Straßenerhaltung
Holpriges Klagenfurt
Weil die Kärntner Landeshauptstadt finanziell aus den letzten Löchern pfeift, pfeift man jetzt auch auf die Schlaglöcher in den Straßen. Keine Sanierung, stattdessen Schilderwald.
© Symbolbild-Fotomontage: Pixabay/KF
Das Fahren eines sog. Sport Utility Vehicles ist in letzter Zeit massiv in die Kritik gekommen. Durchaus berechtigt, schenkt man den zahlreichen Experten Glauben. Ist man mit seinem Auto allerdings viel auf Klagenfurts Straßen unterwegs, punktet die Geländegängigkeit eines solchen SUV’s dennoch gewaltig. Es rumpelt und pumpelt nämlich ganz gehörig beim Autofahren, eigentlich Autohüpfen, in der Lindwurmstadt. Das 575 Kilometer lange und 81 Straßen beinhaltende Straßensystem ist mehr als brüchig geworden, sowohl in den Seitengassen, als auch in den Hauptstraßen. Nicht weniger als 24 Kilometer werden sogar schon als völlig desolat eingestuft. Hier drohen sogar Straßensperren im schlimmsten Fall. Schlaglöcher, Fleckerlteppiche und Spurrinnen soweit das Auge reicht und es die Wirbelsäule spürt. Laut erschallt der Ruf nach Sanierungsmaßnahmen, die aber so schnell nicht kommen werden, weil es im maroden Budget der Stadt noch ganz andere Löcher zu stopfen gibt. Die zuständige Finanzstadträtin kritisiert die Versäumnisse bei den Straßensanierungen in den letzten Jahrzehnten, hat aber ansonsten auch keine Auswege aus dieser kapitalen Finanz- und damit auch Straßen-Misere zu bieten. Gut, die ist oder war Triathletin, dürfte also in der Lage sein mit dem geländegängigen Mountainbike in die Arbeit zu treten. Der singende Bürgermeister weiß auch wieder einmal nicht weiter, möglicherweise fährt er ja einen SUV. Zum Glück präsentiert aber jetzt die zuständige Straßenbaureferentin eine grandiose Idee. Anstatt in Asphalt und Beton investiert man in Blech. 160 neue Warnschilder werden vom Magistrat jetzt angeschafft. Die Löcher in den Straßen bleiben. Neue Schilder für die Schildbürger eben.
160 neue Warnschilder als Tarnschilder
Autofahren in Klagenfurt bleibt also weiterhin ein zuweilen äußerst holpriges Abenteuer. Als Ausgleich bietet die Stadtverwaltung jetzt das Chauffieren durch einen neuen Schilderwald. Mit der Anschaffung und der Aufstellung von 160 Warnschildern, welche auch ein gewisses Euro-Sümmchen verschlingen werden, tarnt man jetzt quasi die Schlaglöcher. Offiziell werden die Schilder zur Warnung aufgestellt, überall wo Straßenabschnitte stark beschädigt sind, also dann wohl überall. Möglich sind aber nicht nur Warnungen vor der Rumplerei, sondern auch durchaus neue Geschwindigkeitsbeschränkungen. Und zwar auf jenen Straßenabschnitten, die so sehr desolat sind, dass selbst schon Tempo 30 zu viel sein könnte. “Es kann dann passieren, dass man in einer 30er-Zone nur noch Schrittgeschwindigkeit fahren wird dürfen“, sagt die zuständige Klagenfurter Straßenbaureferentin gegenüber der Kleinen Zeitung. So gesehen ist sie ja dann eigentlich eine Straßen-Nicht-Bau-Referentin. Die Schilder für die Schildbürger befinden sich aktuell in Produktion, ein Aufstellungstermin ist noch offen, Kosten werden nicht kommuniziert.
Alle wichtigen Straßen dabei
Die kolportierten 160 Schilder für die Schildbürger wird man nicht übersehen können, sind doch neben vielen anderen Straßenzügen auch Bahnhofstraße, St. Ruprechter Straße, Pischeldorfer Straße, St. Veiter Straße, Annabichler Straße, Karfreitstraße und 8.-Mai-Straße betroffen. Bleibt als letzter Ausweg möglicherweise nur noch massive Selbsthilfe aus der wirbelsäulengeschädigten Bevölkerung. Eine breite Klagenfurter Straßen-Selbstbau-Initiative sozusagen. Jede noch halbwegs rüstige Klagenfurterin, jeder noch halbwegs rüstige Klagenfurter bewaffnet ich mit Schauferl und Küberl und dann geht es ans ehrenamtliche Sanieren. Oder man geht in Zukunft ganz einfach zu Fuß. Geländetaugliches Schuhwerk dringend angeraten.


