Ruth Feistritzer
„Die Bandscheibe zwischen den Wirbelkörpern“
Jedes Unternehmen soll blühen und gedeihen, stellt Gewerkschafterin Ruth Feistritzer aus Klagenfurt klar. Eine wichtige Rolle nehmen dabei Betriebsräte ein, die den Arbeitgeber als Vermittler unterstützen.
© Gernot Gleiss
In Kärnten ist in 419 Unternehmen ein Betriebsratsgremium installiert. Der ÖGB (Österreichische Gewerkschaftsbund) Kärnten regt nun mit einer Kampagne zu mehr Betriebsratsgründungen an – „KLiCK Kärnten“ berichtete (siehe hier).
Post- und Fernmeldebedienstete
Eine, die diese Kampagne unterstützt, ist Ruth Feistritzer. Die Klagenfurterin ist nicht nur politisch als Landtagsabgeordnete (SPÖ) aktiv, sondern auch für die Gewerkschaft: Sie steht dem ÖGB in Klagenfurt vor und vertritt die Interessen der Gewerkschaft für Post- und Fernmeldebedienstete (GPF), der 2.651 Mitglieder in Kärnten angehören. Sie ist Vorsitzende dieser Fachgewerkschaft in Klagenfurt und Mitglied im Landesausschuss.
Gewerkschaftsschule besucht
Im Alter von 19 Jahren kam sie erstmals mit der Gewerkschaft in Verbindung. „Ich habe die Gewerkschaftsschule besucht, um mich weiterzubilden“, erzählt Feistritzer im Gespräch mit „KLiCK Kärnten“. Dort erlangte sie das Grundwissen, um sich für Arbeitnehmer einzusetzen und zugleich den Arbeitergeber besser zu verstehen. Mittlerweile leitet sie eine Filiale der Österreichischen Post AG in Klagenfurt.
Nicht in unterschiedliche Richtungen
Gewerkschaft und Betriebsrat nehmen die wichtige Rolle des Vermittlers zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber ein. „Es ist im Interesse aller, dass ein Unternehmen blüht und gedeiht“, stellt Feistritzer klar. Dabei haben alle, Arbeitgeber und Arbeitnehmer, an einem Strang zu ziehen. „Wenn der Unternehmer Richtung Süden möchte, die Mitarbeiter aber nach Norden rudern, wird das nicht funktionieren“, beschreibt Feistritzer. Genau hier kommen Betriebsräte ins Spiel: „Natürlich haben Betriebsräte die Mitarbeiter zu schützen, aber jede Veränderung auch als Chance zu vermitteln, wenn sie in Abstimmung mit der Geschäftsführung davon überzeugt sind.“
Coach für die Arbeitnehmer
Feistritzer betrachtet Betriebsräte deshalb vor allem als Coach für die Mitarbeiter. „Betriebsräte sind die Bandscheibe zwischen den Wirbelkörpern“, zieht sie einen Vergleich. Diese Wirbelkörper gilt es zu verbinden. Bei ihrer Arbeit im Sinne des Wohls des Unternehmens und im Interesse der Arbeitnehmer sind Betriebsräte mitunter auch Widerstand beider Seiten ausgesetzt. Das Engagement von Betriebsräten ist, so Feistritzer, deshalb nicht hoch genug einzuschätzen. Vor allem, weil sie ehrenamtlich tätig sind. Erst ab einer Mitarbeiteranzahl von 150 arbeitet der Betriebsrat dienstfreigestellt.
