"Im Zeitraffer"

Der Spi­on, der aus dem schö­nen Kärn­ten kam….

Sie gelten als „Schatten-Wesen“, eiskalte Profis, menschliche Chamäleons, gewissenlose Draufgänger und Verstellungskünstler der besonderen Art – Spione! Weniger freundlich ausgedrückt, kann man sie als Verräter, Denunzianten, Überläufer oder Spitzel bezeichnen. Die einen machen es für Geld, die anderen werden erpresst, stehen heimlich im Dienst einer fremden Macht oder sind eitle „Wichtigmacher“. Derzeit sorgt der gebürtige Kärntner Egisto O. für eine Affäre mit allen Zutaten eines Thrillers. Er soll für Putins Reich „gearbeitet“ haben. James Bond lässt grüßen!

Der Spi­on, der aus dem  schö­nen Kärn­ten kam…."Als Journalist hatte ich immer wieder mit Agenten zu tun", schreibt Harald Raffer im "Zeit Raffer".

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Wer­den auch Sie, geschätz­te Lese­rin, geschätz­ter Leser, heim­lich aus­ge­horcht und gefilmt, wer­den Ihre Com­pu­ter-Daten mit der „Ale­xa“ oder dem TV-Gerät abge­saugt und teu­er ver­kauft? Von der NSA oder von hei­mi­schen Staats­schüt­zern? Wohl kaum, weil sich das Inter­es­se einer frem­den Macht an Ihrem Pri­vat­le­ben ver­mut­lich in Gren­zen hält. Selbst wenn Reiz­wör­ter wie „Ter­ror“, „Angriffs­zie­le“ oder „Bom­ben“ bei Ihren Tele­fon­ge­sprä­chen fal­len soll­ten. Ande­rer­seits hat etwa der genann­te US-Geheim­dienst Hun­dert­tau­sen­de Begrif­fe „auf­ge­fan­gen“ und gespei­chert. Täg­lich erfah­ren wir jetzt, was Egis­to O., ein Mann aus der beschau­li­chen Kärnt­ner Gemein­de Pater­ni­on, für ein knall­har­ter Meis­ter­spi­on gewe­sen sein soll. Für den Ex-Staats­schüt­zer, der in U‑Haft ein­sitzt, gilt die Unschulds­ver­mu­tung. Der Tipp zu sei­ner Ent­tar­nung kam von einem befreun­de­ten aus­län­di­schen Dienst. So soll Herr O. sogar Befeh­le aus Mos­kau erhal­ten, gestoh­le­ne Smart­phones von lei­ten­den Beam­ten ver­kauft und einen rus­sisch-kri­ti­schen Inves­ti­ga­tiv-Jour­na­lis­ten aus­ge­späht haben. Gemein­sam mit einem geflüch­te­ten Vor­ge­setz­ten und einem in Russ­land unter­ge­tauch­ten Wirt­schafts­boss. Mitt­ler­wei­le gibt es Ver­mu­tun­gen, dass O. sen­si­ble Daten, Namen und Ope­ra­tio­nen auch ande­ren Staa­ten ver­kauft haben könn­te. Und Öster­reich wäre nicht Öster­reich, wenn man der gan­zen Geschich­te nicht eine Nes­troy-Pos­se abge­win­nen könn­te. Der ein­sit­zen­de Kärnt­ner, gegen den ein­mal erfolg­los ermit­telt wor­den ist, recht­fer­tig­te sein „Schattenmann“-Dasein mit der Aus­re­de, er hät­te nur in dunk­len Geheim­dienst­krei­sen recher­chiert und woll­te als Hob­by-Jour­na­list „alles auf­de­cken“. Man kommt aus dem Stau­nen nicht her­aus. Und was machen unse­re glor­rei­chen Par­tei­en? In die­sem Fall vor allem die FP und die VP, die zuletzt die Innen­mi­nis­ter gestellt haben? Sie schie­ben sich täg­lich den „schwar­zen Peter“ zu. Kei­ner will etwas von den unheim­li­chen Tätig­kei­ten des ent­tarn­ten Kärnt­ners und sei­ner Kom­pli­zen gewusst haben. Das ist ja noch schlim­mer! Man kann also in der Wie­ner Her­ren­gas­se oder beim ehe­ma­li­gen Bun­des­amt für Ver­fas­sungs­schutz und Ter­ro­ris­mus­be­kämp­fung in aller Ruhe einer „beson­de­ren“ Agen­ten-Beschäf­ti­gung nach­ge­hen. Kein Wun­der, wenn aus­län­di­sche Diens­te unse­ren Staats­schutz wenig ver­trau­ens­voll als „Schwei­zer Käse“ bezeich­nen. Wer ist also ein Sicher­heits­ri­si­ko? Was wuss­te Kickl, was Neham­mer, was Kar­ner? Der kürz­lich erfolg­te Auf­tritt des aktu­el­len VP-Innen­mi­nis­ters in einer ORF-ZIB-2-Sen­dung zum „Agen­ten-Skan­dal“ ent­pupp­te sich als wenig pro­fes­sio­nell und ver­dient das Prä­di­kat „pein­lich“. Eine Ver­schär­fung der Geset­ze (Spio­nie­ren gegen Öster­reich) dürf­te da wenig hel­fen, es wird wei­ter auf Teu­fel komm raus „geschnüf­felt“. Die Bot­schaf­ten sind voll mit „unauf­fäl­li­gen Her­ren“ und „spe­zi­ell geschul­ten Damen“.

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“KLiCK”-Kärnten Kolum­nist Harald Raf­fer macht Geschich­ten zum The­ma.
© Klick Kärn­ten

Als Jour­na­list hat­te ich immer wie­der mit Agen­ten zu tun. So hat mir in Wien der ehe­ma­li­ge bri­ti­schen Bot­schaf­ter Leigh Thur­ner erklärt, dass der Kreml ein­deu­tig hin­ter einem Gift­an­schlag auf einen ehe­ma­li­gen rus­si­schen Dop­pel­agen­ten in Lon­don ste­hen wür­de. Es gäbe aus­rei­chend Bewei­se. Der rus­si­sche Bot­schaf­ter Dmi­t­ri Lju­bin­ski erklär­te mir hin­ge­gen, dass die­se Beschul­di­gun­gen „völ­lig aus der Luft gegrif­fen wären“ und es sich wie­der um „halt­lo­se Beschul­di­gun­gen des Wes­tens“ han­deln wür­de. Ver­mut­lich hat­ten die Kil­ler aus dem Osten geschlampt. „Durch­leuch­tet“ wird man von spe­zi­el­len Sicher­heits­leu­ten, wenn man mit einem aus­län­di­schen Dik­ta­tor ein per­sön­li­ches Inter­view füh­ren will. Das habe ich u. a.  in Liby­en bei einem Tref­fen mit M. Gad­da­fi erlebt. Sogar Kugel­schrei­ber muss­ten auf­ge­schraubt wer­den. Der Wie­ner US-Bot­schaf­ter Felix Bloch wur­de sei­ner­zeit abbe­ru­fen, weil er für die Rus­sen spio­niert haben soll. Bloch wur­de nie ver­ur­teilt und hat alle Vor­wür­fe stets bestrit­ten – auch in einem Tele­fo­nat mit mir. Vor ver­ein­bar­ten Begeg­nun­gen mit den Bot­schaf­tern aus dem Iran, den Ver­ei­nig­ten Ara­bi­schen Emi­ra­ten und der Tür­kei haben mich zuvor immer freund­li­che Her­ren in teu­ren Maß­an­zü­gen emp­fan­gen, zeig­ten sich bes­tens infor­miert und „check­ten“ mich ab. Das waren sicher kei­ne „nor­ma­len“ Sekre­tä­re. Ein lan­ges Inter­view in einem Münch­ner Lokal mit dem aus der Haft ent­las­se­nen ehe­ma­li­gen jugo­sla­wi­schen Geheim­dienst-Oberst J. Majer­ski, der als getarn­ter Ober­kell­ner Exil-Kroa­ten in Deutsch­land ans Mes­ser gelie­fert hat­te, wur­de vom Deut­schen Bun­des­nach­rich­ten­dienst abge­hört, mit­ge­schnit­ten und ans Innen­mi­nis­te­ri­um nach Wien geschickt. Ich hat­te vor Jah­ren eine Serie über „Titos Meis­ter­spi­on“ ver­fasst. Zudem haben „unse­re“ Kärnt­ner Staats­schüt­zer immer „wich­ti­ge Infos“ über mich gesam­melt, die zum Groß­teil von einem eigen­ar­ti­gen Erfin­dungs­reich­tum zeug­ten. So hat­te man behaup­tet, ich hät­te vor Ort in der Alt-Nazi-Sze­ne in einem mit­tel­ame­ri­ka­ni­schen Staat recher­chiert und man hät­te ent­spre­chen­de Bil­der dazu. Die Fotos wur­den mir nie gezeigt. Kein Wun­der, in dem besag­ten Land war ich lei­der noch nie. Vor Jah­ren spio­nier­ten in Deutsch­land Jour­na­lis­ten Kol­le­gen aus und ver­rie­ten sie an den Bun­des­nach­rich­ten­dienst – für Geld oder Geschich­ten. Wen soll man also noch trau­en kön­nen?

Blei­ben wir in Öster­reich: Wir ver­fü­gen neben den tap­fe­ren zivi­len Staats­schüt­zern des DSN zwei wei­te­re (un)heimliche Diens­te – näm­lich beim Bun­des­heer. Die Befug­nis­se die­ser „Schat­ten-Leu­te“ las­sen einem die Haa­re zu Ber­ge ste­hen – sogar vom Abhö­ren oder der Beschlag­nah­me von Zivil­fahr­zeu­gen in Frie­dens­zei­ten ist die Rede.Wer kon­trol­liert eigent­lich die­se uni­for­mier­ten „Ohren“ und „Augen“? Das Hee­res­ab­wehr­amt und das Hee­res­nach­rich­ten­amt. Meist par­tei­po­li­tisch (nach Pro­porz) besetzt. Auch wenn die­ser Appa­rat auf­ge­bläht erscheint, gilt er im Aus­land als „ziem­lich pro­fes­sio­nell“. Vor allem gewis­se Ana­ly­sen wer­den sehr geschätzt. Da kön­nen sich die zivi­len Spio­ne eini­ges abschau­en. Zurück zum Herrn O. , die­sem Kärnt­ner Wun­der­wuz­zi, der angeb­lich jah­re­lang unge­hin­dert mehr oder weni­ger wert­vol­les Info-Mate­ri­al pro­blem­los absau­gen konn­te: Was kommt noch an die Öffent­lich­keit? Was weiß man schon und ver­öf­fent­licht es nicht? Man darf gespannt sein. James Bond hat schon ein­mal unser Bun­des­land besucht – für einen 007-Film. Ich konn­te mich damals zu Timo­thy Dal­ton „durch­kämp­fen“.  Der „Hauch des Todes“ wur­de ein Welt­erfolg. Von einer erfolg­rei­chen Auf­klä­rungs­ar­beit in der Cau­sa O. sind unse­re Behör­den noch mei­len­weit ent­fernt. In der Zwi­schen­zeit „schie­ßen“ die eins­ti­gen Koali­ti­ons­part­ner VP und FP Gift­pfei­le ab– schließ­lich wird im Herbst gewählt. Mit oder ohne Hil­fe sen­si­bler Daten.

13.04.2024 15:00 - Update am: 13.04.2024 15:05
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Der Spi­on, der aus dem  schö­nen Kärn­ten kam…."Als Journalist hatte ich immer wieder mit Agenten zu tun", schreibt Harald Raffer im "Zeit Raffer".

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