Interview mit Karl Selden
So startet man vorbereitet in die Wandersaison
Sobald es im Tal grünt, beginnt die Wanderzeit. Auf ein paar Dinge gilt es zu achten, damit das Outdoor-Abenteuer kein Reinfall wird. „KLiCK“-Kärnten hat bei Karl Selden, Chef des Alpenvereins Klagenfurt nachgefragt.
© Karl Selden
Die meisten Almhütten öffnen erst im Juni, höher gelegene Hütten auch später. „Wenn also eine Hüttenübernachtung geplant ist, empfiehlt es sich vorab im Internet zu überprüfen, ob diese auch geöffnet hat“, weiß Selden.
Touren langsam steigern
Die lange Ruhezeit des Winters hat Muskelsubstanz gekostet: Bänder und Knorpel sind noch nicht in Höchstform. Daher empfiehlt es sich, Länge und Höhendifferenz der ersten Touren kurz zu bemessen. „Damit sich der Körper wieder an die schöne Wanderbewegung gewöhnen kann“, erklärt der begeisterte Alpinist.
Umkehren muss erlaubt sein
Die Natur hat es im Winter ergiebig schneien lassen. Durch den Schneedruck wurden Bäume quer über Wege geworfen. „Das Team des Alpenvereins macht sich zwar im Frühjahr so bald als möglich zu Kontrollgängen und Freiräumungen auf, aber auch wir können nicht überall gleichzeitig sein und müssen Wege nacheinander abarbeiten. Umkehren muss also erlaubt sein!“
Südseite wählen
Im Frühjahr wird man südseitige Hänge für seine Wanderungen auswählen. „Die Sonne ist hier wärmer, der Anstieg wird als angenehm empfunden und ist schon weitgehend schnee- und eisfrei“. Im Sommer hingegen wird man nordseitige Hänge bevorzugen. „Da ist es kühler und der Flüssigkeitsverlust im Körper ist demnach überschaubar“. Der Temperaturunterschied von Nord- und Südseite kann nämlich bis zu 15 Grad betragen.

Ausrüstung checken
Ein gutes Profil ist die halbe Tour. „Entweder lässt man den Wanderschuh beim Schuster neu besohlen, oder kauft sich ein neues Modell“. Aber dann müssen die Bergtreter erst eingegangen werden. „Sonst können schmerzhafte Blasen das Resultat sein“, weiß der Bergprofi. Heute bietet der Sporthandel ein Rückgaberecht von 14 Tagen an. Im Gepäck fehlen dürfen nicht: Erste-Hilfe-Set, Sitz-Unterlage, Biwaksack, Sonnenbrille und ‑creme, ein winddichter Anorak und eine lange Berghose.

Orientierung ist halbe Miete
„Der Berg gehört erst dir, wenn du wieder sicher im Tal bist“. Das ist ein Stehsatz mit Bedeutung. Bei Verzweigungen, schlechter Sicht, Unsicherheit gilt immer – sofort umkehren. „Die heute angebotenen Navi-Systeme, sind nur dann eine Hilfe, wenn man damit umgehen kann. Fällt der Empfang aus, muss man sich auch mit der Gebietskarte orientieren können“.

Spielregeln beachten
Auch hat der alpine Raum hat Spielregeln, die akzeptiert werden müssen: Diese Höhen und Sphären teilen sich Grundbesitzer, Jäger, Bewohner, Tiere und seltene Pflanzen. „Und jeder hat Anrecht auf gedeihliches Miteinander“, betont Selden: „Wenn Wanderer, Bergsteiger, Biker und andere Sportler auf den für sie vorgezeichneten Wegen bleiben, steht dem Bergabenteuer nichts im Wege!“
