Historisches Klagenfurt
Alter Neuer Platz 14
Ein Rückblick in die Vergangenheit. Dort, wo bereits Baugeräte Aufstellung nehmen, um das Sparkassengebäude umzubauen, gingen im 16. Jahrhundert die Kärntner Landeshauptmänner ein und aus. Eine "Klick Kärnten"-Zeitreise.
Der Hauptsitz der Kärntner Sparkasse am Neuen Platz 14 in Klagenfurt erhält eine Totalsanierung. Im April beginnt ein umfassender Umbau, der das geschichtsträchtige Gebäude aus dem 15. Jahrhundert auf den neusten Stand bringen soll.
Umbau und Modernisierung
Rund 35 Millionen Euro wird die Kärntner Sparkasse investieren. Die bestehende Fassade soll erhalten werden, das Innere des Gebäudes soll zeitlos und modern gestaltet werden: großzügige Beratungsflächen, ein Financial Life Park für interaktive Finanzbildung, Gastronomie- und Veranstaltungsbereiche werden durch modernste Arbeitsbereiche für die Mitarbeitenden ergänzt.
Klagenfurt vor 500 Jahren
In seiner jahrhundertelangen Geschichte hat dieses Haus am Neuen Platz einiges erlebt. Im Jahr 1523, also vor genau 500 Jahren, noch bevor an dieser Stelle Gebäude standen, befand sich hier eine Ausfallstraße, die aus der Stadt hinausführte. Klagenfurt, ein bis dato unbedeutendes kleines Städtchen, wurde eben erst (1514) von einer Brandkatastrophe in Schutt und Asche gelegt.

Wiederaufbau nach Brandkatastrophe
Im Zuge des Wiederaufbaus wurde der Lendkanal ausgehoben, um die Stadt mit dem Wörthersee zu verbinden und den neu geschaffenen Stadtgraben – der sieben Meter tief und zwischen 34 und 38 Meter breit war – mit Wasser zu versorgen. Das beim Aushub gewonnene Material diente zur Aufschüttung des Stadtwalles.
Ab 1527 entstand eine ausgeklügelte, auf dem Reißbrett entworfene Befestigungs- und Stadtanlage. Die Stadtbefestigung hatte die Form eines regelmäßigen Rhombus mit einer Seitenlänge von etwa 700 m.
Erneuter Zerfall
An der Adresse Neuer Platz 14 wurden vier Häuser gebaut, die zuerst als Bürgerhäuser und Meierhöfe — in denen die adeligen Verwalter (=Meier) von umliegenden Landwirtschaften lebten — genutzt wurden. Später waren hier eine Gastwirtschaft und Läden untergebracht. Ende des 16. Jahrhunderts erwähnt die Klagenfurter Chronik weitere Stadtbrände, denen diese Häuser an der besagten Adresse zum Opfer fielen.
Sitz der Landeshauptmänner
Der Neue Platz befand sich damals am Stadtrand von Klagenfurt. Am Grundstück mit der Hausnummer 14 baute man ein nach allen Seiten freistehendes, zweigeschoßiges, vierflügeliges Haus. Wer bewohnte diesen repräsentativen Bau? Christoph David Urschenpeck. Er war von 1610 bis 1636 Landeshauptmann von Kärnten. Nach seinem Tod gingen der Titel des Landeshauptmannes und auch das besagte Gebäude an seinen Nachfolger Georg Sigmund Grafen Paradeiser über. Und von diesem wiederum an den nächsten: Georg Andre Freiherr (Graf) von Kronegg. Dessen Schwiegersohn Franz Ludwig Grafen von Thurn, ließ, in der Hoffnung dass er das Haus erben würde, zwischen 1660 und 1680 Umbauarbeiten vornehmen: auf die zwei Geschoße wurde ein Halbstock aufgemauert und darüber lag ein gewöhnliches Walmdach auf. Das Tor auf der Platzseite rückte in die Mitte.

Ein neuerlicher Stadtbrand im Jahr 1723 dürfte die Hauseigentümer in den Ruin getrieben haben. Nach 75-jährigem Familienbesitz kam es zum Verkauf des Gebäudes.
Handelshaus mit Schweinestall
Anfang des 18. Jahrhunderts war Anton Valentin Edler von Schluga Hausbesitzer: ein Adeliger im Fleischer- und Händlergewerbe. Das Haus am Neuen Platz 14 wurde zum „Schlugaschen Haus“. Im ersten Stock des Gebäudes wurden 30 Wohn- und Wirtschaftsräume genutzt, darunter auch zwei Küchen, wobei in einer ein gemauerter Zierbrunnen stand. Für Fleisch- und Gemüsevorräte gab es eigene Gewölbe. Im Haus befand sich weiters ein Stall für zwei Zugpferde und drei Schweine. Die Schweine verringerten das Problem der Küchenabfälle in der Zeit vor der Kanalisation. Neben dem Stall gab es eine eigene Kammer für Reitzubehör und Bewaffnung. Südlich an das Haus schloße ein Hausgarten an, der knapp 250 Quadratmeter umfasste. Im Keller wurden italienischer Wein und Most, in den Gewölben und unter dem Dach wurde Getreide gelagert. Im Bedarfsfall konnte das “Schlugasche Haus” durchaus eine Zeit lang autark geführt werden.

Salnitergräber
Seit dem Einzug der Adelsfamilie Schluga im Jahr 1723 wurden keine nennenswerten Umbauten mehr vorgenommen, das Haus verlor an Glanz. Maria Theresia erließ zu dieser Zeit im “Codex Austriacus”, dass eigens befugte Salnitergräber in “eingefallenen Schlössern” sowie in allen Scheunen, Schupfen und Meierhöfen nach “Salnitererde” (=Salpeter) graben sollten. Den benötigte der Staat für die Erzeugung von Schießpulver. So wurde auch im Keller des „Schlugaschen Haus“ am Neuen Platz gegraben. Nach dem Tod des Sohnes Franz Xaver von Schluga folgten schnellere Besitzerwechsel. Bald aber sollte dem Haus neuer Glanz zukommen.
Fortsetzung folgt…
Wie aus dem Altstadthaus am Neuen Platz 14 ein modernes Palais wurde lesen Sie in der nächsten Folge unserer „Klick Kärnten“-Zeitreise.