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Trainer Peter Pacult: „Markus Pink wollte im Ausland bleiben!“
Er gilt als kenntnisreicher Philosoph des „runden Leders“, war erfolgreicher Torjäger, spielte bei Austria Wien und dem Erzrivalen Rapid. Derzeit hilft der sympathische Sportler der Austria Klagenfurt auf die Sprünge: Top-Coach Peter Pacult, Jahrgang 1959.
© Sieglinde Raffer
Der gebürtige Wiener schoss in der Bundesliga 186 Tore, stand bei knapp 400 Bundesliga-Spielen auf dem Rasen und saß bei über 250 Mannschafts-„Duellen“ auf der Trainerbank. Harald Raffer sprach mit dem ehemaligen „Fußballer des Jahres“, Ex-Meister, Cupsieger, Torschützenkönig im Europapokal der Landesmeister sowie Kicker bzw. Trainer bei namhaften ausländischen Klubs.
“KLiCK”-Kärnten: Wo finden wir die Austria Klagenfurt am Ende der Saison?
Pacult (lacht): Wenn ich das wüsste, würde ich Lotto spielen. Wir haben uns allerdings eine gute Ausgangsposition erarbeitet, auch wenn drei der nächsten fünf Spiele auswärts zu absolvieren sind. Das wird hart. Wir haben allerdings genug Punkte, um ein Wörtchen über dem ominösen Strich mitreden zu können.Ob es letztlich reicht, werden wir sehen.
“KLiCK”-Kärnten: Sie fühlen sich in Klagenfurt sichtlich wohl. Werden Sie in Kärnten bleiben?
Pacult: Soweit mein Vertrag, der nur für die erste Liga gilt, gültig bleibt. Besagter Vertrag läuft bis 2025 und den möchte ich gerne erfüllen.
“KLiCK”-Kärnten: Markus Pink schießt wieder Tore – diesmal in Deutschland. Warum hat man „Knipser“ Pink nach seinem China-Aufenthalt nicht nach Klagenfurt zurückgeholt?
Pacult: Ich stand ja mit Markus in Kontakt und habe ein gutes Verhältnis zu ihm. Aber er wollte im Ausland bleiben, was ich absolut verstehen kann. Letztlich spielen finanzielle Dinge eine Rolle. Markus geht den richtigen Weg, menschlich wäre er eine Bereicherung gewesen. Er kommt gut mit den Spielern aus und kann ein Team zusammenhalten. Er hatte schon in China tolle Angebote europäischer Vereine, schließlich ist es Sandhausen geworden. Außerdem kennt Pink dort Sportdirektor Matthias Imhof und drei Spieler aus Klagenfurt. Ich wünsche diesen Burschen alles Gute beim Kampf um den Aufstieg.
“KLiCK”-Kärnten: Werden sich zwei Kärntner Fußballklubs in der Bundesliga halten können?
Pacult: Keine leichte Frage. Man hat aber gesehen, dass es geht. Klagenfurt war 15 Jahre nicht in der obersten Liga, in der der Klub schon einmal gespielt hat. Die ganze Geschichte rund um Pasching samt Abstieg nach unten war nicht gerade förderlich. In dieser Zeit hat der WAC mit Präsident Dietmar Riegler gut gearbeitet. Mit der Fusion mit dem SK St. Andrä begann beim WAC der sportliche Aufstieg – bis hin zur UEFA Europa League. Da haben die Wölfe damals den Jackpot gezogen. Die Rückkehr der Austria Klagenfurt in die Bundesliga war alles andere als leicht. Das beginnt mit den Zuschauerzahlen und reicht hin bis zu den Sponsoren. Mit dem Aufstieg hat Klagenfurt wieder für positive Schlagzeilen gesorgt. Es ist halt schwer in einem Bundesland ohne nennenswerte Industrie und mit wenig großen Unternehmen notwendige Förderer zu bekommen. Kärnten ist eben in erster Linie ein Tourismus-Land, man kann das nicht mit Oberösterreich vergleichen, etwa mit Linz als Industriestadt. Der WAC hat jedenfalls alle Chancen genützt und jetzt sind wir als Austria Klagenfurt mit dabei – über dem Strich. Aber die Karten werden neu gemischt. Wir arbeiten sportlich gut und so gesehen können zwei Klubs in der obersten Liga bleiben.
“KLiCK”-Kärnten: Bleiben wir beim Thema Finanzierung. Was sagen Sie, dass der eine oder andere internationale Fußballer 150 bis 200 Millionen Euro erhält?

Pacult: Das hat schon vor Jahren angefangen, etwa mit dem Neymar-Transfer von Barcelona nach Paris Saint Germain für 220 Millionen. Das ist einfach utopisch und hat mit der Realität nichts mehr zu tun. Vor dem Bosman-Urteil gab es diese Ausuferungen nicht in diesem Maße. Der Europäische Gerichtshof hat 1995 dem belgischen Spieler Bosman nach einer Klage zugestimmt – ablösefreie Transfers zum Ende der Vertragslaufzeit waren plötzlich erlaubt. Heute müssten alle Spieler Bosman danken. Ich war selbst einmal davon betroffen, als ich von Rapid Wien zu Tirol gewechselt bin. Da hatte Rapid immer noch die Transferrechte besessen und ich kein neues Angebot von den Grün-Weißen. Bei mir ging es damals um fünf Millionen Schilling. Durch Bosman können ablösefreie Spieler den Vertrag bestimmen und die Summen selbst aushandeln. Das hat sich dann hochgeschraubt – so sind Spielergehälter in den Himmel gestiegen. Ich habe diesen Umbruch miterlebt und nicht ganz verstanden, weil derselbe Spieler nicht von heute auf morgen plötzlich die zehnfache Leistung bringen kann. Man braucht sich nur in Saudi-Arabien oder Katar umsehen – da geht es um atemberaubende Summen. Der Markt gibt es offensichtlich her und jeder würde natürlich eine große Summe annehmen. Man braucht nur die Helden von gestern nehmen, etwa einen Franz Klammer, die haben bei weitem nicht so viel verdient, wie die heutigen Schistars. Wenn ich mir wieder American Football ansehe und die Gehälter dieser Spieler…
“KLiCK”-Kärnten: Während andere Trainer an der Linie wild herumspringen, sitzen Sie meist ruhig auf der Bank. Nur bei möglichen Fehlentscheidungen der Schiris sieht man einen aufgeregten Pacult…
Pacult: Ich habe selbst lange genug gespielt – es schaut doch nicht jeder Spieler während eines Matches ständig auf den Trainer. Das geht gar nicht. Ich kenne das nicht anders – egal ob ich selbst noch Spieler war unter Happel, Baric etc. Die saßen ganz ruhig auf der Bank. Die einzige Chance, die man für wichtige Anweisungen hat, ist die Pause. Oder eine Spielunterbrechung. Ja – manche Trainer gehen an der Linie rauf und runter und rüber. Es gibt Trainer, die wegen der Fans gerne in der Luft herumfuchteln, brüllen oder herumdeuten. Da gehen die Meinungen auseinander. Natürlich gibt es Spiele, wo auch ich nicht mehr ruhig sitzenbleibe.
“KLiCK”-Kärnten: Wenn ein Elfmeter gegeben wird — kann man da ruhig bleiben?
Pacult: Da ich selbst ein ganz guter Elfer-Schütze war, vertraue ich als Trainer jenen Spielern, die das können und den Mut zu diesem Schuss aufbringen. Derjenige, der sich sicher fühlt, soll den Ball treten. Spieler sollten sich allerdings nicht um den Ball streiten. Manche Vereine haben einfach einen Top-Elfer-Schützen, der freilich auch auf die Stange oder danebenschießen kann. Ich denke an Hans Krankl oder Toni Polster – alles Top-Elfer-Schützen. Auch ein Messi hat schon am Tor vorbeigeschossen.
“KLiCK”-Kärnten: Benötigt man als Trainer Zuckerbrot und Peitsche?
Pacult: Es hat sich im Trainergeschäft in den letzten 20 Jahren einiges geändert, auch im Verhalten der Spieler. Meine Spieler spüren, wann es „locker“ zugehen kann oder es eine ernste Situation gibt und voller Einsatz gefragt ist. Jeder Trainer hat seine Ideen, wie er eine Mannschaft motiviert. Die Eigenmotivation ist das Entscheidende. Da muss kein Trainer extra in die Hände klatschen. Natürlich versucht man Spieler immer wieder wachzurütteln und verweist auf ihre Stärken. Es ist aber immer noch so – die Mannschaft gewinnt, der Trainer verliert. Ein Trainer will natürlich auch den Erfolg und eine Mannschaft ist kein Streichelzoo.
“KLiCK”-Kärnten: Wie sehen Sie die Chancen des Nationalteams bei der Fußball-Europameisterschaft?
Pacult: Wenn wir die Gruppenphase überstehen, schaut es gut aus. Wir haben mit Abstand die stärkste Gruppe erwischt. Wir gehen ja in die Spiele, um den Gegner zu bezwingen. Die Spieler im Kader weisen eine Riesenqualität auf – da können wir mit Ralf Rangnick viel erreichen. Ich befürchte, dass David Alaba es nicht schaffen wird. Eine Kreuzbandverletzung dauert Monate. Man wird den Heilungsprozess verfolgen. Ich wünsche es dem David natürlich.
“KLiCK”-Kärnten: Wollten Sie als Trainer schon einmal alles hinschmeißen?
Pacult: Ja, beim FC Kärnten. Ich habe gemerkt, dass die Verantwortlichen ein falsches Spiel gespielt haben. Da habe ich selbst die Notbremse gezogen und mitgeteilt, dass ich für eine Verlängerung nicht zur Verfügung stehe. Sonst war ich gerne bei jedem Verein – auch im Ausland. Es waren für mich immer schöne Erfahrungen.
“KLiCK”-Kärnten: Wie stehen Sie zum Klimaschutz?
Pacult: Das ist ein interessantes Thema. Jeder vergisst, dass wir vor 15.000 Jahren eine Eiszeit gehabt haben. Natürlich hat sich vieles geändert – das merke ich. In den 60er-Jahre gab es auch in Wien viel Schnee. Oder in Wintergebieten manchmal wenig von der weißen Pracht. Das Zusammenwachsen vieler Dörfer mit Städteburgen und das Verschwinden landwirtschaftlicher Flächen kann man hautnah miterleben. Wenn man allerdings die Weltkarte hernimmt und dabei Österreich ansieht, fällt unser Land größenmäßig kaum auf. Und bei uns gibt es deshalb den größten Stress mit allen möglichen Klimamaßnahmen? Ich habe noch keinen Klimakleber gesehen, der sich etwa in Russland auf die Straße geklebt hat oder in Indien, in Amerika oder Pakistan– bei großen Wirtschaftsländern mit viel Umweltsünden. Warum picke ich mich auf eine Straße? Wie oft müssen tausende Autos deshalb stoppen – bei laufenden Motoren und stinkenden Abgasen. Was passiert, wenn die Rettung nicht durchkommt? Oder ein Verwandter eines Klimaklebers in einer Notsituation im Stau zu Schaden kommt? Oder ein Arzt nicht zu einem Patienten kann? Es gibt andere Wege für sinnvolle Protestmaßnahmen. Was ist mit jenen selbsternannten Klimakämpfern, die sich auf die Straße geklebt haben und am nächsten Tag ausgerechnet mit dem Flugzeug zu einem Klimaschutztreffen ins ferne Ausland geflogen sind?
“KLiCK”-Kärnten: Über Ihre Fußball-Erlebnisse sind auch Bücher erschienen….
Pacult: Es gibt zwei Bücher. Eines davon betrifft Swarovski Tirol. Das hat „Lattenpendler“ geheißen. Das zweite Buch erschien zu meiner Zeit bei 1860 München – der Titel lautete „Einer von euch“ – mit zwei Löwenköpfen. Motto: „Einmal Löwe, immer Löwe“. Das wissen eigentlich nur mehr wenige. Und es ist schon eine Weile her.

“KLiCK”-Kärnten: „Kaiser“ Beckenbauer ist kürzlich gestorben…
Pacult: Ich bin stolz, dass ich Kaiser Franz persönlich kennenlernen durfte – bei einer Verleihung des Goldenen Schuhs. Ich war damals österreichischer Torschützenkönig bei Swarovski Tirol. Beckenbauer ist zur Feier erschienen – eine echte Lichtgestalt. Er sah mich, kam auf mich zu und begrüßte mich herzlich. Dann haben wir über Happel geplaudert. Beckenbauer war einfach eine starke Persönlichkeit, die viel für den Fußball geleistet hat. Der Mann ist unbeirrt seinen Weg gegangen – mit dem runden Leder und privat. Was wenige wissen: Der Franz wäre als junger Sportler beinah bei 1860 gelandet. Es gab angeblich eine tätliche Auseinandersetzung mit dem damaligen Trainer von 1860, worauf sich Beckenbauer für Bayern München entschieden haben soll. Der Anfang einer einzigartigen Weltkarriere…
“KLiCK”-Kärnten: Was ärgert Sie bei Sportjournalisten?
Pacult (schmunzelt): Ich kann Journalisten verstehen. Die machen ja auch nur ihren Job und brauchen Geschichten. Mich ärgern allerdings übertriebene Schlagzeilen oder doch eigenartige Beurteilungen. In einer Zeitung wird der Trainer nur für kurze Zeit freigestellt, in einer anderen vorläufig von seinen Tätigkeiten entbunden und in einem weiteren Medium sofort gefeuert oder fristlos entlassen. Was also? Schauen wir mal nach Kärnten, zu WAC und zur Austria Klagenfurt. Hier wird der WAC doch noch etwas freundlicher behandelt. Ich kenne einen Sportjournalisten, der war einmal ein „glühender“ Austrianer und ist jetzt ein totaler WAC-Fan. Das ist durchaus in Ordnung, sollte sich aber nicht in der Berichterstattung niederschlagen.
“KLiCK”-Kärnten: Ihre Frau und Ihr Sohn – sind das eingefleischte Fußballfans?
Pacult(ohne nachzudenken): Nein – keinesfalls!
“KLiCK”-Kärnten: Ein Wort zum Frauenfußball?
Pacult: Der Frauenfußball hat sich in den letzten Jahren massiv weiterentwickelt – auch bei den Zuschauerzahlen, wenn man etwa auf die letzte WM blickt. Auch die Länderspiele locken bereits viele Zuseher an. Ich bleibe jedoch dabei: Man soll Männer- und Frauenfußball nicht miteinander vergleichen. Das wäre unseriös. Die Damen spielen genauso gern wie die Herren.
“KLiCK”-Kärnten: Gendern Sie?
Pacult: Davon halte ich überhaupt nichts!
“KLiCK”-Kärnten: Interessieren Sie sich für Politik?
Pacult: Ja! Ich registriere schon, was politisch so abgeht. Ich kann nicht verstehen, dass in der Politik oft Leute sitzen, die im privaten Bereich nichts geschafft haben und nicht weitergekommen sind. Das beste Beispiel dafür ist für mich Sebastian Kurz. Diese Leute erklären uns dann großartig die Welt. Da war Kurz freilich nicht der einzige Volksvertreter dieser Art, mir fällt etwa sofort eine grüne Politikerin in Deutschland ein, eine Studienabbrecherin. Ich habe wenigstens den Beruf eines Bürokaufmannes erlernt und bin zwei Jahre später zur Post gestoßen. Die Politik ist ein eigenes Kapitel.
“KLiCK”-Kärnten: Welche Musik hören Sie gerne?
Pacult; Quer durch den Gemüsegarten – außer Opern. Und Jazz ist auch nicht unbedingt meine Lieblingsmusik.
“KLiCK”-Kärnten: Kochen Sie?
Pacult: Ja! Das hat sich in den letzten 20 Jahren ergeben. Ich koche einfach, was ich gerne essen möchte. Und ich koche gerne.
“KLiCK”-Kärnten: Wie kann man in Klagenfurt noch mehr Fans ins große und schöne Stadion locken? Und wieso ist dieser Sport ein Nährboden für Hooligans?
Pacult: Es wurde bereits viel probiert, um weitere Fans zu generieren. Sportlich kann man uns da wenig vorwerfen. Wenn natürlich 5000 oder 6000 Zuseher in so einem riesigen Stadion sitzen, wirkt das trotzdem ziemlich leer. Wir müssen aber damit umgehen. Schade, dass man den oberen Rang nicht zurückgebaut hat. Wir haben auch eine ganze Generation verloren. Bei Top-Spielen hätte man gerne noch mehr Einnahmen. Bei guten Leistungen und guten Gegnern kommen die Zuschauer. Zur zweiten Frage – auch zu meiner Zeit gab es Hooligans. Die haben sich aber untereinander bekämpft und die Schädel eingeschlagen. Auch bei Rapid gab es bewegungsfreudige Typen. Aber es hat nie die Spieler, Trainer oder Schiris betroffen. Das ist leider anders geworden. Es darf nicht sein, dass Spieler Angst haben auf den Rasen zu gehen – wegen eines angekündigten Platzsturmes. Aggressivität hat mit Sport nichts zu tun. Das betrifft leider nicht nur Österreich. In England geht man mittlerweile äußerst hart gegen diese Leute vor. Und das wirkt.
“KLiCK”-Kärnten: Wie sieht es mit einem möglichen Burnout bei Fußballern aus?
Pacult: Ein Manager oder Top-Verkäufer in der Privatwirtschaft steht bei einem Burnout nicht in der Presse. Er spürt zwar auch den massiven Druck unbedingt einen Erfolg liefern zu müssen, aber er wird kaum in aller Öffentlichkeit beurteilt. Ein bekannter Fußballer aber schon. Das ist eine ziemlich mentale Geschichte. Es kommt immer auf die Persönlichkeit an.
“KLiCK”-Kärnten: Sind Sie ein gläubiger Mensch?
Pacult: Nun – nicht durch und durch. Aber in meinem Auto hängt ein Rosenkranz und vor dem einen oder anderen Spiel schicke ich ein Stoßgebet zum Himmel.
“KLiCK”-Kärnten: Ein Blick in die Zukunft?
Pacult (lacht laut): Nun – so viel Zukunft habe ich doch nicht mehr. Oder? Aber ehrlich – ich möchte dem Fußball weiter treu bleiben. Man wird ja sehen, wie lange das geht. Meine Fußballerkarriere verlief großartig. Ich hätte vielleicht mehr als 24 Länderspiele absolvieren müssen. Damals gab es maximal 3, 4 Länderspiele im Jahr. Als Trainer bin ich zufrieden…