Soziales Engagement
„Es ist genug für alle da!“
Der „Together“-Verein setzt sich für eine Lebensweise ein, die Ressourcen schont und das Miteinander fördert. Julia Petschnig gründete ihn vor acht Jahren. Mit „KLiCK Kärnten“ spricht sie über den aktuellen Zeitgeist und die enorm große Nachfrage nach den Angeboten ihres Vereins.
© Verein „Together“
Wenn sie spricht, möchte man meinen, eine weise, alte Frau sei am Wort. So viel Erfahrung, so viel Menschlichkeit spricht aus ihr. Aber auch viel Kritik – vor allem am aktuellen Zeitgeist, der ihrer Meinung nach geprägt ist von Materialismus und Überfluss.
Lebensmittel retten
Julia Petschnig stammt aus dem Rosental, ist 32 Jahre jung und voll motiviert, die Welt besser zu machen. Mit einer Freundin begann sie vor einigen Jahren, gute Lebensmittel aus den Müllcontainern von Supermärkten zu retten: „Das war so viel, dass wir alle unsere Freundinnen und Freunde damit versorgen konnten. Und schon bald wurden wir gefragt, ob wir auch Kleidung und Spielzeug annehmen und weitergeben könnten“, erinnert sich die gelernte Hotelfachfrau. Kurz darauf gründete sie den ersten „Together Point“ im Rosental.
Gelebte Nachhaltigkeit
Heute ist der „Together“-Verein an zehn Standorten in Kärnten vertreten. Ein Elfter kam Mitte Mai in der steirischen Landeshauptstadt Graz hinzu. In den „Together“-Läden können Lebensmittel, Kleidung, Spielsachen und alles, was noch gut und funktionstüchtig ist, abgegeben oder abgeholt werden. Darüber hinaus stehen in vielen Orten und Städten „Brotregale“ zur Verfügung. Darin werden Backwaren angeboten, die vor der Tonne gerettet wurden.
Alle Menschen sind willkommen
Seit Beginn der Lockdowns im Jahr 2020 verzeichnen die „Together“-Läden stetig wachsenden Zulauf. „Bei uns muss man seine soziale Bedürftigkeit nicht nachweisen. Jeder ist willkommen, der getreu dem Motto ‚Verwenden statt Verschwenden‘ leben möchte“, so Petschnig. „Auch Menschen mit genügend Einkommen dürfen sich bei uns bedienen, wenn sie Wert auf Second-Hand-Produkte legen. Jede und jeder spendet so viel, wie es die persönlichen Ressourcen zulassen“, ergänzt die Powerfrau. Sie sorgt dafür, dass alle Geld‑, Sach- und Zeitspenden sinnvoll eingesetzt werden. Die große Nachfrage führt sie nicht nur auf die derzeit steigenden Preise zurück, sondern auch auf ein allgemeines Umdenken: „Zum einen spenden immer mehr Firmen ihren Überschuss, weil es ihrem Image nützt und sie Entsorgungskosten vermeiden. Zum anderen spielen das Umweltbewusstsein und das Wiederverwerten eine immer größere Rolle.“
Mit bestem Beispiel voran
Petschnig vertritt mit ihrem Engagement ein kommunistisches, altruistisches Weltbild. Das ist schwer im aktuellen politischen und wirtschaftlichen Tenor unterzubringen, meint sie. Und weiter: „Ich will aber ein Bewusstsein dafür schaffen! Wir müssen uns klar machen, dass alles im Überfluss vorhanden ist und dass wir zum Leben nur sehr wenig brauchen. Wir müssen weg vom Konkurrenz- und Leistungsdenken, denn das macht die Menschen krank. Jeder könnte zwei Drittel von dem, was er zu Hause hat, weggeben und hätte immer noch genug.“ Petschnig liefert selbst das beste Beispiel für eine nachhaltige und bescheidene Lebensweise. Sie lebt mit ihrer kleinen Tochter in einer Wohngemeinschaft und kommt pro Monat mit rund 500 Euro aus. „Wir müssen nichts kaufen, es ist alles da“, sagt sie und denkt dabei natürlich an die unzähligen Produkte in den „Together“-Tauschläden.
Zur Sache
Auf der Website des Vereins sind die Standorte aller Läden und deren Öffnungszeiten zu finden. Spenden an den Verein „Together“ sind mit der IBAN AT89 3948 7000 0002 1089 (Raiffeisen Bank Rosental) möglich.
- Der Überfluss unserer Zeit – in den „Together Points“ wird all das verteilt, was andere Menschen und große Unternehmen nicht mehr brauchen.
- Im „Together“-Verein sind alle Mitarbeiter ehrenamtlich tätig. Für das zwischenmenschliche Engagement und auch das Umweltbewusstsein wurde der Verein vor zwei Jahren mit dem Kärntner Menschenrechtspreis ausgezeichnet.
- Powerfrau Julia Petschnig regt zum Umdenken an: „Wir leben im Überfluss. Wir müssen nichts neu kaufen. Und wenn wir etwas nicht mehr brauchen, können wir es tauschen oder verschenken.“