Landesrätin Sara Schaar
Landesrätin nimmt zum Genderleitfaden Stellung
Diese Woche löste ein Wörterbuch für den Genderleitfaden für die Kärntner Landesverwaltung, das mittlerweile zurückgezogen ist, heftige Reaktionen aus. Die zuständige Landesrätin Sara Schaar erklärt im „KLiCK Kärnten“-Interview den ursprünglichen Zweck dieses Wörterbuchs.
Landesrätin Sara Schaar, zuständige Referentin des Landes Kärnten für Gleichstellung© proimageaustria
KLiCK Kärnten: Das Wörterbuch für den Genderleitfaden für die Landesverwaltung löste zahlreiche negative Reaktionen aus. Warum haben Sie nicht damit gerechnet?
Landesrätin Sara Schaar: Weil es sich dabei eigentlich um ein internes „Werkzeug“ für den Landesdienst handelt, um möglichst rechtskonform – nach einem Entscheid der Verfassungsgerichtshofs – vorgehen zu können. Den komischen „Medienhype“ haben ja die zwei großen Tageszeitungen in Kärnten ausgelöst, die eigentlich dargestellt haben, man wolle damit die deutsche Sprache verändern.
Welchen Zweck sollte dieser Leitfaden erfüllen?
Wie bereits gesagt, es gibt eine VfGH-Entscheidung, die klar festlegt, dass – kurz gesagt – einer Person dritten Geschlechts auf Verlangen auch ein solches Recht zusteht. Der Leitfaden inklusive Wörterbuch sollte ein Nachschlagewerk für alle Bediensteten sein, um bei Bedarf nachschlagen zu können. So sollte gewährleistet sein, dass möglichst rechtskonform gehandelt werden kann.
Deshalb haben ja auch bereits einige Ministerien, das Bundeskanzleramt, viele Bundesländer, einige Städte wie zum Beispiel Graz, einige Universitäten aber auch einige Unternehmen solche Leitfäden für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erstellt. Nur in Kärnten gibt es nun, aus den bereits erwähnten Gründen, diese Diskussion dazu.
Weshalb sind Ihnen geschlechtergerechte Bezeichnungen und Umschreibungen wichtig?
Erstens bin ich auf die Verfassung angelobt und damit habe ich auch die Verpflichtung, in meiner Tätigkeit rechtskonform zu handeln. Zweitens ist diese Frage ja generell eine in Zukunft nicht wegzudenkende. Eine offene Gesellschaft wird sich wohl oder übel so verhalten und auch die rechtlichen Rahmenbedingungen dafür schaffen. Drittens wird mir nach dieser Diskussion immer klarer, warum gut ausgebildete junge Menschen sich offenere Communitys, leider auch oft in anderen Bundesländern, suchen. Ich habe mich oft gefragt, warum das so ist.
Das Wörterbuch komplett ad acta zu legen, hätte weitere negative Folgen, zum Beispiel bei der Akquise von Förderungen für EU-Calls und EU-Projekte des Landes.
Sara Schaar
LandesrätinWer war an der Ausarbeitung des Leitfadens beteiligt?
Das Referat für Frauen und Gleichstellung wurde von der Landesamtsdirektion ersucht, einen solchen Leitfaden auf Grund des Entscheids des Verfassungsgerichtshofs zu erstellen.
Das umstrittene Wörterbuch wurde mittlerweile zurückgezogen. Ist es nun komplett ad acta gelegt?
Wir werden diesbezüglich einen Brief an das Bundeskanzleramt senden, das für Fragen der Gleichstellung zuständig ist. Darin bitten wir um die Erarbeitung von österreichweit einheitlich zu formulierenden Grundlagen das dritte Geschlecht betreffend, damit alle Behörden zukünftig die gleichen Formulierungen verwenden können.
Das Wörterbuch komplett ad acta zu legen, hätte nämlich weitere negative Folgen, zum Beispiel bei der Akquise von Förderungen für EU-Calls und EU-Projekte des Landes, denn mittlerweile ist es hier Voraussetzung, geschlechtsneutral, antidiskriminierend und ökologisch nachhaltig zu formulieren. Ein Call oder eine Vergabe, die sich zum Beispiel nur auf Männer oder Frauen bezieht, wäre rechtlich ungültig.
Sie fordern ein österreichweit einheitliches Nachschlagewerk, um Rechtssicherheit zu schaffen. Was bedeutet in diesem Fall Rechtssicherheit konkret?
Im VfGH-Entscheid geht es unter anderem auch um die Frage von individueller Diskriminierung. Man stelle sich vor, dass zum Beispiel Bescheide von Behörden auf Grund von diskriminierenden Formulierungen beeinsprucht werden könnten. Verfahren würden nicht nur viel länger dauern, viel Arbeit der Kolleginnen und Kollegen wäre unter solchen Gegebenheiten möglicherweise umsonst gewesen. Viel Unmut wäre die Folge, bei allen Beteiligten. Das sollte nicht unser Ziel sein, vor allem ist das nicht mein Ziel.
