Tourismus
Begräbnis erster Klasse?
Wenn diese Teillifte gesperrt, verkauft und abtransportiert werden, stirbt das gesamte Skigebiet und damit ein unvergleichliches Urlauberparadies. Ein Begräbnis erster Klasse! Und das in Heiligenblut.
Die Bevölkerung im Mölltal ist enttäuscht. Vielleicht hilft ein Stoßgebet zum Himmel? Die Hoffnung stirbt zuletzt.© mg
Nein, es handelt sich um kein Drama aus einem Heimatfilm mit idyllischer Kulisse einer Mölltaler Kirche sowie Österreichs Wahrzeichen im Hintergrund – es ist leider bittere Realität! Jene Betreibergesellschaft der Glockner Bergbahnen, die den Betrieb nach diversen Verhandlungen an keine Investorengruppe veräußern will, wird allem Anschein nach die Fleissbahnen schließen. Da sei eben Teil des Sparkonzeptes, heißt es trotzig.
So verständlich es sein mag, dass die Unternehmerfamilien, die einst diese Bergbahnen für einen Euro (!) erhalten haben, mögliche Käufer und Interessenten wenigstens kennen wollen, so unverständlich hört sich die geplante Einstellung der betroffenen Lifte an. Das betrifft zudem einen Abschnitt, auf dem vor allem Kinder und Jugendliche erste Wintersporterlebnisse sammeln. Aber was schert das jene Leute, die erneut das Land „melken“ wollen und überall anders einen Schuldigen suchen? Mag sein, dass im Tourismusbereich Fehler begangen worden sind. Mag sein, dass die Bettenkapazität erweitert werden muss. Mag sein, dass man unter den derzeitigen Bedingungen schwer aus einem Minus herauskommen kann. Aber das Zusperren auf der Fleissalm wirkt nach einem bitteren Eingeständnis, dass man wirtschaftlich versagt hat. Und die betroffene Bevölkerung ist sich so gut wie sicher – wenn diese Teillifte gesperrt, verkauft und abtransportiert werden, stirbt das gesamte Skigebiet und damit ein unvergleichliches Urlauberparadies. Ein Begräbnis erster Klasse! Und das in Heiligenblut, wo man seit Jahren Touristen eine Grabstätte auf dem malerischen kleinen Kirchen-Friedhof verweigert, weil oft schon Plätze für Einheimische fehlen.
Zurück zu den Großglockner Bergbahnen: Sie sind nicht das einzige Tourismus-Unternehmen, das in den letzten Jahren in Kärnten mit finanziellen Problemen zu kämpfen hatte. Es geht aber um die jeweilige Vorgangsweise. Bittere Pillen zwischen Apres-Ski und Pistengaudi? Warum haben die Eigentümerfamilien damals die Bergbahnen für Sommer- und Winterbetrieb übernommen? Wohl nicht nur aus reiner Menschenfreundlichkeit und Liebe zum Sport. Man hat sich, und das ist völlig legitim, Gewinne versprochen. Bei Problemen greift man eben zur Schließung, statt die notwendige Infrastruktur mit Innovationen und entsprechenden Investitionen zu schaffen. Die Bevölkerung im Mölltal ist enttäuscht. Vielleicht hilft ein Stoßgebet zum Himmel? Die Hoffnung stirbt zuletzt.
-mg


