"Im Zeitraffer"
ORF: So blau blüht kein Enzian….
„Ja, ja, so blau, blau, blau blüht der Enzian, wenn beim Alpenglühn wir uns wiedersehn…“. Nein, gemeint ist diesmal nicht der bekannte Song von Heino, sondern von der FP geplante Umfärbe-Aktionen im ORF während ihrer Regierungsbeteiligung mit der VP.
© FPÖ
Zugegeben – diese Infos sind kürzlich durch Chat-Nachrichten, die sechs Jahre zurückliegen, bekanntgeworden. Und man soll fairerweise festhalten, dass bisher auch die „roten“, „schwarzen“ und „grünen“ Volksvertreter ein „starkes Interesse“ an der Besetzung wichtiger ORF-Posten gezeigt haben. Man denke da nur an die „politischen Freundeskreise“ im ORF-Stiftungsrat, wo ständig um Einflussnahme auf die mächtigste Medienorgel des Landes gefeilscht wird. Aber so plump, wie die „Blauen“ wieder einmal Posten im Medienbereich durchboxen wollten, agiert ihre Konkurrenz nicht. Und ausgerechnet der „Oberblaue“ Herbert Kickl jammert über einen Staatsfunk, der nicht objektiv berichten würde.
Interessant: Die Chat-Nachrichten über Personalwünsche der FP – gerichtet an den damaligen Vizekanzler und Sportminister Heinz Christian Strache – tauchen zu einer Zeit auf, während gerade heftig über angebliche „Monster-Gagen“ der ORF-Gewaltigen diskutiert wird. So verdienen über 60 Mitarbeiter mehr als 170.000 Euro pro Jahr und müssen dies jetzt offenlegen. Ein Journalist einer großen Tageszeitung beschwert sich, nicht zu Unrecht, über eine angezettelte Neiddebatte, die von bestimmten Blättern ausgelöst worden sei. Der gute Mann vergisst dabei allerdings, dass auch „seine“ Zeitung ein paar Seiten zuvor ausführlich und groß über die Supergagen und Luxuspensionen der ORF-Leute herzgezogen ist. Mittlerweile wissen wir, dass „Ö3-Wecker“-Moderator Robert Kratky mit allen Überstunden, Bonis etc. satte 445.000 Euro brutto in zwölf Monaten kassiert, gefolgt von „ORF-Multi“ Pius Strobl mit 440.000 Euro. Er ist u. a. für „Licht ins Dunkel“ und den neuen ORF-Standort verantwortlich. Böse Zungen meinen, dass der Mitbegründer und Ex-Bundeschef der grünen Partei gleich einen Teil seines Super-Gehaltes an „Licht ins Dunkel“ spenden könnte. Wie man am Beispiel Strobl sieht, legen auch Grüne eine steile Karriere in der „Schlangengrube ORF“ (so ein Insider) hin. Erst an dritter Stelle, was die Gehaltspyramide angeht, scheint Generaldirektor Roland Weißmann auf (380.000 Euro – um einiges weniger als sein Vorgänger Alexander Wrabetz). Es folgen verschiedene Direktoren, Korrespondenten und Moderatoren. Dabei stellt sich die Frage, warum andere Manager in staatsnahen Betrieben nicht auch ihre Einkünfte ab 170.000 Euro veröffentlichen müssen?
Zurück zu den kruden Medien-Fantasien der FP. Bekanntlich hatte der damalige FP-Obmann H. C. Strache auf dem berühmten Ibiza-Video bereits von einer Beteiligung an der „Kronen Zeitung“ geschwärmt – unbequeme Journalisten sollten dort rausgeworfen und durch „willige“ Hofberichterstatter ersetzt werden. Wer jetzt die aufgetauchten Chat-Nachrichten überfliegt, kommt aus dem Staunen nicht heraus: Der „Oberturner“ der Nation, Philipp Jelinek, peilte mit Straches Hilfe eine steile Moderatoren-Karriere an. Nun, das machen andere vielleicht auch. Aber sein Angebot, dafür „ORF-Internas“ auszuplaudern, lässt einem die Wadeln zucken und verursacht schmerzhafte Muskelkrämpfe im unteren Körperbereich. Ob „Möchtegern-Kuchen-Mitnascher“ Jelinek nach diesen Aussagen weiter auf der Mattscheibe herumturnen bzw. Leute auf der Nase herumtanzen darf, bleibt abzuwarten. Ein ehemaliger Chefredakteur musste bekanntlich von der Kommandobrücke weichen – man warf ihm „Parteinähe“ vor. Überhaupt ist die Führungsmannschaft des ORF gegen interessante neue TV-Vorschläge „immun“ – egal ob es ein spannendes Diskussion-Format für Bundesländer oder eine neue und einmal nicht abgekupferte Unterhaltungsserie betrifft. Man bleibt bei zahlreichen Wiederholungen, faden Programmfüllern und billigen „Uralt-Schinken“. Kein Wunder, wenn viele Seher zur privaten Konkurrenz abwandern. Die glänzen mit neuen Inhalten, Bildschirm-News, Live-Shows. Aber das ist eigentlich ein anderes Thema.

Bleiben wir bei den Chats aus dem Jahr 2019 und jenen, die diese Nachrichten in einer Whatsapp-Gruppe diskutiert haben: Der ehemalige ORF-Stiftungsratsvorsitzende und Ex-FP-Vizekanzler Norbert Steger, der EU-Abgeordnete Harald Vilimsky, Ex-Minister Norbert Hofer und FP-Stiftungsräte! Man wolle Martin Thür als ZIB2-Modeator verhindern. „General“ Wrabetz müsse weg (ist eh schon in Pension und Präsident von Rapid), Volkssänger Gabalier sollte auf Ö3 gespielt werden, ORF 1 gehöre abgedreht, die Landesstudios und FM4 müssten auch weg, das Management ausgetauscht werden usw. Diese Infos, die im Rahmen des aktuellen Untersuchungsausschusses aufgepoppt sind, führten zu einer heftigen Reaktion des ORF-Redaktionsrats (Leitung Dieter Bornemann): „Die Chats zeigen ein trauriges Sittenbild, wie wenig politische Parteien – allen voran die FPÖ – von unabhängigem Journalismus halten“. Auch über die Rolle des bekannten ORF-Korrespondenten Christian Wehrschütz wird spekuliert. Ein Mann, der sich angeblich schon für alle „wichtigen Posten“ im ORF beworben haben soll, inkl. um die Stelle des Generaldirektors. Als Ost-Experte und Kriegsschauplatz-Berichterstatter hat sich Wehrschütz zweifellos einen Namen gemacht. Er träumt wohl von einem kugelsicheren Büro ohne Kriegsdonner und Sirenengeheul. Der Redakteursrat bedauert jedenfalls, dass es immer noch Leute gibt, die sich bei Parteien anbiedern und sich dadurch eine Karriere im ORF erhoffen. Wie etwa auch der (Ex)-Chefredakteur einer Tageszeitung. Die Liste der „Anbiederer“ wäre vermutlich sehr lange, darunter befindet sich auch eine ORF-Direktorin. Sie soll sogar ein „maßgeschneidertes Sparkonzept“ erarbeitet haben. Für das unabhängige ORF-Gremium sei das ein Schlag ins Gesicht aller kritischen, objektiven und unabhängigen Journalisten im ORF, zeigt sich Bornemann erschüttert. Dem ist wohl nichts mehr hinzuzufügen. Man versteht lediglich, warum die VP ein Gesetz vorbereiten will, damit Medien nicht mehr aus Akten und diversen Unterlagen frei zitieren dürfen. Die „Blauen“ dürften das wohl auch so sehen…
