"Im Zeitraffer"

Nazi-Gegrö­le: So sind wir nicht!

„Wahnsinn!“ Dieses Wort beschreibt den schwer nachvollziehbaren Umstand, dass im 21. Jahrhundert der braune Sumpf blüht und gedeiht!

Nazi-Gegrö­le: So sind wir nicht! "KLiCK"-Kärnten Kolumnist Harald Raffer macht Geschichten zum Thema.

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Schwa­che Men­schen träu­men vom „star­ken Mann an der Macht“, von einem heils­brin­gen­den Erlö­ser. In ihrer beschränk­ten Gedan­ken­welt seh­nen sie sich nach Zucht und Ord­nung, nach einem Dik­ta­tor, der kla­re Regeln vor­gibt und lebens­un­wer­te Stö­ren­frie­de aus­löscht. Nach dem Nazi­pa­ro­len-Gegrö­le auf Sylt und in Nie­der­ös­ter­reich sind kürz­lich auch Vide­os aus zwei Kärnt­ner Dis­co­the­ken auf­ge­taucht, in denen Gäs­te zur Melo­die von Gigi D‘Agostinos „L‘ amour tou­jours“ Paro­len wie „Aus­län­der raus!“ brül­len. Die Poli­zei ermit­telt, es hagelt Kri­tik an den gefähr­li­chen Schrei­häl­sen. Völ­lig zu Recht!

„Erin­nern tut weh. Es löst Ent­set­zen aus und lässt ver­stum­men und auf­schrei­en zugleich. Sich den bedrü­ckends­ten Wahr­hei­ten unse­rer Geschich­te zu stel­len, ist unver­zicht­bar!“, mein­te die deut­sche Poli­ti­ke­rin Rita Süß­muth. Wenn es dar­um geht, sich unse­rer Geschich­te zu stel­len, fin­den Neo- und Alt-Nazis sofort „alter­na­ti­ve Fak­ten“ und mutie­ren zu wah­ren Geschichts­ver­dre­hern und erbärm­li­chen Holo­caust-Leug­nern. 60 Mil­lio­nen Tote in einem alb­traum­haf­ten Welt­krieg, die den All­machts­fan­ta­sien eines grö­ßen­wahn­sin­ni­gen Tyran­nen zum Opfer gefal­len sind, wer­den beden­ken­los zur Sei­te gewischt. Noch heu­te fan­ta­sie­ren Ewig­gest­ri­ge von einem „Heim­keh­ren ins Reich“ und einer „aus­er­ko­re­nen Ras­se“. Und man trom­melt gegen die „stets bösen Aus­län­der“, „kri­mi­nel­le Asy­lan­ten“, „Mas­sen-Zuwan­de­rung“ und die „heim­li­che Erobe­rung Euro­pas durch gebur­ten­freu­di­ge Mos­lems“. Ohne Zwei­fel – man muss bestehen­de Pro­ble­me der Immi­gra­ti­on klar anspre­chen kön­nen, ohne gleich als „rechts­po­pu­lis­tisch“ abge­stem­pelt zu wer­den. Etwa Schwie­rig­kei­ten im Bil­dungs­sys­tem, feh­len­de Unter­brin­gungs­mög­lich­kei­ten oder ent­ste­hen­de „Par­al­lel-Wel­ten“ in unse­rer Gesell­schaft. Sonst über­lässt man die­se heik­len The­men einer bestimm­ten Par­tei, die damit bei ver­un­si­cher­ten Wäh­lern seit Jah­ren Stim­men sam­melt. Eine Demo­kra­tie muss frei­lich viel aus­hal­ten kön­nen. Es gibt aller­dings kla­re Gren­zen. Etwa wenn ver­mumm­te Demons­tran­ten auf der Stra­ße ein Kali­fat (Got­tes­staat mit reli­giö­sem Füh­rer) for­dern. Die­se Herr­schaf­ten sol­len das ein­mal bei ihren mos­le­mi­schen Brü­dern im König­reich Sau­di-Ara­bi­en ver­su­chen, wo sie ver­mut­lich sofort von der Bild­flä­che ver­schwin­den wür­den.

Zurück zu den Schrei­häl­sen in Kärnt­ner Dis­cos: Die Betrei­ber haben sich für die Nazi-Paro­len ent­schul­digt, ande­re Kärnt­ner Nacht­lo­kal-Besit­zer pos­te­ten auf sozia­len Medi­en die Bot­schaft: „Lie­be Aus­län­der, bit­te lasst uns nicht mit den Ras­sis­ten allein!“. Eini­ge Lokal­be­trei­ber kün­dig­ten einen 50-Pro­zent-Rabatt für alle Men­schen mit aus­län­di­schem Pass an. Und vie­le Gas­tro­no­men lie­ßen wis­sen: „Wir sind Mul­ti-Kul­ti!“ Das sind ech­te Licht­bli­cke. Ent­rüs­tet zeig­te sich auch Kärn­tens Lan­des­haupt­mann Peter Kai­ser, der sich stets für geleb­te Tole­ranz und Offen­heit ein­setzt. Der Regie­rungs­chef sprach von einem „unap­pe­tit­li­chen Unfug, der in sozia­len Medi­en Nach­ah­mer fin­det“. Laut Kai­ser müs­sen Tole­ranz und Respekt in einer Demo­kra­tie jeden Tag erar­bei­tet und ver­tei­digt wer­den. Der Lan­des­haupt­mann wört­lich: „So sind wir nicht!“ Und VP-Club­ob­mann Mar­kus Mal­le kri­ti­sier­te die Vor­fäl­le mit den Wor­ten: „Aus­län­der­feind­li­che Gesän­ge sind kei­ne Par­ty-Gags, son­dern lupen­rei­ner Ras­sis­mus – das darf es bei uns nicht geben!“ Der Kla­gen­fur­ter Bür­ger­meis­ter Chris­ti­an Schei­der, der sich für die Erin­ne­rungs­kul­tur ein­setzt: „Offen­sicht­lich fehlt jenen Per­so­nen, die hier gesang­lich in Erschei­nung getre­ten sind, das geschicht­li­che Hin­ter­grund­wis­sen. Das ist kein Spaß!“ Kärn­tens Spit­zen­po­li­ti­ker sind sich einig, dass die­se Ten­denz sofort gestoppt wer­den muss. Ras­sis­ti­sche und aus­län­der­feind­li­che Wort­fet­zen für ein Lied, das eigent­lich der Lie­be gewid­met ist? Der ita­lie­ni­sche Sän­ger Gigi D‘Agostino mein­te in einem „Krone“-Interview: „Am Ende wird die Lie­be stär­ker sein als der Hass!“ Wol­len wir es hof­fen. Und viel­leicht dringt die­se kla­re Bot­schaft in eini­ge kahl rasier­te Köp­fe jener Unbe­lehr­ba­ren, die einen klei­nen schnauz­bär­ti­gen und mit Kom­ple­xen behaf­te­ten Mann als Hel­den sehen, statt als das, war der Brau­nau­er wahr: Ein gewis­sen­lo­ser Mas­sen­mör­der, der sich durch Sui­zid auf fei­ge Wei­se dem inter­na­tio­na­len Gerichts­hof ent­zo­gen hat. Weh­ret den Anfän­gen? Der erschre­cken­de Zulauf rechts­extre­mer Par­tei­en in ganz Euro­pa zeigt – das ist nicht der Anfang, wir sind lei­der schon „mit­ten­drin“.

 

 

04.06.2024 09:00
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Nazi-Gegrö­le: So sind wir nicht! "KLiCK"-Kärnten Kolumnist Harald Raffer macht Geschichten zum Thema.

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