Bildung
Steuern wir auf den 3. Weltkrieg zu?
Kaiser diskutierte mit Jugendlichen über Krieg, Krise und Europas Zukunft
© Foto: LPD/Wajand
Im Spiegelsaal der Kärntner Landesregierung stand am Montag ein Thema im Mittelpunkt, das viele junge Menschen derzeit beschäftigt: Wie sicher ist Europas Zukunft? Rund 100 Schülerinnen und Schüler des Europagymnasiums, der HAK 1 und des Slowenischen Gymnasiums nutzten die Gelegenheit, mit Landeshauptmann Peter Kaiser und Paul Schmidt von der Österreichischen Gesellschaft für Europapolitik über Krieg, Krisen und die Rolle der Europäischen Union zu sprechen.
Europa greifbar machen
Kaiser gab zunächst Einblicke in seinen politischen Werdegang und sprach über die Bedeutung Europas für Kärnten. Anhand konkreter Beispiele zeigte er auf, wie eng das Bundesland mit anderen Regionen vernetzt ist – etwa über den Ausschuss der Regionen, die Zusammenarbeit im Alpen-Adria-Raum oder die EUREGIO Senza Confini.
„Mit der EUREGIO Senza Confini bauen wir grenzüberschreitende Radwege aus, stärken Tourismus- und Kulturkooperationen und bauen bürokratische Hürden ab“, sagte Kaiser.
Enge Beziehungen zu den Nachbarn
Auch die Beziehungen zu Slowenien hob der Landeshauptmann hervor. Offene Grenzen und enge Kooperationen würden der Kärntner Bevölkerung unmittelbar zugutekommen. Als Beispiel nannte er unter anderem den Geopark Karawanken.
Zudem verwies Kaiser auf die EUSALP-Initiative, in der Regionen des gesamten Alpenraums – auch aus Nicht-EU-Staaten wie der Schweiz und Liechtenstein – gemeinsam an Fragen zu Nachhaltigkeit, Klimaschutz, Katastrophenschutz sowie Infrastruktur arbeiten.
Die Frage, die viele bewegt
In der anschließenden Fragerunde wurde es ernster. Ein Schüler wollte wissen, ob ein Dritter Weltkrieg bevorstehe. Kaiser räumte ein, dass allein schon das Aufkommen dieser Frage bedrückend sei. Zugleich verwies er auf die zahlreichen Konflikte und Machtverschiebungen weltweit. Angriffskriege, Menschenrechtsverletzungen und geopolitische Spannungen seien längst keine fernen Entwicklungen mehr, sondern auch in Europa und Österreich spürbar.
Hoffnung auf ein starkes Europa
Trotzdem zeigte sich Kaiser zuversichtlich. Die vergangenen Jahre hätten gezeigt, dass die Europäische Union auf äußeren Druck mit größerem Zusammenhalt reagiere. Mit Blick auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine und andere internationale Spannungen betonte er, dass Europa seine Stärke nur dann ausspielen könne, wenn es geeint auftrete.
„In Zukunft brauchen wir noch mehr EU, noch mehr europäische Zusammenarbeit und ein stärkeres europäisches Bewusstsein“, sagte der Landeshauptmann.
Warnung vor Fake News und Angriffen
Zugleich warnte Kaiser vor Fake News, Hetze und Cyberangriffen. Eine starke Europäische Union liege nicht im Interesse aller globalen Mächte. Umso wichtiger sei es, Europas Potenzial zu erkennen und zu verteidigen. Die EU mit ihren rund 450 Millionen Menschen sei nicht nur ein politischer, sondern auch ein wirtschaftlich bedeutender Raum.
Chancen für junge Menschen
Auch Paul Schmidt, Generalsekretär der Österreichischen Gesellschaft für Europapolitik, sprach sich für einen optimistischen Blick auf Europa aus. Es sei wichtig, Skepsis ernst zu nehmen, gleichzeitig aber auch sichtbar zu machen, welche positiven Entwicklungen von der EU ausgehen. Als Beispiel nannte er die kofinanzierte Koralmbahn.
Für junge Menschen eröffne die Europäische Union zudem zahlreiche Chancen – etwa durch politische Mitbestimmung oder Programme wie Erasmus+.
Gemeinsam stärker
Schmidt betonte außerdem, dass Österreich als vergleichsweise kleines Land in vielen Fragen nur gemeinsam mit den anderen EU-Staaten Gewicht habe. Gerade in Zeiten geopolitischer Unsicherheit brauche es daher mehr Zusammenarbeit, mehr Widerstandsfähigkeit und mehr europäisches Denken.
Moderiert wurde die Diskussion von Marc Germeshausen vom Europahaus Klagenfurt. Organisiert wurde die Veranstaltung vom Europa Club Kärnten der Österreichischen Gesellschaft für Europapolitik. Im Mittelpunkt standen dabei Themen, die junge Menschen aktuell besonders bewegen: Geopolitik, Demokratie, Desinformation und die Zukunft Europas.


