Gastronomie

Gast­haus Reidn­wirt: Eine Ära geht zu Ende

Das traditionelle Gasthaus Reidnwirt hat seinen regulären Gastronomiebetrieb eingestellt. Die Wirtsleute Irmgard und Karl Liebetegger werden künftig nur noch zu traditionellen Festen sowie für private Veranstaltungen nach Vorbestellung öffnen.

Gast­haus Reidn­wirt: Eine Ära geht zu Ende Karl und Irmgard Liebetegger wollen als Wirte etwas leiser treten.

© kowalsen.

"KLICK Kärnten" auf Google als bevorzugte Nachrichtenquelle festlegen
Anzeige

Das Gast­haus besteht seit 1906 und trug damals den Namen Gast­haus Pluch. Eini­ge Jah­re spä­ter kam ein Gemischt­wa­ren­han­del hin­zu, der auch als Greiß­le­rei bezeich­net wur­de. Dort kauf­ten die Bewoh­ner der Umge­bung ihre Waren ein. Die Beträ­ge wur­den ange­schrie­ben und am Monats­en­de bezahlt.

Gegen ein Kalb

Nur weni­ge Men­schen ver­füg­ten damals über Bar­geld. Des­halb wur­de häu­fig mit Natu­ra­li­en wie einem Kalb, Kar­tof­feln, Getrei­de oder einem Schwein bezahlt. „Die Bücher von damals habe ich noch. Damals wur­de alles in Kur­rent geschrie­ben. Da stand nicht Sei­fe im Buch, son­dern Safn, wie im Dia­lekt. Mei­ne Vor­fah­ren sind damals mit dem Pfer­de­fuhr­werk nach Feld­kir­chen gefah­ren, um die benö­tig­ten Waren ein­zu­kau­fen und anschlie­ßend im Geschäft wei­ter­zu­ver­kau­fen. Gefrag­te Arti­kel waren Öl, Mehl, Salz, Zucker, Sei­fe und vie­les mehr. Milch, Käse und Fleisch hat­ten die Leu­te selbst“, erzählt Irm­gard Lie­bet­eg­ger.

Zwei Schul­klas­sen

In den Kriegs­jah­ren waren im Gast­haus auch zwei Schul­klas­sen unter­ge­bracht. Nach meh­re­ren Namens­wech­seln erhielt das Gast­haus schließ­lich den Namen „Reidn­wirt“. „Wo heu­te die Gast­stu­be ist, befand sich frü­her das Geschäft. Vor mei­ner Über­nah­me muss­te das Haus umge­baut wer­den, da die Gast­stu­be ein­fach zu nied­rig war. Andern­falls droh­ten die Behör­den mit dem Ent­zug der Gast­ge­wer­be­kon­zes­si­on“, erin­nert sich die Wir­tin. Am 23. Mai 1992 über­nahm Irm­gard Lie­bet­eg­ger den „Reidn­wirt“ und sperr­te am 28. August des­sel­ben Jah­res wie­der auf. „Damals hat­te ich kei­ne Maschi­ne, son­dern nur ein Pferd. Das habe ich ver­kauft und mir mit dem Erlös einen Trak­tor im sel­ben Gegen­wert gekauft“, erzählt sie.

Drei­fa­cher Meis­ter

Ein Jahr spä­ter lern­te Irm­gard Lie­bet­eg­ger ihren spä­te­ren Mann Karl ken­nen. Am 3. Okto­ber 2002 gaben sich die bei­den das Jawort. Karl Lie­bet­eg­ger bringt viel hand­werk­li­ches Geschick in den Betrieb ein. Als Mecha­ni­ker, Elek­tro­tech­ni­ker und Weber ver­fügt er über drei Meis­ter­brie­fe. Bei den zahl­rei­chen Umbau- und Sanie­rungs­ar­bei­ten kam ihm die­ses Kön­nen beson­ders zugu­te. Auch hin­ter der The­ke ist der gebür­ti­ge Drau­ta­ler ein Pro­fi: Als Som­me­lier und Baris­ta ver­steht er sein Hand­werk. „Hal­be Sachen sind nicht meins“, bringt Karl Lie­bet­eg­ger sei­ne Ein­stel­lung auf den Punkt.

Ein idea­ler Treff­punkt

Mit viel Fleiß und Idea­lis­mus ent­wi­ckel­te sich das Land­gast­haus auf rund 1.000 Metern See­hö­he zu einem kuli­na­ri­schen Treff­punkt. Zahl­rei­che pro­mi­nen­te Gäs­te gin­gen hier ein und aus. „Den Reidn­wirt wird es wei­ter­hin geben. Die gewohn­ten Ver­an­stal­tun­gen wie Gans­les­sen, Back­hendl, Spar­gel, Kirch­tag und Gulasch am Berg wird es auch künf­tig geben. Für pri­va­te Ver­an­stal­tun­gen sper­ren wir nach Vor­be­stel­lung auf“, betont die Wir­tin.

Zukunft ist gesi­chert

Die Zukunft des Betriebs ist damit gesi­chert: Frank Lie­bet­eg­ger, der Sohn von Irm­gard Lie­bet­eg­ger, wird künf­tig als Wirt auf­tre­ten. Er hat den Betrieb von sei­ner Mut­ter und sei­nem Stief­va­ter gepach­tet. “Wir sind etwas müde gewor­den und wir wol­len den Jun­gen über­ge­ben, de sol­len lang­sam rein­wach­sen”, schließt Irm­gard Lie­bet­eg­ger.

Anzei­ge
Auf dem ver­gilb­ten Foto ist das Gast­haus 1906 zu sehen.
© Repro/Kope
11.10.2026 17:00
Anzeige
Gast­haus Reidn­wirt: Eine Ära geht zu Ende Karl und Irmgard Liebetegger wollen als Wirte etwas leiser treten.

© kowalsen.