Wölfe in Kärnten

Wirt­schafts­ver­tre­ter for­dern Schul­ter­schluss für die Zukunft

In Kärnten steigt die Anzahl der Wölfe rasant an. Das stellt Landwirtschaft, Tourismus, Naturschutz und Politik vor neue Herausforderungen. Um in Zukunft Nutzung und Bewirtschaftung auch für Tourismus und Freizeit sicherzustellen, braucht es jetzt ein vorausschauendes Handeln.

Wirt­schafts­ver­tre­ter for­dern Schul­ter­schluss für die Zukunft Risikowolf wurde abgeschossen.

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Vor 20 Jah­ren war es für Exper­ten noch völ­lig unver­stell­bar, dass sich in den Kärnt­ner Ber­gen Wolfs­ru­del nie­der­las­sen und die Popu­la­ti­on rasant wächst. Durch die Rück­kehr der Raub­tie­re in dicht besie­del­te Kul­tur­land­schaf­ten wird die Gesell­schaft vor neue Her­aus­for­de­run­gen gestellt. Wie kom­plex das The­ma Wöl­fe ist, erklär­ten anhand von beleg­ten Daten und Fak­ten Exper­ten aus ver­schie­dens­ten Per­spek­ti­ven bei einer Ver­an­stal­tung vom Forum Natur­schutz und Wirt­schaft Kärn­ten in der Wirt­schafts­kam­mer Kärn­ten gemein­sam mit Land­wirt­schafts­kam­mer Kärn­ten, dem inter­na­tio­na­len St. Huber­tus-Orden und der Volks­wirt­schaft­li­chen Gesell­schaft Kärn­ten.

Aktu­el­le Situa­ti­on in Kärn­ten

Bis 2019 hat es in Kärn­ten nur ver­ein­zelt Sich­tun­gen von Wöl­fen gege­ben. 2021 gab es bereits 28 Wöl­fe im Land, über­wie­gend im Ober­kärnt­ner Raum. Inzwi­schen haben sich zwei Rudel mit Nach­wuchs gebil­det. Für das lau­fen­de Jahr wird mit einer star­ken Stei­ge­rung gerech­net, es sind bereits fünf Wöl­fe neu hin­zu­ge­kom­men. „Wenn ich mir die Zah­len anse­he, steht Kärn­ten aktu­ell da, wo Deutsch­land wahr­schein­lich vor 20 Jah­ren war und ist gera­de mit­ten­drin in der Wie­der­be­sied­lungs­pha­se“, sag­te Roman Kirn­bau­er, Wild­bio­lo­ge und Wolfs­be­auf­trag­ter vom Land Kärn­ten.

Anzahl der Ris­se gestie­gen

Das wirkt sich natur­ge­mäß auch auf die Anzahl der Ris­se und Schä­den aus: So waren es 2021 in Kärn­ten 125 geris­se­ne Tie­re, 2022 fast 400. Ent­spre­chend besorgt zeig­te sich Josef Obwe­ger, Obmann des Kärnt­ner Alm­wirt­schafts­ver­eins: „Ein Mit­ein­an­der von Mensch und Wolf hat es auf der Alm nie gege­ben. Die offe­ne Kul­tur­land­schaft ist kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit. Die Bewirt­schaf­tung der Almen bewahrt die Bio­di­ver­si­tät.“ Das Gefah­ren­po­ten­zi­al vom Wolf wer­de noch unter­schätzt und beein­flus­se nicht nur die Alm­wirt­schaft lang­fris­tig, son­dern auch den Tou­ris­mus. Her­den­schutz­hun­de und Zäu­ne sei­en kei­ne Lösung und schlie­ßen Tou­ris­mus sowie Frei­zeit­nut­zung aus.

„Wir müs­sen unse­re von Men­schen­hand geschaf­fe­nen Kul­tur­land­schaf­ten erhal­ten. Für unse­re Gäs­te sind Natur­er­leb­nis, Wan­dern und Rad­fah­ren ein aus­schlag­ge­ben­des Urlaubs­mo­tiv. Des­halb set­zen wir wei­ter­hin auf eine gute Koope­ra­ti­on mit Alm- und Land­wirt­schaft“, sag­te Sigis­mund Moe­risch, Obmann der WK-Fach­grup­pe Hotel­le­rie und beton­te, dass für ihn Wöl­fe in der Kärnt­ner Kul­tur­land­schaft kei­nen Platz haben.

Blick nach Deutsch­land

Nie­der­sach­sen ist mitt­ler­wei­le seit zwölf Jah­ren von meh­re­ren Wolfs­ru­deln besie­delt und es gibt ein ent­spre­chen­des Wolf­mo­ni­to­ring. Raoul Reding, Wolfs­be­auf­trag­ter vom Land Nie­der­sach­sen, prä­sen­tier­te aus­führ­li­che Sta­tis­ti­ken und Hin­ter­grün­de zu den Erfah­run­gen mit der Nutz­tier­hal­tung. Damit Maß­nah­men abge­lei­tet wer­den kön­nen, brau­che es Daten­ma­te­ri­al.

Des­halb sei es so wich­tig, dass die Bevöl­ke­rung Sich­tun­gen, Ris­se oder Schä­den an die jewei­li­gen Stel­len mel­de. Wie sich die Lage mit den Wöl­fen in Euro­pa wei­ter ent­wi­ckeln wird, wis­se auch er nicht. Aber eines sei klar: Der Wolf wird nicht mehr weg­ge­hen.

Blick in die Schweiz

Wel­che Pro­ble­me das in der Schweiz mit sich bringt, erzähl­te Mar­cel Züger, Wild­bio­lo­ge vom Öko­bü­ro „Pro Val­la­das“ aus Grau­bün­den: „Zusam­men­tref­fen mit Men­schen häu­fen sich. Wan­de­rer und Hir­ten wer­den ange­knurrt und es ist Heu­len am Sied­lungs­rand zu hören.“  Alle zwei Jah­re ver­dop­peln sich die Wöl­fe und damit die Zahl der Schä­den in Grau­bün­den, trotz Her­den­schutz­zäu­nen und Her­den­schutz­hun­den. „Wenn wir nicht auf­pas­sen, ist die frei zugäng­li­che Land­schaft pas­sé. Her­den­schutz­hun­de und Tou­ris­mus schlie­ßen sich aus“, warn­te er. Her­den­schutz­maß­nah­men wer­den laut Züger in der Schweiz auch zuneh­mend wir­kungs­los, denn mehr als 70 % der Wolfs­ris­se fin­den in geschütz­ten Her­den statt. Um prä­ven­ti­ve Vor­keh­run­gen zu tref­fen, sei­en Moni­to­ring, recht­li­che Rah­men­be­din­gun­gen für eine unbü­ro­kra­ti­sche Ent­nah­me und sach­lich-infor­ma­ti­ve Auf­klä­rung der Bevöl­ke­rung unum­gäng­lich, dar­in sind sich die Exper­ten einig.

Schul­ter­schluss von Wirt­schaft und Land­wirt­schaft

Land­wirt­schaft, Tou­ris­mus, Natur­schutz, Jäger­schaft, Poli­tik: Der gemein­sa­me Aus­tausch und die Zusam­men­ar­beit sol­len fort­ge­setzt wer­den. „Der Wolf hat in unse­rer Kul­tur­land­schaft nichts ver­lo­ren. Wir müs­sen unse­re Bau­ern und Urlau­ber schüt­zen, des­halb haben wir durch die Wolfs­ver­ord­nung ein schnel­les Ein­grei­fen bei Scha­dens­fäl­len mög­lich gemacht“, so Lan­des­haupt­mann­stell­ver­tre­ter und Land­wirt­schafts­re­fe­rent Mar­tin Gru­ber. Für Sieg­fried Huber, Prä­si­dent der Land­wirt­schafts­kam­mer Kärn­ten, ist die Wolfs­ver­ord­nung ein gro­ßer Schritt in die rich­ti­ge Rich­tung. Wei­te­re müss­ten fol­gen, denn das Ziel ist Kärn­ten als wolfs­freie Zone aus­zu­wei­sen in der eine unbü­ro­kra­ti­sche Beja­gung der Raub­tie­re mög­lich ist.

Ger­hard Oswald, Pri­or des Inter­na­tio­na­len St. Huber­tus Ordens Kärn­tens, poch­te auf das Wahr­neh­men der umfas­sen­den Sorg­falts­pflicht – die­se beginnt bei ihm bei der sach­li­chen Infor­ma­ti­on und Auf­klä­rung über das Moni­to­ring bis hin zu Maß­nah­men. „Die fach­li­che Aus­ein­an­der­set­zung aus ver­schie­de­nen Betrach­tungs­win­keln war ein­drucks­voll und span­nend. Wir wol­len den Aus­tausch in Zukunft fort­set­zen und vor­aus­schau­end agie­ren“, resü­mier­te Mode­ra­tor Chris­toph Aste, Obmann Forum Natur­schutz und Wirt­schaft Kärnten.Wälfe  Das Publi­kums­in­ter­es­se an dem The­ma war groß, was sich auch in der anschlie­ßen­den Fra­ge­run­de mit den Refe­ren­ten wider­spie­gel­te.

21.04.2023 14:00
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Wirt­schafts­ver­tre­ter for­dern Schul­ter­schluss für die Zukunft Risikowolf wurde abgeschossen.

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