Millionenverlust

Poli­tik gefor­dert: 800 IT-Stel­len in Kärn­ten unbe­setzt

Jährlich verliert Kärnten als Wirtschaftsstandort 140 Millionen an Wertschöpfung durch unbesetzte IT-Stellen. Martin Zandonella, Obmann der WK-Sparte Information und Consulting, fordert die künftige Landesregierung zum Handeln auf.

Norbert Wohlgemuth, KIHS, Fachverbandsobmann Alfred Harl, Maria Pernegger von CoderDoja Steyr und Martin Zandonella, Obmann der WK-Sparte Information und Consulting Norbert Wohlgemuth, KIHS, Fachverbandsobmann Alfred Harl, Maria Pernegger von CoderDoja Steyr und Martin Zandonella, Obmann der WK-Sparte Information und Consulting

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Rund 800 freie IT-Stel­len gibt es aktu­ell in Kärn­ten. Aber Fach­kräf­te sind weit und breit nicht in Sicht. Bereits jetzt kön­nen Unter­neh­men ihre offe­nen IT-Posi­tio­nen nur noch durch­schnitt­lich zu 75 Pro­zent beset­zen. Das ist für die Wirt­schaft ein her­ber Rück­schlag, denn ohne ent­spre­chen­de IT-Exper­ten ist ein Stand­ort auf lan­ge Sicht nicht inter­na­tio­nal wett­be­werbs­fä­hig. Die feh­len­den Stel­len­be­set­zun­gen zei­gen sich in einem jähr­li­chen Wert­schöp­fungs­ver­lust von 140 Mil­lio­nen Euro allein für Kärn­ten – das sind 175.000 Euro pro nicht besetz­ter Stel­le. Für den Fach­ver­band UBIT liegt eine der Haupt­ur­sa­chen in der IT-Bil­dung, wie der sie­ben­te IKT-Sta­tus­re­port ans Licht bringt.

Hohe Drop-Out-Quo­ten

Gene­rell sind die Drop-Out-Quo­ten an Öster­reichs Hoch­schu­len im Bereich Infor­ma­tik erschre­ckend hoch. „Wir müs­sen die Drop-out-Quo­ten sen­ken. 40 Pro­zent der Stu­die­ren­den bre­chen das IKT-Bache­lor­stu­di­um ab und gehen damit der Bran­che ver­lo­ren“, mahnt Mar­tin Zan­do­nella, Obmann der WK-Spar­te Infor­ma­ti­on und Con­sul­ting. „Die ter­tiä­re Aus­bil­dung im IKT-Bereich muss umge­stal­tet wer­den, damit die Abbruch-Quo­ten sin­ken.“ Tat­säch­lich wür­de schon eine Sen­kung um zehn Pro­zent öster­reich­weit gut 1.000 weni­ger Stu­di­en­ab­bre­che­rin­nen bzw. ‑abbre­cher bedeu­ten, die dann der IT-Bran­che zur Ver­fü­gung stün­den.

Euro­pa­weit im Mit­tel­feld

Erst­ma­lig ent­hält der IKT-Sta­tus­re­port einen Ver­gleich von aus­ge­wähl­ten OECD-Staa­ten. So betrug im Jahr 2020 der Anteil von IKT-Stu­di­en im gesam­ten ter­tiä­ren Bereich, unter 16 betrach­te­ten Staa­ten, 4,5 Pro­zent (im Jahr 2014 waren es 3,8 Pro­zent). Die­se Antei­le rei­chen von 1,9 Pro­zent in der Tür­kei bis zu 8,1 Pro­zent in Isra­el, 9,9 Pro­zent in Finn­land und 10,1 Pro­zent in Est­land. Öster­reich liegt mit 5,4 Pro­zent im Mit­tel­feld. „Die­se Zah­len zei­gen die Her­aus­for­de­run­gen, vor denen wir ste­hen, um zu den IT-Spit­zen­rei­tern auf­zu­schlie­ßen”, sagt Stu­di­en­lei­ter Nor­bert Wohl­ge­muth vom Kärnt­ner Insti­tut für Höhe­re Stu­di­en (KIHS).

Zu weni­ge Absol­ven­ten

Ver­schärft wird der Fach­kräf­te­man­gel zusätz­lich durch die gerin­ge Anzahl an Stu­die­ren­den in den IKT-Fächern: Die drin­gend gebrauch­ten IKT-Stu­di­en machen an den Uni­ver­si­tä­ten nur rund sechs Pro­zent aller Stu­di­en­plät­ze aus. Die Alpen-Adria-Uni­ver­si­tät Kla­gen­furt mel­de­te im Win­ter­se­mes­ter 21/22 861 beleg­te IKT-Stu­di­en­plät­ze, die Fach­hoch­schu­le Kärn­ten 228. Aber von 2015 bis 2020 haben in Sum­me nur 145 Mas­ter in der IKT die Uni­ver­si­tät ver­las­sen, das sind durch­schnitt­lich 30 Absol­ven­ten pro Jahr, an der Fach­hoch­schu­le schaff­ten im glei­chen Zeit­raum 49 Stu­die­ren­den ihren Mas­ter­ab­schluss. Im Durch­schnitt bedeu­tet das zehn Absol­ven­ten pro Jahr. „Anhand die­ser Zah­len wird die Lücke deut­lich. Die neue Lan­des­re­gie­rung ist gefor­dert, dar­auf zu reagie­ren“, for­dert Zan­do­nella. Es müs­sen mehr jun­ge Men­schen und vor allem auch Mäd­chen für den IKT-Bereich begeis­tert wer­den.

Alter­na­ti­ven zum Stu­di­um

„Eine gute Aus­bil­dung und hohe Qua­li­fi­ka­ti­on sind das Grund­ele­ment für eine Kar­rie­re im IT-Bereich. Genau des­we­gen ist es an der Zeit, die­se zu refor­mie­ren und die Drop-out-Quo­ten zu drü­cken“, sagt Zan­do­nella. Zusätz­lich müs­sen rasch alter­na­ti­ve Wege in die IT geför­dert wer­den, wie ande­re Ein­stiegs­mög­lich­kei­ten. In Kärn­ten sind das zum Bei­spiel eine IT-Leh­re oder die Dua­le Aka­de­mie für Matu­ran­ten und Stu­di­en­ab­bre­cher. In Form eines Trai­nee­pro­gram­mes kön­nen sie eine Aus­bil­dung in IT-Sys­tem­tech­nik oder Applikationsentwicklung/Coding absol­vie­ren. Gestar­tet wird mit der Dua­len Aka­de­mie im Herbst. Trai­nees und inter­es­sier­te Aus­bil­dungs­be­trie­be kön­nen sich direkt bei der Wirt­schafts­kam­mer mel­den.

Neue Berufs­we­ge

Für Betrie­be und jun­ge Men­schen ist das eine neue attrak­ti­ve Form einer pra­xis­ori­en­tier­ten Aus­bil­dung – ein Gewinn für bei­de Sei­ten. Auch Marc Gfre­rer, IT-Berufs­grup­pen­spre­cher der WK-Fach­grup­pe UBIT, spricht sich für die Dua­le Aka­de­mie und die zeit­ge­mä­ße Aus­bil­dung in IT-Sys­tem­tech­nik sowie Appli­ka­ti­ons­ent­wick­lung aus. „Es gibt span­nen­de neue Berufs­we­ge, um in der IT-Bran­che Fuß zu fas­sen“, sagt Gfre­rer. Die Online­platt­form it.kaernten.at gibt Ori­en­tie­rung über die Ange­bo­te und moti­viert jun­ge Men­schen für eine Kar­rie­re in der IT.

Poli­tik ist gefor­dert

„In der brei­ten Mas­se sind die viel­fäl­ti­gen Kar­rie­re­mög­lich­kei­ten inklu­si­ve Job­ga­ran­tie in der IT nicht bekannt“, bedau­ert Gfre­rer. Ent­spre­chend brau­che es einen Aus­bau der infor­ma­ti­schen Grund­bil­dung ab der Volks­schu­le, ein­her­ge­hend mit einer Reform der Berufs­be­ra­tung in der Sekun­dar­stu­fe. „Wir set­zen schon aktiv Maß­nah­men gegen den Fach­kräf­te­man­gel, aber auch die Poli­tik muss etwas tun“, unter­streicht Gfre­rer. Und das auf einer brei­ten Ebe­ne. Die Aus­bil­dung im Land müs­se ver­stärkt, bereits aus­ge­bil­de­te IT-Spe­zia­lis­ten nach Kärn­ten geholt und Stu­die­ren­de aus ande­ren Län­dern ange­spro­chen wer­den.

10.03.2023 12:37
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Norbert Wohlgemuth, KIHS, Fachverbandsobmann Alfred Harl, Maria Pernegger von CoderDoja Steyr und Martin Zandonella, Obmann der WK-Sparte Information und Consulting Norbert Wohlgemuth, KIHS, Fachverbandsobmann Alfred Harl, Maria Pernegger von CoderDoja Steyr und Martin Zandonella, Obmann der WK-Sparte Information und Consulting

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