Buch-Präsentation
Wenn G. Schmidauer Wortanfälle bekommt
Gedrucktes Widersprüchliches. Texte zum Nachdenken – das findet man in „Wortanfälle“ von Günter Schmidauer (Hermagoras, Bildgestaltung: Caroline), in dem der Autor ungewöhnliche Kopfbilder entstehen lässt. Der Klagenfurter Kulturreferent Mag. Franz Petritz lädt zu zwei Präsentationen – am 17. April und am 24. April ins Musilhaus Klagenfurt.
Autor Dr. Günter Schmidauer mit seinem Werk „Wortanfälle“ und mit Adrian Kert (Hermagoras-Verlag). Der Schriftsteller lädt zu zwei „wortgewaltigen“ Veranstaltungen ins Musil-Haus – zu ungewöhnlichen Literatur-Events!
© Hermagoras
Wörter als kaum erklärbare Botschaften. Gewöhnungsbedürftige Sprachbilder. Mystische Sätze und Buchstaben, die zunächst für Verwirrung sorgen. Ex-Theater-Dramaturg, VolXbühne-Mitbegründer, PEN-Club-Repräsentant und Schriftsteller Dr. Günter Schmidauer wirbelt gekonnt Sätze durcheinander, schmiedet, wie seinerzeit Ernst Jandl, neue Wörter, zerfetzt Begriffe und provoziert die Leser mit einer schwer verdaulichen und ungewöhnlichen Literatur. Mit „Wortanfällen“ eben. Das 240 Seiten starke Werk umfasst Essays, Gedichte, Szenen. Ein großartiger Zeichen-Dschungel mit gelungenen Illustrationen. Der Klagenfurter beschäftigt sich mit den Möglichkeiten der Wahrnehmung und verwendet dazu verschiedene literarische Ausdrucksformen, eine Art Spielwiese für kritische Menschen, die gerne über sich und andere nachdenken. Ob im Gedicht, in der Glosse, im Dialog oder im Rahmen eines Märchenspiels, die Texte des Kärntners sind nicht gefällig konsumierbar, täuschen keine heile Welt vor, könnten aber auch gefallen. Das Absurde und die Irrationalität interessieren den Juryvorsitzenden des „Kärntner Lyrikpreises der Stadtwerke“ und langjährigen Mitarbeiter der Komödienspiele Porcia, der Kärntner Komödianten und der Friesacher Burghofspiele. Der Autor: „Humor ist dabei stille Wut, angesichts der Unmöglichkeit, Endgültiges über sich und die Welt erfahren und festhalten zu können“. In seinem Essay „Die unsichtbaren Bilder“ versucht der studierte Theaterwissenschaftler, Germanist und Werbemanager anhand einiger Beispiele hinter die äußeren Erscheinungsformen zu blicken und ist überzeugt, dass die Qualität, die Expressivität einer Aussage oder deren Ausbleiben zu einem großen Teil vom kreativ mitschaffenden Leser oder Betrachter abhängt. Mit Caroline verbindet Schmidauer die Begeisterung für die Versuche einem künstlerischen Spürsinn zu folgen. Dieser kann mittels Bild und Wort offengelegt und zu einem Nachvollzug angeboten werden.
Wie funktioniert Erkennen und was hat man davon? Schmidauer legt Wahrnehmungsformen frei, die unter dem gebräuchlichen, verstandesorientierten Vorstellungsvermögen herauszuwachsen beginnen. Künstler aller Zeiten verwendeten scheinbar Diffuses, wie Metapher, Vermutung, Ahnung, Traum und die Akzeptanz des Irrationalen im Menschen, um an die Stelle von Einseitigkeit die Vielfältigkeit möglichen Begreifens zu setzen. Deren Spuren folgt der mehrfache Buchautor. Schmidauer: „Sich auf das Befremdliche einlassen, bedeutet neue Türen zu sich selbst zu öffnen“. Wer neue Türen aufmachen will, hat am 17. April (Mittwoch) um 19 Uhr im Musil-Museum (Bahnhofstraße 50, Klagenfurt) Gelegenheit dazu. Bei Buchpräsentation und Vernissage von Carolines „besonderem Bildergarten“ – mit einleitenden Gedanken von Mag. Alexander Gerdanovits, dem Leiter der Kulturabteilung. Aus dem Buch zitieren Autor Schmidauer und Theater-Legende Arthur Fischer. Sie werden musikalisch von Landeskulturpreisträger Arthur Ottowitz mit der Mundharmonika begleitet. Wer ein regelrechtes „Buchstaben-Gewitter“ über sich ergehen lassen will, kann das eine Woche später „genießen“ – bei „Wortanfälle und Einsichten mit Aussichten“. Am 24 April (Mittwoch), ebenfalls um 19 Uhr und erneut im Musil-Museum. Günter Schmidauer und Arthur Fischer stellen sich einer Diskussion über literarische Grundsätze, Text-Grenzen, über Wortklauber, Auslegungsmöglichkeiten, Sätze-Akrobaten und verschiedene Stilrichtungen. Oder eben über einen fehlenden Stil. Ein sicherlich interessanter Abend, der vom Klagenfurter Autor Dr. Harald Raffer moderiert wird. Für Musik sorgt bei diesem spannenden Kultur-Event der Extraklasse wieder Prof. Arthur Ottowitz.
(Anmeldungen zur Buchpräsentation: musilmuseum@klagenfurt.at), Eintritt frei, Besucher willkommen!
Eine Text-Kostprobe
Kampf dem Quengelgeist, der die kleinen Geister speist. Die nämlichen erhaschen grad, was zappelte am Maschendraht. Der hängt nun eng an allen Stirnen: Zugang versperrt zu ihren Hirnen.
