Betreuung

“Pfle­ge-Tur­bo” in Kärn­ten wur­de gezün­det

Mehrere unterschiedliche Projekte sollen die Kärntner Pflegebetreung in Zukunft verbessern. Landesrätin Beate Prettner erklärte in einer Pressekonferenz, was geplant ist.

“Pfle­ge-Tur­bo” in Kärn­ten wur­de gezün­det Gabriele Hagendorfer-Jauk, Landesrätin Beate Prettner und Gewerkschafter Valid Hanuna (von links)

© Büro LR.in Prettner

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„Mehr Pfle­ge­kräf­te und deren Ent­las­tung; Ver­stär­kung der (prä­ven­ti­ven) Betreu­ung zu Hau­se und in den Gemein­den; Nut­zung neu­er Tech­no­lo­gien im Pfle­ge­all­tag: Das sind die drei The­men­be­rei­che, die wir in der Pfle­ge ganz beson­ders groß schrei­ben wer­den“, infor­mier­te Gesund­heits­re­fe­ren­tin Bea­te Prett­ner im Rah­men einer Pres­se­kon­fe­renz zum Tag der Pfle­ge, der mor­gen, am 12. Mai 2023, began­gen wird.

Kärnt­ner Pfle­ge­schlüs­sel ver­bes­sert

Wie Prett­ner erklär­te, habe Kärn­ten in den ver­gan­ge­nen Jah­ren suk­zes­si­ve den Pfle­ge­schlüs­sel ver­bes­sert. „Es ist mein Ziel, den Pfle­ge­schlüs­sel noch wei­ter zu ver­bes­sern. Das wird aber nur mög­lich sein, wenn wir über genü­gend Pfle­ge­per­so­nal ver­fü­gen. Ansons­ten wäre die wei­te­re Sen­kung des Pfle­ge­schlüs­sels zwar gesetz­lich auf Papier fest­ge­schrie­ben, in der Pra­xis aber nicht umsetz­bar“, beton­te Prett­ner. „Daher gehen wir fol­gen­den Weg: Wir for­cie­ren mit unse­rer Aus­bil­dungs­of­fen­si­ve den Pfle­ge-Nach­wuchs. Und par­al­lel dazu ent­las­ten wir das Pfle­ge­per­so­nal mit Hilfs­kräf­ten.“ Das bereits im Jän­ner 2023 gestar­te­te Hilfs­kräf­te-Pro­jekt sei sehr erfolg­reich in den Pfle­ge­hei­men ange­kom­men – und wur­de daher in der gest­ri­gen Regie­rungs­sit­zung ver­län­gert. „Wir haben 120 Voll­zeit-Hilfs­kräf­te bewil­ligt. Die­se über­neh­men Tätig­kei­ten wie: Essens­aus­ga­be, Wäsche waschen, Bet­ten bezie­hen etc. Damit ent­las­ten sie das Pfle­ge­fach­per­so­nal – und die­ses kann sich mehr auf die tat­säch­li­chen Pfle­ge­tä­tig­kei­ten kon­zen­trie­ren. Ein sehr erfreu­li­cher Neben­aspekt ist, dass sich bereits eini­ge die­ser 100 Per­so­nen dafür inter­es­sie­ren, sich zur Pfle­ge­as­sis­tenz aus­bil­den zu las­sen“, sag­te die Gesund­heits­re­fe­ren­tin.

Pilot­pro­jekt für die Mobi­len Diens­te

Auf Wunsch der Gewerk­schaft wer­de aktu­ell ein Pilot­pro­jekt für die Mobi­len Diens­te ent­wi­ckelt: „Wir wol­len den Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­tern mehr Dienst­plan­si­cher­heit geben“, beton­te Prett­ner. So soll es auch mög­lich sein, die Mobi­len Diens­te wei­ter aus­zu­bau­en. In den ver­gan­ge­nen Jah­ren wur­de das Stun­den­kon­tin­gent lau­fend erhöht. „Der­zeit bie­ten wir 1,1 Mil­lio­nen Stun­den pro Jahr an. Beschäf­tigt sind 1.700 Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter, die knapp 11.000 Kärnt­ne­rin­nen und Kärnt­ner betreu­en.“

Betreu­ung zu Hau­se

Als zwei­ten gro­ßen Pfle­ge-Schwer­punkt sieht die Gesund­heits­re­fe­ren­tin die Betreu­ung zu Hau­se und in den Gemein­den: „Auch dafür sind die Mobi­len Diens­te ein ganz wesent­li­cher Fak­tor, um Betreu­ung zu Hau­se zu ermög­li­chen. Das ist aber bei wei­tem nicht alles an wohn­ort­na­hen Maß­nah­men. Dazu gehört ein gan­zes Bün­del – und genau die­ses Bün­del will Kärn­ten ver­stärkt schnü­ren.“ Die größ­ten „Bro­cken“ in die­sem Bün­del sind: Die Pfle­ge-Nah­ver­sor­gung bzw. die com­mu­ni­ty nur­ses auf alle 132 Gemein­den aus­zu­wei­ten. Aktu­ell sind bereits 93 Kom­mu­nen mit an Bord, womit Kärn­ten haus­hoch an der Spit­ze steht. „Ein­ge­bet­tet in die­se Pfle­ge-Nah­ver­sor­gung ist unser Ehren­amt­mo­dell: Wir haben bereits mehr als 400 Ehren­amt­li­che, die von uns geschult und ver­si­chert wer­den, gewin­nen kön­nen.“ Das Ehren­amt­mo­dell sei auch als „Pakt gegen die Ein­sam­keit“ zu ver­ste­hen. „Das ist ein wun­der­ba­res Modell – getra­gen vom Wir-Gedan­ken, getra­gen von Mensch­lich­keit, es ist groß­ar­tig und ich bin sehr stolz, dass sich so vie­le Kärnt­ne­rin­nen und Kärnt­ner in den Dienst die­ses Mit­ein­an­ders stel­len“, dank­te Prett­ner allen Betei­lig­ten. Ein­sam­keit sei nicht zu unter­schät­zen: Sie sei ein immenser Risi­ko­fak­tor für psy­chi­sche Erkran­kun­gen, für Pfle­ge­an­fäl­lig­keit, viel­leicht auch für Demenz. „Daher set­zen wir ganz gezielt und stark auf unser Ehren­amt als prä­ven­ti­ves Pro­jekt in der Pfle­ge.“

Aus­bau von Tages­stät­ten

Die Pfle­ge zu Hau­se soll schließ­lich auch mit einem wei­te­ren Aus­bau der Tages­stät­ten unter­stützt wer­den. „Unser zusätz­li­cher Plan ist es, die Inan­spruch­nah­me der Tages­stät­ten mit Hol-und Bring­diens­ten attrak­ti­ver zu machen. Uns schwe­ben unter ande­rem Gene­ra­tio­nen­bus­se vor – also Bus­trans­por­te, die die älte­re und die jün­ge­re Gene­ra­ti­on gemein­sam beför­dern.“

KI-ori­en­tier­te Lösun­gen zur Ent­las­tung

Ein „nicht unwe­sent­li­ches Ent­las­tungs­po­ten­zi­al im Pfle­ge­all­tag“ sieht Prett­ner in der Nut­zung von inno­va­ti­ven Tech­no­lo­gien und KI-ori­en­tier­ten Lösun­gen. „Es wur­den schon eini­ge inno­va­ti­ve Sys­te­me her­vor­ge­bracht, die man auch im Pfle­ge­we­sen nut­zen kann bzw. nut­zen muss. Genau das wird Kärn­ten tun. Rich­tig ein­ge­setzt, wer­den sie dazu bei­tra­gen, das Per­so­nal zu ent­las­ten und damit die Pfle­ge­qua­li­tät zu stei­gern: Wenn näm­lich diver­se Funk­tio­nen von digi­ta­len Tech­no­lo­gien über­nom­men wer­den, macht das Per­so­nal­ka­pa­zi­tä­ten frei, die dann für die tat­säch­li­che Pfle­ge am Men­schen genutzt wer­den kann. Das heißt: Pfle­ge­kräf­te soll­ten mehr Zeit für die mensch­li­che Zuwen­dung gewin­nen.“ Der­zeit sind zwei Pilot­pro­jek­te in Vor­be­rei­tung: Ein Pro­jekt betrifft die Pfle­ge­do­ku­men­ta­ti­on, die künf­tig nicht mehr nie­der­ge­schrie­ben, son­dern nur noch dik­tiert wer­den soll. Das ande­re Pro­jekt ist ein digi­ta­les Moni­to­ring („Über­wa­chungs­sys­tem“ von Herz­fre­quenz etc.).

Dienst­plan­si­cher­heit not­wen­dig

Gewerk­schaf­ter Valid Hanuna mach­te ins­be­son­de­re auf die for­dern­den Arbeits­be­din­gun­gen auf­merk­sam: „Vor allem bei den Mobi­len Diens­ten ist mehr Dienst­plan­si­cher­heit not­wen­dig. Jeder soll wis­sen, wann er tat­säch­lich arbei­ten bzw. wann er even­tu­ell ein­sprin­gen muss. Dafür sind Anrei­ze zu set­zen. Die­se Anrei­ze wür­den auch künf­ti­gen Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­tern eine Ver­bes­se­rung der Arbeits­be­din­gun­gen sug­ge­rie­ren.“ Hanuna zeig­te sich zuver­sicht­lich, dass die sich in der Fina­li­sie­rung befin­den­den Gesprä­che mit dem Land erfolg­reich sein wer­den. Als „erfolg­reich“ bezeich­ne­te Hanuna das Ent­las­tungs­pro­jekt in den Pfle­ge­hei­men mit 120 Hilfs­kräf­ten.

Fach­hoch­schu­le Kärn­ten hilft bei Eva­lu­ie­rung

Den Aspekt der Betreu­ung in den Gemein­den und zu Hau­se beleuch­te­te Gabrie­le Hagen­dor­fer-Jauk vom Alterns­for­schungs­zen­trum IARA von der FH Kärn­ten. Die FH Kärn­ten wur­de vom Bund mit der Eva­lu­ie­rung der Com­mu­ni­ty Nur­ses betraut. „Kärn­ten hat hier mit der Pfle­ge-Nah­ver­sor­gung vor­ge­legt. Das zusätz­lich ein­ge­führ­te Ehren­amt­mo­dell zielt genau in die rich­ti­ge Rich­tung“, sagt Hagen­dor­fer-Jauk. Laut wis­sen­schaft­li­chen Unter­su­chun­gen sei näm­lich eine Ver­schrän­kung von pro­fes­sio­nel­len Ver­sor­gungs­sys­te­men mit dem gro­ßen ehren­amt­li­chen Poten­zi­al in der Gesell­schaft das Um und Auf: „Genau das gehört geför­dert!“ so Hau­gen­dor­fer-Jauk. Wich­tig sei es, dass man Anlauf­stel­len für inter­es­sier­te Frei­wil­li­ge schaf­fe und/oder dass man die­se aktiv dazu ein­lädt, ehren­amt­lich tätig zu wer­den. „Denn das Inter­es­se ist da. Vor allem bei der Grup­pe der über 50-Jäh­ri­gen“, sag­te die Wis­sen­schaft­le­rin.

11.05.2023 14:00
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“Pfle­ge-Tur­bo” in Kärn­ten wur­de gezün­det Gabriele Hagendorfer-Jauk, Landesrätin Beate Prettner und Gewerkschafter Valid Hanuna (von links)

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