnden Laternenmeer, als Heiliger Martin im Garten von St. Marienheim ein. „Wenn ich sehe, wie sich die Kinder freuen, und wenn ich höre, wie sie staunen und ‚Boah, ein echtes Pferd!‘ rufen, dann rechtfertigt das alles.“
Landerlebnis in der Stadt
„Funky Molly“ ist eine entspannte und, mit ihren 20 Jahren, eine erfahrene Stute. Sie ist Kinder gewöhnt, da sie in ihrem Reitstall als Schulpferd „arbeitet“. Im Kindergarten sorgt sie nicht nur für leuchtende Kinderaugen, sondern manchmal auch für lautes Lachen. Reiter Kurt Schnögl kann ein Lied davon singen: „Natürlich muss ein Pferd misten, das ist Natur, das kann auch während des Festes passieren.“ Genau so war es im vergangen Jahr. Dampfende Pferdeäpfel sorgten bei den singenden Kindern für Belustigung, Naserümpfen und tagelangen Gesprächsstoff.
Ein Pferd im Turnsaal
Der allererste Heilige Martin im Kindergarten St. Marienheim war 1957 der damalige Messner, Herr Johann. Er hat eine Tradition begonnen, der nichts einen Abbruch tun kann – weder schlechtes Wetter noch eine Pandemie. Carmen Biethan: „Der damalige Messner ist einmal sogar im Turnsaal geritten. Davon gibt es Fotos“, lacht Carmen Biethan. „Und während des ersten Lockdowns, als wir die Kinder der einzelnen Gruppen streng trennen mussten, haben sich alle Mädchen und Buben in ihren Räumen an den Fenstern aufgestellt und dem Heiligen Martin zugewunken, der auf seiner ‚Funky Molly‘ im Garten Runden gedreht hat.“ Heuer darf es wieder legendär traditionell sein: ein großes Fest im Garten mit Laternen, Liedern, Gänsegebäck und echtem (!) Pferd samt edlem Reiter.
- Magische Stimmung: Das Martinsfest bringt Licht und Hoffnung in die dunkle Jahreszeit.
- Einzigartige Kunstwerke: Jedes Kind hat seine Laterne selbst gebastelt.
- Wie das flackert und duftet: Nur in wenigen Kindergärten werden, wie in St. Marienheim, noch echte Kerzen verwendet.
- Rollenspiel macht den Kindern Spaß: Der Heilige Martin teilt seinen Mantel mit dem Bettler.
- Der Bettler freut sich über die großzügige und wärmende Spende. Zentrale Botschaft des Martinsfestes: „Lasst uns ein gutes Herz haben.“
- Die „Stars“ beim Martinsfest: der „Heilige Martin“ Kurt Schnögl und seine „Funky Molly“
- Sie hält jahrzehntelange Tradition liebevoll aufrecht: „Seit der Kindergarten besteht, gibt es jedes Jahr einen Reiter mit Pferd“, erzählt Kindergartenleiterin Carmen Biethan.
- Kinderzeichnungen erzählen die Legende des Heiligen Martin.
- Ein altes, handgenähtes Martinstuch ziert in diesen Tagen die Eingangstür des Pfarrkindergartens St. Marienheim.
- Ein Pferd im Turnsaal: Schon zu Beginn wurde der Brauch hochgehalten – da konnte es draußen regnen, so viel es wollte.
- Seit 1957 sorgt im Pfarrkindergarten St. Marienheim der Heilige Martin auf einem echten Pferd für leuchtende Kinderaugen.
- „Mhmmmartinigänse“ zum Teilen und Verspeisen – in der hauseigenen Küche zubereitet.