Wirtschaft
Pfuscher haben im Frühling Hochsaison: WKK warnt vor diesen Geschäften
Dubiose Handwerker nutzen die Frühjahrszeit für spontane Haustürgeschäfte – die Wirtschaftskammer Kärnten registriert Hunderte Verdachtsfälle und warnt vor teuren Folgen für Hausbesitzer.
Mit den ersten warmen Tagen beginnt nicht nur die Gartensaison, sondern auch die Zeit, in der dubiose Handwerker wieder verstärkt unterwegs sind. Die Wirtschaftskammer Kärnten schlägt Alarm: Vor allem im Frühjahr häufen sich Fälle von spontanen Haustürangeboten für Dachreinigungen, Fassadenarbeiten oder kleinere Reparaturen – oft zu überhöhten Preisen und mit mangelhafter Ausführung.
Wenn der vermeintliche Service zur Kostenfalle wird
Das Muster ist häufig ähnlich: Zwei Männer stehen plötzlich vor der Tür, geben sich freundlich und hilfsbereit und bieten an, das Dach zu reinigen oder die Fassade vom „Winterdreck“ zu befreien. Die Arbeiten könnten sofort erledigt werden, schnell, unkompliziert und angeblich günstig. Was zunächst verlockend klingt, endet für Betroffene nicht selten in einer teuren Enttäuschung. Unter Zeitdruck wird dem Angebot zugestimmt, später folgt eine Rechnung über mehrere tausend Euro – für Arbeiten, die oft nur unzureichend oder unsachgemäß ausgeführt wurden.
Wirtschaftskammer registrierte Hunderte Meldungen
„Gerade im Frühjahr versuchen dubiose Anbieter verstärkt, mit spontanen Handwerksleistungen an der Haustür Aufträge zu bekommen“, sagt Waldemar Wagner, Leiter des Erhebungsreferats der Wirtschaftskammer Kärnten. Im Vorjahr wurden laut Wirtschaftskammer rund 600 Pfuscher-Meldungen erfasst. Mehr als 100 Fälle wurden angezeigt oder an den Schutzverband gegen unlauteren Wettbewerb beziehungsweise an die Finanzpolizei weitergeleitet. Der Schwerpunkt liegt weiterhin im Bau- und Handwerksbereich. Besonders viele Fälle wurden in den Bezirken Klagenfurt Stadt, Villach Land und Villach Stadt registriert. Die wenigsten Meldungen gab es im Bezirk Hermagor.
Pfusch trifft nicht nur das Baugewerbe
Die Schattenwirtschaft beschränkt sich längst nicht mehr nur auf klassische Baustellen oder handwerkliche Tätigkeiten. Auch in den Bereichen haushaltsnahe Dienstleistungen, Transport und Gastgewerbe ist laut Wirtschaftskammer ein Anstieg zu beobachten. „Wir sind gesetzlich verpflichtet, begründeten Verdachtsfällen nachzugehen und arbeiten dabei auch mit Detekteien zusammen. Unser Schwerpunkt liegt auf der Bekämpfung von organisiertem Pfusch“, betont Christian Starzacher, der in der Wirtschaftskammer für das Erhebungsreferat zuständig ist.
Für Konsumenten ist die Gefahr oft schwer erkennbar
Ein zentrales Problem sei, dass für Konsumentinnen und Konsumenten oft nicht auf den ersten Blick erkennbar ist, ob es sich um ein rechtmäßig gemeldetes Unternehmen handelt. „Das Problem ist, dass es für Konsumentinnen und Konsumenten oft schwer erkennbar ist, ob es sich tatsächlich um ein gemeldetes Unternehmen handelt. Deshalb ist Wachsamkeit besonders wichtig“, sagt Wagner. Empfohlen wird, Anbieter vor einer Beauftragung im Online-Verzeichnis „Firmen A‑Z“ zu überprüfen, um festzustellen, ob die notwendigen gewerblichen Voraussetzungen erfüllt sind.
Schattenwirtschaft verursacht Milliardenschaden
Dass Pfusch weit mehr ist als ein Ärgernis für einzelne Auftraggeber, zeigt auch der wirtschaftliche Schaden. Laut aktuellen Berechnungen des Ökonomen Friedrich Schneider von der JKU Linz wird die Schattenwirtschaft in Österreich im Jahr 2026 rund 41,96 Milliarden Euro erreichen. Das entspricht 7,91 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Dem Staat entgehen dadurch jährlich zwischen zwei und 3,5 Milliarden Euro an Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen. Gleichzeitig geraten seriöse Unternehmen unter Druck. „Seriöse Betriebe müssen mit illegalen Anbietern konkurrieren, die weder Steuern noch Abgaben zahlen“, sagt Starzacher.
Schäden bleiben oft an den Auftraggebern hängen
Für Konsumenten kann Pfusch gravierende Folgen haben. Denn wer ohne Gewerbeberechtigung arbeitet, verfügt in vielen Fällen auch über keine ausreichende Haftpflichtversicherung. Gewährleistungsansprüche fehlen oft ebenfalls. Werden Arbeiten mangelhaft durchgeführt, kann das zu erheblichen Schäden führen – etwa bei undichten Dächern, fehlerhaften Installationen oder unsachgemäßen Reparaturen. Im schlimmsten Fall bleiben Betroffene auf den Folgekosten sitzen.
Wirtschaftskammer ruft zur Meldung auf
Die Wirtschaftskammer Kärnten versteht sich in solchen Fällen als zentrale Anlaufstelle. Hinweise auf Pfusch oder unbefugte Gewerbeausübung werden entgegengenommen und an die zuständigen Stellen weitergeleitet. „Wer den Verdacht hat, dass Arbeiten ohne Gewerbeberechtigung durchgeführt werden, sollte das unbedingt melden“, betont Starzacher.
Verdachtsfälle können von Montag bis Samstag zwischen 8 und 17 Uhr über die Pfuscher-Hotline unter 0676 / 88 5868 470, online über das Meldeformular der Wirtschaftskammer Kärnten oder per E‑Mail an erhebungsreferat@wkk.or.at gemeldet werden.
„Pfusch ist kein Kavaliersdelikt“
Für die Wirtschaftskammer ist die Sache klar: Illegale Anbieter schaden nicht nur den Betroffenen, sondern auch der gesamten Wirtschaft.
„Pfusch ist kein Kavaliersdelikt. Er schadet Konsumenten, gefährdet Arbeitsplätze und verzerrt den Wettbewerb. Jede Meldung hilft, illegale Anbieter aufzudecken und faire Bedingungen für die heimische Wirtschaft zu sichern“, so Starzacher.

