St. Veit/Glan
Viel Lärm um den Steinbruch
Ein Thema erhitzt seit Jahren die Gemüter in der sonst beschaulichen und idyllischen Gemeinde Kappel am Krappfeld – ein geplanter Steinbruch auf der „Gurkerhube“ durch ein Ebersteiner Unternehmen.
© Google Earth
Auch das Land sprach sich in der Vergangenheit dagegen aus und unterstützte Anrainer und vier Bürgerinitiativen, die gegen das Projekt zu Felde ziehen. Bewohner mehrerer Orte fürchten einen verstärkten LKW-Verkehr, eine zusätzliche Feinstaub-Belastung und weiteren Lärm in der Kornkammer Kärntens. Mehrere 10.000 Kubikmeter Dolomit-Gestein sollen vom Windischberg abgebaut werden, Hunderte Unterschriften gegen das Projekt wurden bereits gesammelt. Ebenso nachvollziehbare Argumente gegen das geplante Unterfangen. 2009 war schon vom Rückzug dieses Projektes die Rede, nicht zuletzt, weil um den Windischberg die „Mannsberg-Boden-Fläche“ zum Natura-2000-Schutzgebiet erklärt worden ist – mit 15 geschützten Orchideenarten, dem seltenen Alpenbockkäfer und dem Schmetterling „Russischer Bär“. Dann wurde seitens der Betreiberfirma mit einem „wesentlich verkleinerten Vorhaben“ in Unterpassering argumentiert und ein neuerlicher Anlauf für diesen Steinbruch unternommen. Die Bürgerinitiativen trauen diesem Vorschlag nicht, lehnen das Ansinnen weiterhin ab, sprechen von einer „geschickten Umgehung einer aufwendigen Umweltverträglichkeitsprüfung“ und befürchten auf lange Sicht ein industrielles Bergbaugebiet.
Wenig vertrauensfördernd dabei: In einem aufgelassenen und mittlerweile bewaldeten Steinbruch fand man in einer alten Deponie am Fuße des Doranberges Asbestzement, laut Vertreter der Umweltbehörde seien diese Rückstände angeblich „ungefährlich“. Beim Asbest-Skandal im Görtschitztall haben sich allerdings die damals zuständigen leitenden Umwelt-Experten des Landes nicht gerade mit Ruhm bekleckert und ernteten deshalb harsche Kritik von Experten.

Laut einem Bericht der „Kleinen Zeitung“ plant mittlerweile eine Kappler Firma einen Diabas-Steinbruch (Vulkangestein) im Nachbar-Ort St. Donat (Gemeinde St. Veit) , für den keine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) notwendig wäre. Eine Abbaugenehmigung durch das Bundesministerium für Finanzen, das für den Bergbau in Österreich zuständig ist, liegt vor. Hier wurde bereits einmal Gestein „gewonnen“. Eigenartig. Während heutzutage schon jeder Bürger wegen einer kleinen Hundehütte im eigenen Garten strenge behördliche Auflagen einhalten muss, damit nicht gleich ein uniformiertes Sondereinsatzkommando vor der Türe steht, scheinen sich manche Unternehmen über Pflicht-Aufgaben wie eine Umweltverträglichkeitsprüfung hinwegsetzen zu wollen. Hier stellt sich die Frage, warum man eine solche Kontrolle, die Fauna und Flora berücksichtigt, bei zwei steinernen Vorhaben fürchtet. Oder bestätigen spezielle Messungen Befürchtungen der Bevölkerung?
Um eines ebenfalls klarzustellen: Natürlich haben wirtschaftlich korrekt geführte Betriebe das Recht, Bodenschätze zu bergen, zu vermarkten und mit Gewinn zu verwerten. Sie beschäftigen Menschen und tragen ein gewisses Risiko. Interessant scheint in diesem Zusammenhang, dass in der Gemeinde Kappel ein bekannter Kärntner Politiker als emsiger Gemeinderat werkelt, der im Land u. a. auch für die Ländliche Raumordnung zuständig ist: Landeshauptmann-Stellvertreter Martin Gruber.

Wie auch immer – die Kappler fürchten weiterhin, dass in ihrem unmittelbaren Lebensraum bald kein Stein mehr auf dem anderen steht, das Landschaftsbild zerstört wird und einer öden Wüstenkulisse gleicht. Die Kornkammer Kärntens mit Steinbrüchen und Schottergruben samt Druckwellen? Da werden ja noch die letzten Ritter auf Hochosterwitz verrückt! Und was ist von Probebohrungen auf dem so genannten Zoppelgupf zu halten? Für einen Mega-Steinbruch? Ach ja, das Gurker Domkapitel und eine Grundbesitzers-Familie haben sich mit ihren Liegenschaften dem Natura-2000-Schutzgebiet nicht angeschlossen. Zumindest von der Kirche könnte man sich erwarten, dass ihre irdischen Vertreter den Kapplern eine angenehme Lebensqualität zubilligen. Nicht nur im Himmel…
In der Gemeinde Kappel/Krappfeld hat sich in der Causa längere Zeit nichts Neues getan, bestätigt Bürgermeisterin Andrea Feichtinger gegenüber „Klick“ und ergänzt: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Gemeinderat dem Gurkerhuben-Projekt zustimmt.“ Sie stehe jedenfalls auf der Seite der Bürger, so Feichtinger. Für den Bezirk, das Land oder das Ministerium könne sie aber nicht sprechen. Ob sie als Apothekerin ein passendes Rezept für eine ideale Lösung findet?
