Ungleichheit
48 Tage ohne Lohn: Business-Frauen setzen ein Zeichen
Der „Equal Pay Day“ fiel in Kärnten heuer auf den 17. Februar. Spittaler Business-Frauen setzten mit Aktionen in Spittal und Millstatt ein sichtbares Zeichen gegen die Einkommens-Ungleichheit.
© Nina Hader
Den „Equal Pay Day“ nahmen die Business & Professional Women (BPW) Spittal zum Anlass, um zwei Zeichen zu setzen: Mit Informationsmaterial sprachen sie auf dem Hauptplatz in Spittal und vor dem Café „San Daniele“ in Millstatt Frauen an, um auf den sogenannten „Gender Pay Gap“ (Einkommensunterschied zwischen Männern und Frauen) aufmerksam zu machen. Während der österreichweite „Equal Pay Day“ auf den 15. Februar fiel, war er in Kärnten am 17. Februar. Mit einem Glas Sekt stießen die Frauen gemeinsam an, um zu „feiern“, dass sie ab diesem Datum auch etwas verdienen.
Teilzeit kein Argument
Das internationale Frauennetzwerk BPW berechnet seit dem Jahr 2009 den „Equal Pay Day“ für Österreich. In Kärnten bedeutet das heuer: Frauen arbeiten im Vergleich zu Männern 48 Tage, ohne statistisch dafür Lohn zu erhalten. „Die Lohnschere resultiert aus dem Vergleich von ganzjährig vollbeschäftigten Frauen aus den Bereichen Arbeiterinnen, Angestellte, Vertragsbedienstete und Beamtinnen mit Männern. Teilzeit ist also kein Argument! Nicht nur beim Erwerbseinkommen verlieren Frauen deutlich: Auch bei Arbeitslosengeld, Vermögen, Erbschaft und vor allem bei der Pension sind sie statistisch gesehen stark benachteiligt“, erklärt BPW-Spittal-Präsidentin Sonja Anglberger.
Scheitern an Rahmenbedingungen
Das oft genannte Argument, dass Frauen weniger in Teilzeit arbeiten sollten, scheitert oftmals an den Rahmenbedingungen. Frauen stehen an erster Stelle, wenn es um Karenzzeit, Pflegefreistellung und die Pflege von Angehörigen im Alter geht. Das Beispiel Kinderbetreuung zeigt, dass das Angebot (gerade am Land) längst nicht ausreichend ist. Im Vergleicht mit Öffnungszeiten in den Bundesländern ist ein Zusammenhang zu erkennen: Wo es längere Öffnungszeiten gibt, ist auch das Lohngefälle niedriger.
Zu wenig Väter in Karenz
Auch das Thema Karenz spielt eine entscheidende Rolle. Frauen erleiden danach oftmals einen Karriere- und Einkommensknick. Nur ein Prozent der Väter geht länger als sechs Monate in Karenz. „Kein Wunder, denn Branchen, in denen eher Frauen arbeiten, zahlen niedrigere Gehälter als jene, in denen Männer beschäftigt sind. Frauen erreichen auch heute noch seltener Führungspositionen. Gerade in den Zeiten der Corona-Krise sind viele Frauen in die Teilzeitfalle getappt. Wie sollte es auch anders sein? Es ist eine Herausforderung, Kinderbetreuung, Home-Schooling und Vollzeit-Beschäftigung zu vereinbaren. Oft ist sie nicht zu schaffen“, schildert Anglberger.
Pension als Armutsfalle
Das vergessene Problem: Weniger Einkommen bedeutet auch weniger Pension. Die Einkommensdifferenz manifestiert sich vor allem in den Berufsgruppen der Angestellten mit 29,9 Prozent sowie der Arbeiterinnen und Arbeiter mit 26,9 Prozent. Das wirkt sich nicht nur auf den Kontostand und die Lebensqualität aus, sondern auch langfristig auf die Pension. Frauen leben zwar länger, die Frage ist allerdings: wovon?
Politik ist gefordert!
Ein weiteres Thema ist die Einkommenstransparenz. Unternehmen, die dauerhaft mehr als 150 Mitarbeiter beschäftigen, stehen in der Pflicht, jährliche Einkommensberichte zu erstellen. Diese sorgen für Lohn-Transparenz zwischen den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen. Klein- und Mittelbetriebe bleiben derzeit dabei außen vor, obwohl sie die größte Gruppe der Arbeitgeber sind. „Das muss von der Regierung nachgebessert werden, um die innerbetriebliche Transparenz flächendeckend herzustellen“, lautet die Forderung des Frauennetzwerks.
„Gender Pay Gap“ leicht gesunken
Das Fazit: Der aktuelle „Gender Pay Gap“ ist leicht gesunken, ein Grund zur Freude ist er dennoch nicht. „Wenn wir in diesem Tempo weitermachen, werden noch unsere Ur-Ur-Urenkelinnen nicht gleichgestellt sein. Es wird also höchste Zeit, sich von den ‚Equal Pay Day‘-Zahlen aufwecken zu lassen und dafür zu sorgen, dass Gleichstellung tatsächlich gelebt wird und Kinder ‚leistbar‘ sind“, fordert der Club.
Wissenswert
„Business & Professional Women“ (BPW) ist das größte internationale Netzwerk aus berufstätigen Frauen in mehr als neunzig Nationen weltweit. Der Club setzt sich für den „Equal Pay Day“ ein, betreibt Mentorinnen-Programme und die überregionale Online-Reihe „#empowermentnow“. In Kärnten gibt es mit BPW Spittal und BPW Villach zwei Clubs, die auch in regem Austausch stehen.
Online: www.bpw.at
