Kommentar

Kickl und sei­ne feuch­ten Träu­me vom Ball­haus­platz

Die derzeitigen Umfragewerte lassen FP-Chef Herbert Kickl, einen gebürtigen und ziemlich schmächtigen Kärntner, selbstbewusst und mit stolzgeschwellter Brust auftreten. Die Regierung „arbeitet“ für ihn – jeder mögliche Fehler von Kanzler Karl Nehammer (VP)  und Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) hilft dem blauen Recken und beschert ihm Stimmenzuwachs.

FPÖ Kärnten Kickl, der sich geschickt als Märtyrer verkauft,  packt ein altes Volksvertreter-Erfolgsrezept aus und wettert ständig gegen „die da oben“, gegen die „Regierenden“, gegen die „Mächtigen“.

© FPÖ

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Auch in TV-Kon­fron­ta­tio­nen wird der Mann, der immer­hin auch Phi­lo­so­phie und Publi­zis­tik stu­diert hat, zum Ver­bal-Atta­ckie­rer auf alles, was sich nicht bis drei hin­ter einem Mikro­phon ver­steckt. Da kann man schon mal einen Abge­ord­ne­ten-Raum im Par­la­ment als „Sta­si-Ver­hör­zim­mer“ bezeich­nen oder bei diver­sen Reden poli­ti­sche Mit­be­wer­ber tief unter der Gür­tel­li­nie ver­un­glimp­fen. Der Pein­lich­keit sind kei­ne Gren­zen gesetzt. Wer so aus­teilt, der scheut nicht davor zurück, vor lau­fen­der Kame­ra Men­schen­rech­te in Fra­ge zu stel­len, wie zuletzt bei Mar­tin Thür in der „Zeit im Bild 2“. Kickl for­der­te eine neue Rechts­la­ge, um ein­ge­bür­ger­ten Per­so­nen die Staats­bür­ger­schaft wie­der abzu­er­ken­nen, wenn sie „unse­re Wer­te angrei­fen und nicht akzep­tie­ren wol­len“. Das ist grund­sätz­lich nicht mög­lich, obwohl für „Otto Nor­mal­ver­brau­cher“ die­se Aus­sa­ge logisch erscheint – frei nach dem Mot­to: „Wer bei uns leben und Sozi­al­leis­tun­gen bezie­hen darf, soll sich nach unse­ren Geset­zen rich­ten – sonst Abmarsch“!  Das ist einer der Sät­ze, die der emsi­ge Kärnt­ner aus sei­ner Sam­mel-Mot­ten-Kis­te „Aus­län­der sind an allem schuld“ her­vor­ge­holt hat. So benann­te der eins­ti­ge Stu­di­en­ab­bre­cher das Erst­auf­nah­me­zen­trum in ein „Aus­rei­se­zen­trum“ um. Und schon hört man vie­le sei­ner Getreu­en, wie sie sich vor lau­ter Lachen kräf­tig auf die Schen­kel klop­fen. Ein Kärnt­ner hat eben Bezug zum Fasching, aber vie­les aus Kick­ls Gift­kü­che ist alles ande­re als lus­tig. So man­ches hört sich  demo­kra­tie­ge­fähr­dend an. Wie soll man sich sonst erklä­ren, dass jemand die Iden­ti­tä­ren als „eine Art von NGO“ bezeich­net. Also als eine nicht auf Gewinn aus­ge­rich­te­te Anti-Regie­rungs­or­ga­ni­sa­ti­on wie das Rote Kreuz oder die Cari­tas. Der Ver­gleich hinkt nicht nur, er ist eine glat­te Unver­schämt­heit. Das Schlim­me dabei: Brand­red­ner Kickl weiß nur zu gut, was er wo war­um und wie oft sagt. Und er kennt Dosis und Wir­kung. Etwa bei Leu­ten, die Poli­tik als rei­ne Unter­hal­tung sehen oder sich im „Ver­lie­rer-Sumpf“ einer Hoch­leis­tungs­ge­sell­schaft wie­der­fin­den.

Kickl, der sich geschickt als Mär­ty­rer ver­kauft,  packt ein altes Volks­ver­tre­ter-Erfolgs­re­zept aus und wet­tert stän­dig gegen „die da oben“, gegen die „Regie­ren­den“, gegen die „Mäch­ti­gen“. Ech­te Lösungs­an­sät­ze sind dabei Man­gel­wa­re. Man braucht eben Feind­bil­der und künst­lich geschaf­fe­ne Sün­den­bö­cke, um Men­schen zu einen. Das weiß auch der raf­fi­nier­te Kärnt­ner, der sich sei­nen treu­en Anhän­gern als „Mes­si­as“ ver­kauft, als Löser aller Pro­ble­me, als Befrei­er von „bösen aus­län­di­schen See­len“. Und beim Neu­jahrs­tref­fen in Prem­stät­ten bei Graz schür­te der FP-Boss erwar­tungs­ge­mäß wie­der Vor­ur­tei­le, fasel­te von einer „Fahn­dungs­lis­te für Poli­ti­ker“, schimpf­te auf die ach so schlim­men Medi­en und bezeich­ne­te sich selbst als „rechts­extrem“. Bei sei­nen mög­li­cher­wei­se berech­tig­ten Vor­wür­fen gegen die Signa-Grup­pe ver­dräng­te der FP-Ober­pre­di­ger, dass auch eine ehe­ma­li­ge „blaue“ Vize­kanz­le­rin im Auf­sichts­rat sitzt. Spott und Häme als Erfolgs­mo­dell? Bit­te nicht…

 

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“KLiCK”-Kärnten Kolum­nist Harald Raf­fer macht Geschich­ten zum The­ma.
© Klick Kärn­ten

Schon als Innen­mi­nis­ter woll­te der fei­ne Herr unbe­que­me Jour­na­lis­ten an die Lei­ne neh­men. Gewis­se kri­ti­sche Zei­tun­gen soll­ten vom Info-Dienst der Exe­ku­ti­ve „nicht mehr über alles infor­miert wer­den“. Der ORF ist für den Ober­blau­en ohne­hin längst ein rotes Tuch. Als Minis­ter in der VP/FP-Koali­ti­on träum­te der umstrit­te­ne Poli­ti­ker von einer berit­te­nen Poli­zei. Grund­sätz­lich eine Idee, über die man dis­ku­tie­ren kann. Nur die Aus­füh­rung erfolg­te jäm­mer­lich – man brach­te kei­ne ent­spre­chen­de Pfer­de­staf­fel zustan­de. Ein Armuts­zeug­nis für einen Minis­ter, der ein­mal in einem Gespräch mit mir das „Innen­res­sort-Geschäft als sei­nen liebs­ten Job“ bezeich­net hat­te. Dafür aber emp­fahl der tap­fe­re und zähe ehe­ma­li­ge Gebirgs­jä­ger „Pfer­de-Ent­wur­mungs­mit­tel“ für Coro­na-Kran­ke!  Für Orban-Fan Kickl sind Poli­ti­ker, die sich nach unzäh­li­gen Todes­fäl­len um die Gesund­heit der Bevöl­ke­rung gesorgt haben,  „gesuch­te Ver­bre­cher“ und „Fol­ter­knech­te“. Das ist wohl zum Wie­hern! Ande­rer­seits besitzt der bär­ti­ge Bril­len­trä­ger als Tri­ath­let eine gewis­se Aus­dau­er – so auch bei sei­nem lang geheg­ten Wunsch nach dem Regie­rungs­zep­ter. Ein Ex-Geheim­dienst­chef hat den stets hek­tisch wir­ken­den und „zap­peln­den“ FP-Boss, der manch­mal Krei­de zu fres­sen scheint, als „pol­tern­den Gift­zwerg“ bezeich­net.

Nach wie vor ertei­len Neham­mer, Babler und Kog­ler in kur­zen Abstän­den einer Koali­ti­on mit der Kickl-FP eine deut­li­che Absa­ge. Und sie star­ren gebannt auf Umfra­ge­wer­te – wie ein Kanin­chen auf die Schlan­ge. War­ten wir mal ab. Wer erin­nert sich noch, wie Wolf­gang Schüs­sel 1999 treu­her­zig beteu­ert hat­te, als Drit­ter bei einer Natio­nal­rats­wahl kei­nes­falls den Kanz­ler­an­spruch stel­len und in so einem Fall rasch in die Oppo­si­ti­on gehen zu wol­len. Er wur­de trotz­dem mit Jörg Hai­ders Hil­fe Chef der „Wen­de­re­gie­rung“. So viel zu diver­sen Ver­spre­chen und Beteue­run­gen, wenn es um die geball­te Macht im Staa­te geht. Und eine Kola­ti­on mit einer FP ohne Kickl in der Bun­des­re­gie­rung, wie sei­ner­zeit mit Hai­der, der Susan­ne Riess den Vor­tritt las­sen muss­te? (“Susan­ne, geh Du vor­an“). Das wird sich nicht spie­len. Dafür ist ein zu „ver­bis­sen“ auf­tre­ten­der Her­bert Kickl nicht zu haben. Zu lan­ge träumt der in Raden­thein auf­ge­wach­se­ne Poli­ti­ker schon vom Ball­haus­platz. Als „Volks­kanz­ler“, der Herrn Putin mit rotem Tep­pich emp­fan­gen will. Aber wie heißt es so schön: Träu­me sind Schäu­me und lösen sich oft ins Nichts auf. Da kann man noch so sehr das Blaue vom Him­mel ver­spre­chen. Kein Pro­blem: Mul­ti­ta­lent Kickl, der mit einer Juris­tin ver­hei­ra­tet ist, könn­te noch immer den Schau­spie­ler­be­ruf ergrei­fen– im Burg­thea­ter für das Stück „Publi­kums­be­schimp­fung der beson­de­ren Art“. Oder erle­ben wir im Herbst doch ein blau­es Wun­der?

15.01.2024 08:45
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FPÖ Kärnten Kickl, der sich geschickt als Märtyrer verkauft,  packt ein altes Volksvertreter-Erfolgsrezept aus und wettert ständig gegen „die da oben“, gegen die „Regierenden“, gegen die „Mächtigen“.

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