Nationalfeiertag

Gedenk­ver­an­stal­tung am Fried­hof Anna­bichl

Die Gedenkrede hielt heuer Herwig Oberlerchner, ehemaliger Primarius an der Abteilung für Psychiatrie und Psychosomatik am Klinikum Klagenfurt und Buchautor.

Gedenk­ver­an­stal­tung am Fried­hof Anna­bichlAuch Landeshauptmann Peter Kaiser nahm an der Kranzniederlegung beim Mahnmal der „Opfer für ein freies Österreich“ teil.

© LPD Kärnten/Wajand

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Am Natio­nal­fei­er­tag fand die Gedenk­ver­an­stal­tung für Opfer des Natio­nal­so­zia­lis­mus am Fried­hof Anna­bichl statt. Auch Lan­des­haupt­mann Peter Kai­ser nahm an der Kranz­nie­der­le­gung beim Mahn­mal der „Opfer für ein frei­es Öster­reich“ teil. In sei­ner Anspra­che ging er auf den Begriff Neu­tra­li­tät ein, den er als akti­ven, Ver­ant­wor­tung über­neh­men­den Fak­tor sieht. All­jähr­lich orga­ni­siert wird die Gedenk­ver­an­stal­tung vom Ver­ein Memo­ri­al Kärn­ten — Koroš­ka, das heu­ri­ge Gene­ral­the­ma war Eutha­na­sie in der NS-Zeit.

“Welt ver­än­dert sich gera­de dra­ma­tisch”

Kai­ser sag­te, dass 2025 ein inten­si­ves Gedenk­jahr in Kärn­ten sei. Man erin­ne­re an 80 Jah­re Ende Zwei­ter Welt­krieg, 70 Jah­re Staats­ver­trag und 30 Jah­re EU-Bei­tritt. Neu­tra­li­tät wer­de in der öster­rei­chi­schen Iden­ti­tät als Sicher­heit und Bei­be­hal­tung des Frie­dens ver­stan­den. „Die Welt ver­än­dert sich aber gera­de dra­ma­tisch, Bünd­nis­se wan­ken, Wer­te wer­den über Bord gewor­fen, die Demo­kra­tie sieht sich per­ma­nen­ten Angrif­fen gegen­über.” Daher gel­te es, den Begriff Neu­tra­li­tät in die heu­ti­ge Zeit zu trans­fe­rie­ren: „Frü­her war es ein Schutz­be­griff, bedeu­te­te, nicht Par­tei zu ergrei­fen. Heu­te müs­sen wir aber Ver­ant­wor­tung über­neh­men — für den Schutz der Bevöl­ke­rung, die Sicher­heit unse­rer libe­ra­len Demo­kra­tie, die Gewal­ten­tren­nung.”

NS-Zeit in Kärn­ten

Die Gedenk­re­de hielt heu­er Her­wig Ober­lerch­ner, ehe­ma­li­ger Pri­ma­ri­us an der Abtei­lung für Psych­ia­trie und Psy­cho­so­ma­tik am Kli­ni­kum Kla­gen­furt und Buch­au­tor. Er sprach über sei­ne Fami­li­en­ge­schich­te, in der sowohl NS-Opfer als auch NS-Täter vor­kom­men, über das trans­ge­ne­ra­tio­na­le Schwei­gen und wie heil­sam es ist, die­ses zu durch­bre­chen. Rund 1.000 Akten der Kärnt­ner Eutha­na­sie­op­fer sei­en „trotz Oskar Kauff­mann, Sig­bert Ram­sau­er, Otto Scrin­zi, Franz Pal­la und Vik­tor Hiess“ erhal­ten geblie­ben. Min­des­tens 568 Zwangs­ste­ri­li­sa­tio­nen sei­en in der NS-Zeit in Kärn­ten durch­ge­führt wor­den. „739 Men­schen wur­den nach Hart­heim depor­tiert und dort je nach Kapa­zi­tät des Ver­ga­sungs­rau­mes und Ver­bren­nungs­ofens getö­tet. Wei­te­re 500–700 Opfer wur­den im Gau­kran­ken­haus Kla­gen­furt umge­bracht.“

Ver­wies auf Inge­borg Bach­mann

Lucas Tschin­kel, stell­ver­tre­ten­der Schul­spre­cher am Inge­borg-Bach­mann-Gym­na­si­um, prä­sen­tier­te sein Frie­dens­ma­ni­fest anläss­lich des Erin­ne­rungs­jah­res 2025. Er ver­wies auf Inge­borg Bach­mann, die „der oft sint­flut­ar­ti­gen Nega­ti­vi­tät immer wie­der ein gro­ßes Trotz­dem ent­ge­gen­ge­stellt“ habe. „Wenn jeder sei­nen Bei­trag, einen klei­nen Bei­trag leis­tet, funk­tio­niert Frie­de“, ist der 17-Jäh­ri­ge über­zeugt.

Kärnt­ner Slo­we­nen gegen das NS-Regime

Alex­an­der Petritz, Vor­sit­zen­der von Memo­ri­al Kärn­ten — Koroš­ka, sag­te, dass es heu­te mehr denn je gel­te, gegen Faschis­mus, Ras­sis­mus und Anti­se­mi­tis­mus auf­zu­tre­ten. In sei­nen Gruß­wor­ten hob er die Bedeu­tung des mili­tä­ri­schen, poli­ti­schen und gesell­schaft­li­chen Wider­stands der Kärnt­ner Slo­we­nen gegen das NS-Regime her­vor. Namens von Memo­ri­al Kärn­ten — Koroš­ka for­der­te er die kon­se­quen­te und lücken­lo­se Auf­klä­rung rund um den Ein­satz am Perš­m­an­hof und die jüngs­ten Orts­ta­fel­be­schmie­run­gen.

Wis­sens­wert

Der Ver­ein Memo­ri­al Kärn­ten — Koroš­ka wur­de im Jahr 2000 gegrün­det und ver­steht sich als Platt­form gegen das Wie­der­auf­le­ben von Faschis­mus, Ras­sis­mus und Anti­se­mi­tis­mus. Das Mahn­mal der „Opfer für ein frei­es Öster­reich“ wur­de Mit­te der 1960er-Jah­re errich­tet. 2015 erfolg­te durch Memo­ri­al Kärn­ten — Koroš­ka und in Abspra­che mit dem Künst­ler Valen­tin Oman die Neu­ge­stal­tung. Am Mahn­mal befin­den sich die bis­her erforsch­ten Namen von 3.175 Opfern des Natio­nal­so­zia­lis­mus in Kärn­ten.

26.10.2025 16:00 - Update am: 26.10.2025 16:06
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Gedenk­ver­an­stal­tung am Fried­hof Anna­bichlAuch Landeshauptmann Peter Kaiser nahm an der Kranzniederlegung beim Mahnmal der „Opfer für ein freies Österreich“ teil.

© LPD Kärnten/Wajand