St. Veit/Glan
Vierbergelauf: “Das war die härteste Wallfahrt Kärntens!”
Tausende Pilger begaben sich nach der feierlichen Messe um Mitternacht in der Kirche am Magdalensberg auf den knapp 50 Kilometer langen Marsch.
Schon bei der Anfahrt zum Magdalensberg, den einige bereits von St. Veit zu Fuß erklimmen, wird deutlich: „Hier wartet viel, nur nichts Gewöhnliches!“ Um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten, wird die Organisation eines “Taxis” empfohlen, das die Pilger zum Startpunkt bringt und am Ende der Tour wieder abholt.
Die Taschenlampen erzeugen ein faszinierendes Lichtermeer, viele tragen Kreuze, manche gehen barfuß. Während der Wanderung hört man Murmeln: „Rede nicht so viel, finde zu dir selbst.“ „Laufe für den Herrgott.“ Andere beten den Rosenkranz. Nach einigen Stunden bricht der neue Tag an, und bereits jetzt wird die Anstrengung des Bergabgehens deutlich. Nach etwa vier bis fünf Stunden und über 14 Kilometern erreichen die Pilger pünktlich zum Sonnenaufgang den nächsten Gipfel.
Morgendliche Impressionen am Ulrichsberg
Erschöpft vom Marsch durch das Zollfeld, angetrieben von den wärmenden Sonnenstrahlen und mit den ersten Blasen an den Füßen ist es Zeit für eine erste Pause. Spätestens jetzt wird einem bewusst, dass noch zahlreiche Herausforderungen bevorstehen. Um 6.00 Uhr morgens am Gipfel des Ulrichsbergs scheinen jedoch alle Strapazen der letzten Stunden vergessen: Ein gemütlicher Kaffee, der erste Bissen Jausenbrot als Frühstück. “Ich wurde von meinen Arbeitskolleginnen überredet”, erklärt Claudia W. die Beweggründe ihrer Teilnahme an der 50 Kilometer langen Wandertour. Vor einem Jahr hatte sie mit Rückenproblemen zu kämpfen. “Konsequentes Training in einer bekannten Rückenschule in Klagenfurt haben mich für die Aufgabe fit gemacht”. Von Entspannung kann bei diesem Marsch wirklich keine Rede sein, und trotzdem: “Das Gefühl es endlich geschafft zu haben, ist mit nichts zu vergleichen”, ergänzt ihre Freundin Kati, für die es bereits die zweite Veranstaltung ist: “Ich liebe eben Herausforderungen”, schmuzelt sie.
Herausforderungen auf dem Veitsberg
Auf dem Weg über Zweikirchen durch das Glantal durchlebt man ein Wechselspiel der Gefühle: Irgendwo zwischen „Warum tue ich mir das an?“ und „Ich weiß ganz genau, warum ich hier bin.“ Der Anstieg auf den Veitsberg auf 1.171 Meter stellt viele Vierbergläufer vor große Herausforderungen. Während der Wanderung sammeln viele Pilger das sogenannte Berglerlaub, immergrüne Zweige von Bärlapp, Karfunkel, Buchsbaum und Wacholder, die sie sich auf den Hut oder den Wanderstab stecken.
Beschaulicher Ausklang auf dem Lorenziberg
Der Abstieg vom Veitsberg ist anspruchsvoll! Spätestens hier bedauert man, kein zweites Paar Schuhe dabei zu haben. Dennoch ändert sich die Stimmung unter den Wandernden, denn es ist der letzte der vier Berge. Die Wanderer unterhalten sich, lachen und bewegen sich im Rhythmus der Gruppe. Mit fast freudiger Erwartung nähert man sich der Kirche auf dem Lorenziberg – ein Gefühl, das viele Jahr für Jahr erleben wollen. Nach einer letzten Andacht auf dem Lorenziberg folgt ein Schnapserl an einem der Stände, ein Bier in geselliger Runde. Es geht noch ungefähr eine halbe Stunde bergab zum Parkplatz, und kurz vor Ende ist der Moment gekommen: Man zieht die Schuhe aus. Man hatte sie zuvor schon leicht geöffnet, aber jetzt kann man keinen Schritt mehr in diesen Schuhen gehen. Leichtfüßig geht es lachend bergab, ein letztes Bier auf dem Parkplatz, vielleicht ein letzter Schnaps. Man schwört sich, das nie wieder zu tun. Doch gleichzeitig weiß man, dass man wieder pilgern wird. Am Ende des Vierbergelaufs gibt es nur noch eins zu sagen: HALLELUJAH!
- Tausende Pilger nehmen jedes Jahr den Vierbergelauf in Kärnten in Angriff.
- Letzter Ansturm auf Sörg und den Lorenziberg.
- Nur die Stirnlampen der Pilger erleuchten den Weg.
- Der Startschuss für tausende Pilger erfolgte um Mitternacht bei der Kirche am Magdalensberg.
- Am Gipfelkreuz des Ulrichsberg angekommen.
- Die Glan im Morgengrauen






