Klagenfurt
Dringlichkeitsantrag: Nur net hudeln….
Klagenfurt ist anders. Dafür gibt es eine Reihe von negativen Beispielen, die nicht unbedingt eine Werbung für die Landeshauptstadt darstellen.
© Red/KK
Da wird im Gemeinderat bereits am 19. September 2023 eine Änderung der Lärmschutzverordnung (Schießstätte Viktring) per Dringlichkeitsantrag beschlossen, wobei nur zwei Ziffern zu tauschen wären. Die Schießzeiten für die seit Jahren umstrittene, heftig kritisierte und veralteten Freiluft-Schießanlage wurden per Gemeinderatsbeschluss leicht eingeschränkt, damit Hunderte genervte Anrainer und vor allem die vielen Kinder im Josefinum (Heim und Schule) weniger „Kriegslärm“ erleiden müssen. Zudem liegt nach mehreren amtlichen Messungen das Gutachten eines internationalen renommierten Lärmexperten auf, dass diese unsäglichen Schusssalven (Großkaliber, Dauerfeuer) auf längere Sicht eindeutig krankmachen. Kann das der Stadtführung egal sein? Oder herrscht da Freunderlwirtschaft? Auch die Behauptung, der Verein wäre „schon früher dagewesen“, stimmt nicht. Zudem wundern sich noch heute die Viktringer, warum die Vereinsleitung ein großartiges Angebot der Stadt einfach abgelehnt hat. Diese wollte den Schützen eine völlig neue und Hunderttausende Euro teure, aber lärmsichere nigelnagelneue Anlage auf einem Industriegelände errichten und schenken. Die Vereinsleitung wollte das aber nicht. Man feuert lieber weiter in einem Waldgebiet in der Nähe eines Naturschutz- und Wasserschutzgebietes. Was ist mit Munitionsrückständen, die seit Jahrzehnten im Waldboden im Naherholungsgebiet versickern? Was mit einem unsäglichen „Lärmterror“? Und warum hat der Verein nicht schon von Anfang an Lärmschutzwände errichtet, wie von der Volksanwaltschaft gefordert.
Zurück zum Wort „Dringlichkeit“. Unter Wikipedia findet sich folgende Definition: „Dringlichkeit ist die Notwendigkeit, kurzfristig zu handeln“. Wie kann man als Volksvertreter lärmgeplagte Anrainer und zahlreiche Kinder und Jugendliche vom Josefinum beruhigen? Wird nach Monaten endlich „kurzfristig gehandelt“? Der zuständige Referent Bürgermeister Christian Scheider sprach jetzt im Gemeinderat von „irgendwelchen Prüfungen“. Dabei liegen Fakten klar auf der Hand, auch Messungen, ein Top-Gutachten und ein entsprechender gültiger Beschluss des Gemeinderates. Für was braucht man künftig überhaupt noch Dringlichkeitsanträge, wenn diese erst in ferner Zukunft umgesetzt werden?? Man muss doch kein Raketen-Wissenschaftler sein, um einen vor längerer Zeit gefassten Beschluss endlich umzusetzen. Das Stadtoberhaupt eiert aber weiterhin herum. Das ist, wie der Stadtchef im Gemeinderat richtig bemerkt hat, „keine Sache im Vorbeigehen“, sondern beschäftigt die Viktringer, die Volksanwaltschaft, Spaziergänger und viele Naturliebhaber schon seit Jahren. Eine längst nicht mehr zeitgemäße Schießstätte in einem Steinbruch, deren zuständige Vereinsleitung es mit den Regeln in der Vergangenheit nicht immer so genau genommen hat. Doch in Klagenfurt heißt es offensichtlich: „Nur net hudeln….“
-mg
