Landwirtschaftskammer

Huber: „Brau­chen rot-weiß-rote Trend­um­kehr“

Der Anteil der Landwirtschaft in der Wertschöpfungskette und das Potential heimischer Lebensmittel für den Kärntner Wirtschaftsstandort sinken. Zu diesem Ergebnis kommen Studien des österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (WIFO).

Huber: „Brau­chen rot-weiß-rote Trend­um­kehr“ Professor Franz Sinabell vom österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung (links) und Landwirtschaftskammer-Präsident Siegfried Huber zeigten die Auswirkungen einer stärkeren Nachfrage nach heimischen Lebensmitteln auf.

© LK Kärnten

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Sieg­fried Huber, Prä­si­dent des Land­wirt­schafts­kam­mer Kärn­ten, for­dert vom Lebens­mit­tel­ein­zel­han­del eine rot-weiß-rote Trend­um­kehr bei Eigen­mar­ken und eine ver­pflich­ten­de Her­kunfts­kenn­zeich­nung für Lebens­mit­tel. Die­ser For­de­rung ist ein Resul­tat der alar­mie­ren­den Aus­wer­tung von Stu­di­en des öster­rei­chi­schen Insti­tuts für Wirt­schafts­for­de­rung (WIFO).

Land­wirt­schaft trägt zum Wohl­stand bei

„In Öster­reich trägt die Land­wirt­schaft maß­geb­lich zum Wohl­stand bei, aller­dings hat das volks­wirt­schaft­li­che Gewicht in den ver­gan­ge­nen Jah­ren abge­nom­men. Betrug der Anteil der Land­wirt­schaft an der Wert­schöp­fungs­ket­te Agrar­gü­ter, Lebens­mit­tel und Geträn­ke im Jahr 2005 noch 20,2 Pro­zent, so ver­rin­ger­te sich die­ser im Jahr 2019 auf 17,5 Pro­zent. Gemes­sen am Brut­to­in­lands­pro­dukt der Volks­wirt­schaft sank der Anteil um ein Zehn­tel – und zwar von 0,9 auf 0,8 Pro­zent“, zeigt Franz Sina­bell, Agrar­ex­per­te des WIFO, auf.

Ana­ly­se der Wert­schöp­fungs­ket­te

Noch kon­kre­ter: In allen Glie­dern der Wert­schöp­fungs­ket­te Nah­rungs­mit­tel und Geträn­ke konn­te in die­sem Zeit­raum die Wert­schöp­fung aus­ge­wei­tet wer­den. In der Lebens­mit­tel-Ver­ar­bei­tung nahm sie real um 34 Pro­zent zu, im Ein­zel­han­del von Nah­rungs­mit­teln und Geträn­ken um 44 Pro­zent sowie in der Gas­tro­no­mie um fast 50 Pro­zent. Der Zuwachs in der Land­wirt­schaft betrug aber ledig­lich 10 Pro­zent. „Das erklärt, war­um die Bedeu­tung der Land­wirt­schaft in der Wert­schöp­fungs­ket­te und der Volks­wirt­schaft ins­ge­samt gesun­ken ist“, ana­ly­siert Sina­bell.

Zu hoher Anteil an Impor­ten

Ursa­chen dafür sind die schar­fe Kon­kur­renz auf inter­na­tio­na­len Agrar­gü­ter­märk­ten und die anhal­ten­de Pro­duk­ti­vi­täts­ent­wick­lung, die real sin­ken­de Agrar­gü­ter­prei­se zur Fol­ge hat. Wer­den in Öster­reich für 100 Euro Lebens­mit­tel gekauft, liegt die inlän­di­sche Wert­schöp­fung bei 46 Euro. Der Anteil für die hei­mi­sche Land­wirt­schaft beträgt nur 3,67 Euro. Ein wesent­li­cher Grund für den nied­ri­gen Wert­schöp­fungs­an­teil in der hei­mi­schen Land­wirt­schaft ist der hohe Anteil an Impor­ten von Agrar­gü­tern. Neben vie­len ande­ren Fak­to­ren trägt dazu auch der Lebens­mit­tel­ein­zel­han­del bei. Dieser setzt ver­stärkt auf Eigen­mar­ken-Lini­en, in denen zuse­hends aus­län­di­sche Roh­stof­fe zum Ein­satz kom­men. So zeigt ein aktu­el­ler Markt-Check der Land­wirt­schafts­kam­mer Kärn­ten bei Milch­pro­duk­ten, dass bei fünf ver­schie­de­nen Pro­duk­ten einer Eigen­mar­ke eines füh­ren­den Lebens­mit­tel­ein­zel­händ­lers Milch aus vier unter­schied­li­chen Län­dern ent­hal­ten ist: Deutsch­land, Däne­mark, Frank­reich und Rumä­ni­en.

Trend­um­kehr gefor­dert

Land­wirt­schafts­kam­mer-Prä­si­dent Huber ortet ange­sichts der Ent­wick­lun­gen mas­si­ven Hand­lungs­be­darf: „Der Lebens­mit­tel­han­del macht Wer­bung mit der hei­mi­schen Land­wirt­schaft, ver­wen­det aber viel zu oft aus­län­di­sche Pro­duk­te in den Eigen­mar­ken. Wir wer­den aus­ge­tauscht.“ Es braucht mehr rot-weiß-rote Soli­da­ri­tät des Lebens­mit­tel­ein­zel­han­dels mit der hei­mi­schen Land­wirt­schaft. „Was wir benö­ti­gen, ist ein Bekennt­nis zu regio­na­ler Qua­li­tät in der gesam­ten Wert­schöp­fungs­ket­te. Und wir brau­chen höhe­re Erzeu­ger­prei­se, um die stän­dig stei­gen­den Betriebs­mit­tel­kos­ten zu decken,“ ver­deut­licht Huber in Rich­tung Lebens­mit­tel­ein­zel­han­del, der im Coro­na-Jahr 2020 stei­gen­de Umsät­ze und Gewin­ne ver­zeich­nen konn­te. In die­sem Zusam­men­hang for­dert er erneut die Umset­zung der ver­pflich­ten­den Her­kunfts­kenn­zeich­nung als Basis für mehr Absatz und mehr Wert­schöp­fung in der Land­wirt­schaft.

Wirt­schafts­mo­tor hei­mi­sche Lebens­mit­tel

Denn: Heimi­sche Lebens­mit­tel hät­ten das Poten­ti­al, den Wirt­schafts­mo­tor in Kärn­ten wei­ter auf Tou­ren zu brin­gen. Wie eine WIFO-Stu­die aus dem Vor­jahr zeigt, geht eine Aus­wei­tung der Nach­fra­ge nach inlän­di­schen Lebens­mit­teln nicht nur mit einem Zuwachs der Pro­duk­ti­on im Agrar­sek­tor ein­her, son­dern auch in den nach­ge­la­ger­ten Ver­ar­bei­tungs­sek­to­ren. Damit ist in der Volks­wirt­schaft ins­ge­samt eine Stei­ge­rung der Wert­schöp­fung und Beschäf­ti­gung ver­bun­den. Laut Stu­die wür­de eine Stei­ge­rung der Nach­fra­ge nach hei­mi­schen Lebens­mit­teln um ledig­lich einen Pro­zent dazu füh­ren, dass die Wert­schöp­fung in der Kärnt­ner Land­wirt­schaft um 3,8 Mil­lio­nen Euro steigt, in der gan­zen Kärnt­ner Volks­wirt­schaft um 8 Mil­lio­nen Euro.

22.09.2021 13:14
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Huber: „Brau­chen rot-weiß-rote Trend­um­kehr“ Professor Franz Sinabell vom österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung (links) und Landwirtschaftskammer-Präsident Siegfried Huber zeigten die Auswirkungen einer stärkeren Nachfrage nach heimischen Lebensmitteln auf.

© LK Kärnten