Klaus Krainer

Der Mann ohne Han­dy

Klaus Krainer, Gründer und Geschäftsführer der ARGE Naturschutz, hat kein Mobiltelefon. Warum? Was bewegt ihn dazu? Der „KLiCK“-Blick auf einen Lebensstil, der heutzutage ungewöhnlich ist.

Der Mann ohne Han­dy Ein Leben im Hier und Jetzt: Klaus Krainer hat kein Handy und keine Armbanduhr.

© privat

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Von allen Men­schen, die ich ken­ne, ist Klaus Krai­ner der Ein­zi­ge, der im Jahr 2022 kein Han­dy besitzt. Als ich mich mit ihm zu einem Tref­fen in einem Moor­ge­biet an der Gren­ze zur Stei­er­mark ver­ab­re­det habe, hat er bereits ange­kün­digt, dass er sich etwas ver­spä­ten könn­te. Ich bin pünkt­lich in der Pam­pa. Ver­mut­lich am rich­ti­gen Ort. Aber kei­ne Spur von ihm. Ich kann ihn nicht anru­fen, ihm kei­ne Nach­richt schrei­ben, kei­nen Stand­ort mit ihm tei­len. Alles, was ich tun kann, ist gedul­dig zu sein, zu war­ten und zu ver­trau­en. Mir die Land­schaft anzu­se­hen, dem Sum­men der Bie­nen zu lau­schen und unter­zu­kom­men. Als er nach 15 Minu­ten mit sei­nem Auto um die Ecke biegt, bin ich tie­fen­ent­spannt, freue mich über das Wie­der­se­hen und das Natur­er­le­ben gera­de eben. Zufrie­den stel­le ich fest: Es hat alles geklappt wie aus­ge­macht. Auch ohne Han­dy.

Aus­ge­macht ist aus­ge­macht

Auf Klaus Krai­ner ist Ver­lass. Was er sagt, gilt. Auch, wenn er etwas nicht will: „Ich habe kein Han­dy, weil ich kei­nes will.“ So ein­fach ist das für ihn. Für sei­ne Mit­ar­bei­ter ist es etwas schwie­ri­ger. Weil sie ihren Chef nicht immer errei­chen, wenn sie ihn errei­chen wol­len. Als Grün­der und Geschäfts­füh­rer der ARGE Natur­schutz ist der Kla­gen­fur­ter Bio­lo­ge viel in der Natur und im Gelän­de unter­wegs. Oft wird er gefragt, ob der denn nicht Angst davor hat, dass er in eine Not­si­tua­ti­on kom­men könn­te, in der es hilf­reich wäre, ein Han­dy dabei zu haben. Als aus­ge­spro­che­ner Rea­list reagiert er nüch­tern: „Wenn ich bewusst­los wäre, oder ein Han­dy dabei­hät­te, das ich nicht errei­chen könn­te, wür­de mir das auch nicht nüt­zen.“

Ein unge­woll­tes Geschenk

Eines Tages haben ihm sei­ne Arbeits­kol­le­gen ein Han­dy geschenkt. Damit der Bio­lo­ge bei sei­nen häu­fi­gen Gelän­de­gän­gen und Außen­diens­ten erreich­bar sei. Anfäng­lich hat er es viel zu oft auf sei­nem Schreib­tisch ver­ges­sen. Und als er es schließ­lich end­lich dabei­hat­te, hat das Han­dy eines Kol­le­gen sei­nen Geist auf­ge­ge­ben. Krai­ner konn­te ihm aus­hel­fen, indem er ihm sei­ne neue SIM-Kar­te schenk­te. „Damit war auch mein Han­dy-The­ma wie­der erle­digt“, schmun­zelt er.

Kei­ne Zeit für Eitel­keit

Aus sei­ner Sicht ist er ohne­hin immer erreich­bar: „Ich habe einen Fest­netz­an­schluss mit Anruf­be­ant­wor­ter und einen E‑Mail-Account. Ich ant­wor­te auf alle Nach­rich­ten, auch am Wochen­en­de.“ Pri­vat kann man ihn jeder­zeit über das Han­dy sei­ner Lebens­ge­fähr­tin kon­tak­tie­ren. „Außer­dem,“ schränkt er ein, „so wich­tig bin ich auch wie­der nicht“. Er braucht kei­ne digi­ta­le Welt im Hosen­ta­schen­for­mat. Er hat nicht das Gefühl, etwas zu ver­pas­sen. Im Gegen­teil: „Wenn ich Jugend­li­che bei die­sem Sel­fie-Wahn­sinn beob­ach­te, dann den­ke ich, es wäre mir scha­de um die Zeit.“

Moder­ne Zeit­fres­ser

Seit sei­ner Kind­heit in Sekull am Techels­berg lebt der Vege­ta­ti­ons­kund­ler beschei­den und trotz­dem – oder gera­de des­halb – zufrie­den: „Mei­ne Eltern waren nicht reich. Das hat mir nichts aus­ge­macht. Ich habe gelernt, gut auf mei­ne Sachen auf­zu­pas­sen.“ Die vie­len „Erleich­te­run­gen“, die das digi­ta­le Zeit­al­ter mit sich bringt, sieht der 59-Jäh­ri­ge kri­tisch: „Aus mei­ner Sicht war das Auf­kom­men des Com­pu­ters eine Belas­tung. Seit­her ist alles mehr gewor­den: mehr schrei­ben, mehr Nach­rich­ten sen­den, mehr foto­gra­fie­ren.“

Ein Leben für die Natur

Klaus Krai­ner ist Geschäfts­füh­rer der ARGE Natur­schutz, die er vor knapp 30 gegrün­det hat. Er ret­tet Fle­der­mäu­se, schützt Frö­sche oder zählt Pflan­zen­ar­ten in Moor­ge­bie­ten. Wenn der Bio­lo­ge und Natur­lieb­ha­ber unter­wegs drin­gend tele­fo­nie­ren muss, macht er das vom Tele­fon oder Han­dy ande­rer Men­schen: „Wenn die Leu­te erfah­ren, dass ich kein Han­dy besit­ze, erle­be ich manch­mal eine gewis­se Art der Bewun­de­rung.“ Erst vor kur­zem hat ein Bau­lei­ter zu ihm gesagt: ‚‚Ich wür­de auch manch­mal ger­ne kein Han­dy haben.“

 

23.07.2022 18:50
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Der Mann ohne Han­dy Ein Leben im Hier und Jetzt: Klaus Krainer hat kein Handy und keine Armbanduhr.

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