Fehltritt mit Folgen
So ein Sager darf einem Landeshauptmann nicht passieren
Nach umstrittenen Aussagen über Autismus muss Landeshauptmann Daniel Fellner zurückrudern – die Entschuldigung ist richtig, doch bei einem derart sensiblen Thema darf ein solcher Fehler nicht passieren.
Landeshauptmann Daniel Fellner musste Aussagen zum Thema Autismus noch am selben Tag korrigieren und entschuldigte sich bei Betroffenen und deren Familien.© SPÖ Kärnten
Landeshauptmann Daniel Fellner muss nach Aussagen über Autismus zurückrudern und spricht selbst von einer „inhaltlich nicht richtigen“ Aussage. Die rasche Entschuldigung ist richtig – trotzdem bleibt die Frage, wie eine derartige Vermischung bei einem derart sensiblen Thema überhaupt passieren kann.
KLAGENFURT. Ein Landeshauptmann muss kein Mediziner sein. Aber wer vor laufenden Kameras über Kinder mit Autismus-Spektrum-Störungen, deren Familien und millionenschwere Unterstützungsmaßnahmen spricht, muss wissen, wovon er spricht – oder zumindest so formulieren, dass keine falschen Zusammenhänge entstehen.
Genau das ist Daniel Fellner am Dienstag nicht gelungen.
Inhaltlich falsch
Fellner räumte wenige Stunden nach der Regierungspressekonferenz selbst ein, seine Aussagen zum Autismus-Spektrum seien „inhaltlich nicht richtig“ gewesen. Er habe den Zuwachs psychosozialer Störungen missverständlich mit Autismus-Spektrum-Störungen verbunden und entschuldigte sich bei Betroffenen und ihren Familien. Das ist richtig und notwendig. Dass Fellner den Fehler noch am selben Tag öffentlich eingesteht, ist ihm zugutezuhalten. Doch eine Entschuldigung macht aus einer falschen Aussage nicht nachträglich eine belanglose sprachliche Panne.
Sensibles Thema
Gerade hier ist Präzision entscheidend. Die WHO beschreibt Autismus als eine Gruppe von Bedingungen, die mit der Entwicklung des Gehirns zusammenhängen. Auch das österreichische Gesundheitsportal spricht von einer Entwicklungsstörung und nennt unter anderem genetische Faktoren als wesentlichen Bestandteil der Ursachenforschung.
Umso problematischer ist es, Autismus in einem Gedankengang mit einem allgemeinen Anstieg psychosozialer Störungen zu vermengen.
Noch dazu betrifft das Thema unmittelbar viele Kärntner Familien: Aktuell unterstützt das Land 182 Kinder und Jugendliche mit Autismus-Spektrum-Diagnosen im Schulalltag, im Schuljahr 2024/25 waren es 107. Dafür stehen rund 2,7 Millionen Euro bereit.
Verantwortung zählt
Politiker dürfen sich versprechen. Auch ein Landeshauptmann darf Fehler machen. Aber bei Gesundheit, Behinderung und der Lebensrealität von Kindern und Familien gelten andere Maßstäbe als bei einem Zahlendreher in einer Budgettabelle.
So etwas darf einem Landeshauptmann in dieser Form einfach nicht passieren.
Denn gerade Menschen, die täglich um Verständnis, Inklusion und Unterstützung kämpfen, haben Anspruch darauf, dass über sie nicht nur wohlwollend – sondern vor allem fachlich korrekt gesprochen wird.
