Kärnten
Kommentar: Blaue Blutgrätsche
Im Kärntner Landtag war gestern nicht Debatte, nicht Streit, nicht einmal ein politischer Schlagabtausch – es war eine kalkulierte Entgleisung. Eine blaue Blutgrätsche, mitten hinein in das, was Demokratie eigentlich ausmacht: Respekt, Diskussion, das Ringen um Lösungen.
Ein Abgeordneter der FPÖ stellte sich ans Rednerpult und warf allen anderen im Saal „Blut an den Händen“ vor. Eine Aussage, die in ihrer Brutalität kaum zu überbieten ist – und dabei kein Zufall, sondern pure Strategie. Denn wer derartiges von sich gibt, will keine Diskussion. Der will zerstören.
Was als politische Rede rund um das Thema Asyl getarnt, war in Wahrheit ein öffentlicher Angriff. Einer, der nicht nur unter die Gürtellinie ging, sondern gefährlich war – weil er spaltet, aufwiegelt und mit den dunklen Emotionen spielt, die in sozialen Medien immer schneller Feuer fangen. TikTok, Telegram, Kommentarspalten – genau dort landen solche Aussagen. Und genau das ist gewollt.
Der dritte Landtagspräsident Andreas Scherwitzel reagierte sofort, erteilte einen Ordnungsruf und drohte mit dem Entzug des Rederechts. Richtig so. Aber reicht das? Reicht ein Ordnungsruf in einer Zeit, in der Worte längst nicht mehr nur im Saal bleiben, sondern draußen zu Fackeln werden?
Denn machen wir uns nichts vor: Wer solche Sätze sagt, weiß genau, was er tut. Und er tut es mit Kalkül.
Die FPÖ lebt von der Provokation, von der Empörung, von der Eskalation. Und sie weiß: Je größer der Aufschrei, desto besser das Echo in ihrer Blase. Aber das ist kein politischer Stil mehr – das ist ein Angriff auf das demokratische Miteinander.
Die Verantwortung liegt nun bei allen anderen Parteien, aber auch bei der Öffentlichkeit. Man muss dem klar entgegentreten. Nicht mit Empörung allein, sondern mit Konsequenz.
Denn die eigentliche Frage ist längst nicht mehr, ob eine Grenze überschritten wurde.
Sondern: Wie oft lässt man das noch durchgehen, bevor man endlich sagt: Schluss jetzt? mg


