Nicole Cidej
Vereinbarkeit von Familie und Beruf als Drahtseilakt
Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist ein Drahtseilakt. Wenn dann noch der Faktor hinzukommt, dass es sich um die eigene Firma handelt, ist viel Fingerspitzengefühl, Zusammenarbeit und vor allem Planung notwendig. Nicole Cidej, Geschäftsführerin des Friseursalons „Pinned up Style“ in Klagenfurt, kennt diese Thematik.
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Seit knapp zwölf Jahren führt Nicole Cidej ihren Friseursalon „Pinned up Style“ auf dem Heuplatz in Klagenfurt mit vollem Einsatz und könnte sich nichts Schöneres vorstellen. „Der Kinderwunsch entstand dann erst so richtig im ersten Lockdown, als klar wurde, dass es auch anders geht“, erzählt sie im Gespräch mit „KLiCK Kärnten“. Hatte sie vorher die gesellschaftlich vorherrschende Meinung, dass vor allem Unternehmerinnen zu wenig Zeit und Ressourcen zur Verfügung hätten, um auch der Elternrolle gerecht zu werden, entschied sich das Paar, einen Weg zu finden.
Allein auf weiter Flur
Fragen, wie es finanziell umsetzbar und wie die Karenz aufgeteilt wird, kommunizierten sie bereits vor der Schwangerschaft. „Spontan geht als Selbstständige nichts“, berichtet Cidej. Die Unterstützung wie auch die Beratung kommen hier seitens der Zuständigen allerdings zu kurz. Wo das Thema Vereinbarkeit auf politischer Ebene in aller Munde ist, gibt es für selbstständige Betriebsinhaber kaum eine Lobby. Es besteht die Möglichkeit, zwischen verschiedenen Karenzmodulen zu wählen und den Antrag für eine Betriebshilfe zu stellen. Allerdings wird der Verdienst dieser dann anstelle des Kinderbetreuungsgelds herangezogen. „Es sagt dir auch niemand vorher, dass das Geld für den Mutterschutz erst im Nachhinein ausbezahlt wird und man somit acht bis zwölf Wochen ohne Geld rechnen muss“, bedauert Cidej. Zumindest das änderte sich in der Zwischenzeit (siehe hier).

Rund ein Jahr Vorbereitung stecken in der Kinderplanung. Das Team, das geschlossen hinter der Unternehmerin steht, wurde in allen Bereiche eingeschult, die Steuerberatung wurde miteinbezogen und alle Lieferanten und Kunden vorbereitet. Alles rundherum muss im Vorfeld organisiert sein, damit es im Nachhinein keine bösen Überraschungen gibt.
Wiedereinstieg und gesellschaftliche Akzeptanz
Bereits zwei Wochen nach der Geburt steht die junge Geschäftsmama wieder für ein paar Stunden im Friseursalon: „Nach dem Dezember-Lockdown und vor dem Weihnachtsgeschäft wäre es nicht anders möglich gewesen“. Aus dem Umfeld und von den Kunden kommt dafür nicht nur Zuspruch und teilweise wenig Verständnis. Dass aber zu Hause ein liebevoller Papa ist, der Bezug aufbaut und eine zentrale Rolle im Leben der kleinen Kiara spielt, sehen wenige. „Wir haben alles 50/50 aufgeteilt, bis auf das Stillen“, sagt die glückliche Mama. Aussagen wie „Die Frau gehört nach Hause“ oder die Tatsache, dass es überall nur darum geht, was die Mama alles machen soll, schieben die beiden beiseite. Sie sehen ein zufriedenes, umsorgtes Baby und Kiara merkt, wie ausgeglichen und stimmig ihre Eltern den Alltag meistern. „Wenn ich zu Hause bin, dann haben wir quality time“, betont Cidej.
Luft nach oben
Fragt man die Unternehmerin nach den Verbesserungsvorschlägen, geht die Tendenz ganz klar in die Forderung für bessere Aufklärung und Beratung. Auch müsste die Bürokratie vereinfacht werden, dass man nach der Geburt Mama sein kann und nicht allen Anträgen hinterhertelefonieren muss. Das Gefühl, dass Unternehmerinnen mit Familienwunsch an den Rand gedrängt werden und auch teilweise behandelt werden, als wären bei diesen Unmengen an Geld vorhanden, kann Cidej bestätigen. Trotzdem rät sie allen, die neben dem Beruf eine Familie gründen möchten, Mut zu haben und die Wege zu gehen. Mit einer guten Vorbereitung und unter Einbeziehung des Umfelds steht einem Kinderglück nichts im Wege.
Die junge Familie ist zu hundert Prozent glücklich mit ihrer Entscheidung und meistert jeden Tag gemeinsam. Ab Februar ist die Power-Mama an drei Tagen im „Pinned up Style“ anzutreffen und freut sich über viele alte und neue Kunden.