Nationalfeiertag
“Kärnten feierte oberflächlich”
Nach dem 10. Oktober, von dem hauptsächlich die Kärntner betroffen sind, feierte Österreich am 26. Oktober Nationalfeiertag. Kultur-Kenner Günter Schmidauer greift im Gastkommentar für "KLiCK"-Kärnten das Thema auf.
Nahezu vergessen ist im Großteil der Bevölkerung, dass es einmal einen Landeshauptmann gegeben hat, der Österreich den Status einer Nation aberkannt hatte. Österreich sei keine Nation, vielmehr ein Restbestand aus einer fatalen Verbundenheit, in der Deutschland die dominante Rolle spielte.
Feiertage und der Trachtenhut
Was schert uns diese Debatte? An beiden Feiertagen werden Fahnen geschwungen, an einem Soldaten angelobt, an beiden traurige Kärntnerlieder gesungen. Wir Österreicher kostümieren uns an diesen Tagen und tragen Tracht. Aber was haben wir persönlich mit diesen Feierlichkeiten noch am Trachtenhut?
Probleme werden relativiert
Wer sich jemals die Frage nach seiner Herkunft und nach der Gestaltung seines Lebensraumes gestellt hat, wird draufgekommen sein, dass ein behagliches Umfeld gerne als selbstverständlich angenommen, ein unbehagliches als Zumutung. Das Behagliche verführt zur Passivität, das Unbehagliche zum “Tschentschen”. Eine Postangestellte erklärte mir, die SPÖ nicht mehr zu wählen, weil der Erdwall zwischen dem Haus mit magistratseigenen Wohnungen obwohl versprochen bis heute noch nicht aufgeschüttet worden ist. Der Gestank von der Hundewiese dringe bis in ihr ebenerdiges Schlafzimmer.
Krieg in 400 Kilometer Entfernung
In etwa 400 Kilometer Entfernung sterben täglich hunderte Menschen. Zwischen Palästinenser und Israeli tobt ein Krieg gegen beide Völker. Militärische Ziele zielen auf die Zivilbevölkerung. Nicht auffallen und stillhalten im eigenen komfortablen Saft, denkt so mancher, so lange es ihm (hier bei uns) gut geht. Eine Folge davon ist, wir sehen auch die Gefährdung des ureigensten Lebensraumes nicht mehr und leugnen in der Gefolgschaft des verunglückten Landeshauptmannes auch die Legitimität des Staates. Leichter und schick ist es, zu allem nein zu sagen. Bekenntnisse hingegen haben Folgen: das Anerkannte mitzutragen und mitzugestalten. Wenn aber eh alles passt… Wir leben in einer akzeptablen Demokratie, die von den Identitären lächerlich gemacht wird. Extreme Rechtsparteien bilden in deutschen Bundesländern erstaunliche Mehrheiten. Es lebt die Pose der Erbosten !

Demokratie von Normalos
Meine Empfehlung in dieser Nachsicht auf die vergangenen Feierlichkeiten: Legen wir die Emotionen und die Trachten beiseite, jagen wir die phrasendreschenden Populisten zum Teufel und fühlen wir uns selbst betroffen. Demokratie von uns Normalos selbst mitgestalten, also politisch konstruktiv agieren, dann wird auch der Politikerstand aufgewertet, denn wir alle sind Politiker die gestalten können. Es geht nicht um Schutzwälle gegen Hundekotgestank. Es geht um die aktive Erhaltung der vorhandenen demokratischen Einrichtungen. Für alles andere Zuwiderlaufende habe ich keine Nachsicht.

