Klagenfurt
Wenn drei Parteien Hochzeit feiern….
Es war schon zu erwarten und klingt nach einem ausgemachten Spiel mit gezinkten Karten und wenig Trümpfen: In Klagenfurt haben sich jetzt das Team Kärnten, die Volkspartei und die Freiheitlichen zusammengeschlossen.
Das nennt sich „Projektpartnerschaft“, weil eine fixe Koalition doch von vielen Kritikern nicht goutiert werden würde. Damit besitzen diese drei Parteien im Stadtsenat und im Gemeinderat eine hauchdünne Mehrheit. Eine „Arbeitsgemeinschaft“ ist bereits zu Grabe getragen worden – zwischen SP, TK und VP. Das gelobte „Spiel der freien Kräfte“ ist jetzt ebenfalls vorbei. Begründet wird die neue „Partnerschaft“ mit dem gescheiterten Versuch der SP, den nach einem Objektivierungsverfahren Erstgereihten als neuen Magistratsdirektor durchzubringen. Zugegeben – in dieser Causa haben sich die Rathaus-Roten und ihr Favorit für den Magi-Posten nicht mit Ruhm bekleckert. Für die anderen Rathausparteien kommt das aber wie gerufen. So hat man wenigstens einen Vorwand gefunden, um die bürgerliche Mehrheit durchzuboxen. Und schon wird überlegt, wie man eventuell die Referate neu aufteilen bzw. sie einigen Politikern entziehen kann. Und ja – es gibt eine Neuausschreibung in der unendlichen Geschichte des Magistratsdirektors! Kosten? Egal! Das blecht ja eh der Steuerzahler! Auch bei anderen Projekten greift man für Sachverständige, Rechtsberater, Gerichtskosten, Planer und Architekten gerne tief in den Steuerzahlertopf. Motto: „Darfs a bisserl mehr sein?“ Mittlerweile habe sich jene politischen Marktschreier beruhigt, die den Rücktritt von SP-Vizebürgermeister Philipp Liesnig gefordert hatten. Dabei ist die SP die stärkste Partei im Klagenfurter Parlament. Was ist jedoch mit den ach so „supersauberen“ Mitbewerben los?
Gegen TK-Clubobmann, Gemeinderat und Doch-nicht-Vizebürgermeister Patrick Jonke ermittelt immer noch die Staatsanwaltschaft. Es geht um die berühmt-berüchtigte „Überstunden-Affäre“. Für den Bürgermeister-Büroleiter und Autoreinigungsspezialisten gilt selbstverständlich die Unschuldsvermutung. Bekanntlich hat der Stadtrechnungshof in Zusammenhang mit zahlreichen verrechneten Überstunden (vom Bierfest bis zur Starnacht) von gewissen Überschneidungen „gesprochen“. Bei der Volkspartei versucht sich gerade Julian Geier zu profilieren und sich vom ziemlich farblosen Stadtrat Max Habenicht abzuheben. Bei den „Schwarz-Türkisen“ weiß man derzeit allerdings nicht so genau, wer noch auf den VP-Stadtrat-Sessel spitzt. Das reicht von Gemeinderat Manfred Jantscher über Anna Ott bis hin zu Siegfried Wiggisser. Bei den Klagenfurter Freiheitlichen ist die unermüdliche Sandra Wassermann eifrig am Werken, strategisch steht ihr Clubchef Skorianz zur Seite. Noch erinnert man sich, wie Wassermann als damalige FP-Bürgermeister-Scheider-Vertraute diesen zu den meisten Terminen begleitete. Sie übernahm schließlich das FP-Chef-Amt. Und Bürgermeister Scheider (mittlerweile TK)? Er hat mit einigen massiven Baustellen zu kämpfen, u. a. mit dem alten Magistratsdirektor Peter Jost. Das reicht vom gezogenen Notfallparagrafen bis hin zum Arbeitsgerichtsprozess. Der Ausgang ist weiter ungewiss. Aber der Steuerzahler wird schon für die ganze Misere aufkommen. So gesehen wollen manche Rathausgrößen von der unfreiwilligen Verlängerung der unendlichen Magistratsdirektor-Geschichte profitieren. Die gelb-schwarz-blaue „Projektpartnerschaft“ lebt von einer knappen Mehrheit. In der jüngsten Vergangenheit haben ihre Vertreter nicht nur Nettigkeiten ausgetauscht. Deshalb meinte SP-Klubobmann Franz Petritz: „Das neue Bündnis ist ein Spiel auf Kosten der Stadt!“. Ein Kartenhaus? Man wird sehen. Neos-Klubobmann Janos Juvan sieht die Zukunft ziemlich schwarz: „Damit hat die Stadt Klagenfurt ihr Abo auf die dunklen Deals im Hinterzimmer erneut verlängert“. Da könnte man vermutlich einige dieser Deals benennen. Und die Grüne-Stadtparteiobfrau Margit Motschiunig fürchtet, dass diese „Partnerschaft“ die „grundlegenden Probleme der Stadt nicht kitte werde“. Die nächste „ordentliche“ Gemeinderatswahl steht im Feber 2027 an. Da fließt noch viel Wasser die Glan hinunter. Und was pfeifen die bösen Rathausspatzen vom Steinbau am Neuen Platz? Bei einem „Dreier“ bleibt meist einer übrig…
-mg
